Kochbuch von Hans Gerlach: Kochen fast ohne Zeit

Kochbuch von Hans Gerlach: Kochen fast ohne Zeit ★★★★☆

Kochen fast ohne Zeit von Hans Gerlach
Fotos B. Bonisolli, Mosaik bei Goldmann Verlag
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Wenn mir Essays und Rezepte von Hans Gerlach in die Hände fallen, lese ich sie immer. Er ist der Philosoph unter den Food-Autoren mit einer eleganten „Feder“. Bei seinem aktuellen Kochbuch bleibt er seiner Neigung weiter treu. In der Einleitung beschreibt er seine treffende Sicht auf das Thema Kochen ohne Zeit: „Technische Fortschritte in Produktion, Transport und Kommunikation sorgen für weltweite Zusammenarbeit und Konkurrenz. Die wiederum verstärkt den Druck, noch schneller zu arbeiten. Doch Computer kochen nicht: In der Küche betreten wir eine natürliche Insel der Entschleunigung.“ 

Hans Gerlach hat für Kochen fast ohne Zeit ein Inhaltsverzeichnis mit vertrauten und neuen Aspekten entworfen. Dabei sind Kapitel mit Rezepten, die aufgrund der klugen Wahl von Zutaten das Anliegen erfüllen oder aufgrund geschicktem Zeitmanagement. Schließlich nähert er sich dem Thema aus einer anderen Perspektive: Er schlägt Rezepte vor, bei denen die Zeit still steht. Im Mittelpunkt stehen dabei Zubereitungstätigkeiten, die einen zeitfreien meditativen Geisteszustand auslösen.

Ab 10 Minuten

Mit lesenswerten Anmerkungen leitet der Autor seine Rezepte ein. Dabei sind Hinweise zur Herkunft der Zutaten oder – das hat mir am besten gefallen -, Vorzüge der Zubereitungsart und weitere Ideen für Varianten. Seine Rezepte und Zeitangaben waren bei den vom mir nachgekochten Rezepten zuverlässig. Es geht mit Zubereitungszeiten von 10 Minuten los. Die Anzahl der Rezeptzutaten ist knapp, wie es für das „schnelle Kochen“ sein sollte. Hans Gerlach bediente sich bei der Gestaltung seiner Rezepte bei vielen Länderküchen (vor allem der asiatischen) und passte sie der heimischen Frischware an (z. B. Kohlrabiragout mit Räucherlachs und Couscous). Außerdem nutzte er die hiesige Angebotsvielfalt der „eingewanderter“ Zutaten wie Beluga-Linsen, Yufka-Blätter etc. Heraus kommen – neben bewährten Klassikern – einfache Rezepte mit Details, die zu neuen Geschmackserlebnissen einladen und an die Verwendung eher unbekannter Zutaten heranführen.

Seine Vielfalt der Referenzen hinsichtlich Zutaten und Länderküchen ist für mich die Stärke des Kochbuchs und eine kleine Schwäche zugleich. Das Bunte des Blumenstrauß‘ hätte an mancher Stelle schlichter ausfallen können, indem Elemente wie z. B. eine Zutat oder Zubereitungsmethode vertieft worden wären. Gefallen hat mir sehr seine bewusste Verwendung von Süßwasserfischen aus der Zucht. So sind auffallend viele Rezepte mit (Räucher)fisch zu finden, aber zum Glück keines mit (überfischtem) Thunfisch.

Nicht nur Insel der zur Ruhe kommen

Hans Gerlach und sein Verlag haben ein sehr sachliches Erscheinungsbild gewählt. Das Layout ist übersichtlich und die Rezