Interview: Bloggerin Rike Dittloff von meinlykkelig.de

Interview: Bloggerin Rike Dittloff von meinlykkelig.de

© Tobias Lang

Die Food-Blogosphäre ist eine quirlige Angelegenheit. Ein reges Kommen und Gehen herrscht hier. Ulrike Dittloff traf 2011 mit ihrem Blog meinlykkelig.blogspot.de dazu, der in kurzer Zeit das Herz vieler Leserinnen gewonnen hat. Rike, so ihr Nickname, gehört zu den Rührigen unter den Bloggerinnen. Denn neben ihrem Blog ist sie zudem Initiatoren von Post aus meiner Küche, einem einmaligen „Wir-verwöhnen-uns-Kreis“. Und schließlich bringt sie noch eine berufliche Perspektive auf die Blogosphäre mit, die sehr aktuell ist.

Katharina: Rike, Du bloggst seit 2011 auf Lykkelig. Warum hast Du mit der Bloggerei begonnen?

Rike: Bevor Lykkelig online gegangen ist, hab ich bereits fleißig auf anderen Blogs gelesen. Viele dieser Blogs haben mich mächtig beeindruckt. Ich hab mich immerzu aufs Neue in die Stimmung, die Bilder, die vielen tollen Ideen verliebt, die Blogger mit anderen teilen. Und irgendwann habe ich mir gedacht: Das möchte ich auch machen! Und schwupps… war Lykkelig geboren

Rike-lykkelig-315-2Katharina: In der Rückschau – zwischen damals und heute -, was hat sich für Dich verändert? Kannst Du Dir ein Leben ohne Bloggen vorstellen?

Rike: Auf Lykkelig schreibe ich seit über 1,5 Jahren über all das, was mich glücklich macht – das sind in erster Linie Süßes und Herzhaftes. Mittlerweile kann ich mir ein Leben ohne meinen Blog gar nicht mehr vorstellen – so sehr sind mir die Leser, der Austausch mit anderen Bloggern, das Backen, Fotografieren, Entdecken und Online-Glück ans Herz gewachsen. Ohne meinen Blog könnte ich heute keine Kekse im Schlaf backen und ohne meinen Blog wäre ich auch nicht im stolzen Besitz einer eigenen Kamera – denn weder Backen noch Fotografieren gehörten vor der Entstehung von Lykkelig zu meinen großen Fähigkeiten. Heute ist Bloggen mein liebstes Hobby – ich würde es gegen kein anderes eintauschen.

Katharina: Kulinarisch im Mittelpunkt stehen bei Dir die süßen Dinge. Stand das von Anfang an fest? Welche Themen und Trends machen Dir da zurzeit besonders Spaß?

Rike: Als ich mit Lykkelig gestartet bin, war mir noch nicht klar, dass mein Blog 1,5 Jahre später ein klassischer Foodblog sein würde. Am Anfang standen auch Einrichtung, DIY und Reisen ganz oben auf der Lykkelig-Liste. Nach und nach hab ich aber immer mehr gemerkt, dass mein Herz  am allermeisten fürs Essen schlägt – und dass es mir ganz wahnsinnig viel Spaß bringt, mir Rezepte auszudenken, in der Küche zu stehen, zu backen, zu stylen und zu fotografieren. Häufig sind meine Rezepte bestimmte Backklassiker, die ich neu interpretiere – sozusagen meine kleine Lykkelig-Formel. Zum Beispiel backe ich Käsekuchen einfach mal mit Roter Grütze, verfeinere Apfeltörtchen mit Rosmarin oder denke mir neue Geschmackskombinationen oder Kuchenkreationen aus. Dabei sind immer drei Dinge wichtig: Das Gebackene muss optisch ordentlich was her machen, unwiderstehlich gut schmecken und easy-peasy in der Zubereitung sein. Nach Trends halte ich weniger Ausschau. Cake Pops, Cupcakes & Co wecken bei mir keine große Begeisterung – mich beeindruckt eher bodenständige und authentische Küche.

post-aus-meiner-315-2Katharina: Du bist Initiatoren von Post aus meiner Küche, einem inzwischen richtig großem Projekt. Erkläre doch bitte Eure ursprüngliche Idee und wie Ihr die riesige Resonanz wuppt. Da steckt viel Arbeit dahinter, oder?

Rike: Post aus meiner Küche haben Clara von Tastesheriff, Jeanny von Zucker, Zimt und Liebe und ich im Sommer 2012 ins Leben gerufen. Wir drei fanden die Idee ganz großartig, dass allerlei selbstgemachte Köstlichkeiten quer durch Europa geschickt werden, um Kilometer weiter jemand anderes mächtig glücklich zu machen. Und weil sich Glück eben verdoppelt, wenn man es teilt, haben wir „Post aus meiner Küche“ ins Leben gerufen – eine Idee, die Köstliches teilt und Menschen verbindet. Und Du kannst Dir noch vorstellen, wie wir auf Wolke 7 schwebten, als in der ersten Runde direkt viele Hunderte Koch- und Backbegeisterte mitmachten. Mit so viel positiver Resonanz hatten wir niemals gerechnet! Toller Weise bekamen von dem Projekt auch viele Frauen- und Foodzeitschriften mit und schrieben über uns und die Küchenpost-Idee. Das hat die Idee noch bekannter gemacht.

Natürlich steckt hinter Post aus meiner Küche jede Menge Arbeit. Von täglichen Mails, die wir beantworten bis zum Pinnen von tausend Bildern auf unser Pinterest-Board. Aber es ist eine schöne Arbeit – weil wir wissen, dass „Post aus meiner Küche“ so viele glücklich macht! Natürlich gibt es ab und an auch mal ein paar Momente, in denen wir am liebsten die Topflappen in die Ecke pfeffern würden (etwa beim unermüdlichen Exeltabellen sortieren bis 2 Uhr Nachts oder beim „Eure-Website-funktioniert-nicht“-Meckermail beantworten am frühen Morgen)… aber die ganze Aktion ist einfach zu schön und zu lebendig, als dass uns diese paar Momente daran hintern könnten, Post aus meiner Küche immer weiter zu machen.

Katharina: Was ich bei Dir sehr spannend finde, ist die Tatsache, dass Du beruflich im PR-Bereich tätig bist. Dir sind beide Perspektiven geläufig, die der Lebensmittelhersteller/Agenturen und der Blogger. Welche Fragen stellen sich PR-Agenturen, die mit Foodblogs zusammenarbeiten möchten. Was ist z. B. für sie interessant und was ist heikel?

Rike: Viele Blogs zeichnen sich dadurch aus, dass sie gute Inhalte in lesenswerter Form mit hochwertigen Bildern anbieten – und damit zum Teil viele Leser erreichen. Auch toll ist: Weil Blogger häufig aus einer Leidenschaft für ein bestimmtes Thema heraus arbeiten, sind sie echte Experten auf ihrem Themengebiet und genießen bei ihren Lesern eine hohe Glaubwürdigkeit und Empfehlerkompetenz. Außerdem sind Blogger gut vernetzt und häufig auf vielen Online-Kanälen aktiv.

Auf Grund dieser aufgezählten Eigenschaften werden Blogger immer relevanter und bedeutender für Unternehmen/Marken (die in der Regel von Agenturen vertreten werden). Durch gemeinsame Kooperationen mit Bloggern können Marken ihre Reichweite und Online-Visibilität erhöhen und  Blogger als kompetente und glaubwürdige „Fürsprecher“ für ihre Botschaften gewinnen. Es ist enorm wichtig, dass Agenturen bei der Bloggeransprache sensibel und „mit Köpfchen“ vorgehen – Blogger sind keine Journalisten, denen man ungefragt Pressemeldungen zuschicken kann. Hier kommt es auf eine individuelle Ansprache und maßgeschneiderte Kooperationen an. Ebenfalls wichtig in Sachen Blogger-Relations ist, dass Agenturen die Eigenständigkeit von Bloggern wahren und keinen Anspruch auf Textabstimmung etc. erheben. Hier kann es schnell heikel werden. Bei Edelman, der PR-Agentur in der ich bis vor kurzem gearbeitet habe, gibt es eine tolle Veranstaltung: „Blogger-Breakfast“. Hier werden Blogger aus dem Fashion-, Food- und Beautybereich eingeladen, um mit ihnen an einem großen Tisch über Chancen und Risiken der Zusammenarbeit zu sprechen. So können beide Seiten ihre Erwartungen formulieren und im persönlichen Gespräch den Grundstein für Kooperationen legen. In einem Austausch sehe ich einen wichtigen Schritt zur professionellen Zusammenarbeit von Blogs und Marken.

Katharina: Und wie sieht für Dich als Bloggerin das Spannungsfeld aus?

Rike: Als Bloggerin konnte ich in den letzten 1,5 Jahren beobachten, dass die Anfragen von Unternehmen/Agenturen zunehmen und sich ein generelles Interesse an Kooperationen mit Bloggern und deren Arbeit entwickelt. Ob kleinere Gewinnspiele, Einladungen zu Kochevents bis hin zur Erstellung von Koch- und Backbüchern – Blogger scheinen als Experten und Multiplikatoren immer stärker in den Fokus von Unternehmen zu rücken. Als Bloggerin und PR-Beraterin kann ich diese Entwicklung spannender Weise aus beiden Perspektiven beobachten – und viele Themen aus beiden Perspektiven bewerten.

Ganz allgemein sehe ich in der Kooperation von Blogs und Marken kein Problem – wenn ein paar Voraussetzungen erfüllt sind. Zum Beispiel sollten Blogger nur dann eine Kooperation mit Marken nur eingehen, wenn diese zum persönlichen Geschmack, zum Themenfeld des Blogs und zur Leserschaft passen. Sonst setzt man als Blogger schnell seine Glaubwürdigkeit und Authentizität aufs Spiel. Außerdem ist es wichtig, dass man Kooperationen/Sponsoring für seine Leser erkenntlich macht. Darüber hinaus sollten Blogger für eventuelle gemeinsame Kooperationen auch entsprechend honoriert werden. In welchem Rahmen dies geschieht, kann ganz unterschiedlich ausfallen. Wichtig ist, dass Unternehmen sehen, dass eine Kooperation nicht so einfach „umsonst“ zu bekommen ist, sondern die Arbeit des Bloggers in irgendeiner Form gewertschätzt werden muss. Leider zeigen immer noch zu viele Fälle, dass hier wenig Bewusstsein auf Seiten der Unternehmen/Agenturen dazu besteht. Wirft man einen Blick nach England oder Amerika sieht man, dass hier Kooperationen/Sponsorings ganz normaler Alltag sind – es wird also spannend sein, inwieweit sich diese Entwicklung auch in Deutschland durchsetzen wird.

Katharina: Ich selber finde, dass manche Leser an Blogs einen höheren ideellen Maßstab angelegen als an klassisch kommerziellen Publikationen. Was sind Deine Erfahrungen: Wie gehen die Leser damit um, dass Du einen Sponsored Post platzierst? Findest Du die Haltung fair?

Rike: Ich beobachte und erlebe, dass Leser von Blogs manchmal sehr kritisch mit Kooperationen/Sponsoring umgehen. Die Ursache könnte darin liegen, dass sie von dem Blog, den sie lesen, etwas anderes erwarten und Kooperationen/Sponsorings als „Schleichwerbung“ empfinden. Ich persönlich kann diese Kritik nicht nachempfinden, denn worin liegt das Problem, dass ein Blogger für seine Arbeit auch einen monetären Mehrwert erhält? Bloggen kostet viel Zeit und viel Kreativität – die Leser eines Blogs erhalten kostenfrei Inspiration, jede Menge Rezepte und Anregungen. Es stellt aus meiner Sicht kein Problem dar, wenn Blogger diesen Aufwand teilweise durch Sponsorings bezahlt bekommen. Für mich ist nur wichtig, dass das für Leser kenntlich gemacht wird und sie wissen, dass es sich um Sponsorings handelt.

Katharina: Wenn Dich eine Freundin fragen würde, die anfangen möchte zu bloggen, was würdest Du ihr raten? Was macht für Dich ein tolles Foodblog aus, das Du gerne selber liest? Was magst Du gar nicht?

Rike: Ich würde sagen: Los geht’s! Und ihr den Tipp geben, dass jeder Blog im Idealfall auf einer kleinen, individuellen Idee beruhen sollte. Wie zum Beispiel der frisch gebackene Blog www.sonsttags.de meiner Freundin Christin – sie wünscht sich nämlich einen „Sonsttag“, einen Extra-Tag für all die Dinge, für die sonst so wenig Zeit bleibt. Zum Backen, zum DIY-Sachen machen und für kleine und große Reisen – ans Ende der Welt oder ins Café um die Ecke. Oder der wunderbare Blog Liz and Jewels – hier bloggen zwei Frauen auf zwei Kontinenten immer ihre Interpretation eines Rezeptes. Wer bloggen möchte, braucht also eine eigene Idee. Foodblogs, die ich liebe, vermitteln Stimmung, laden für einen kleinen Augenblick in eine wunderbar-köstliche Welt ein, inspirieren mit tollen Texten und regen durch eine individuelle Bildsprache zum Träumen an.

Katharina: Herzlichsten Dank!

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Veröffentlicht im April 2013

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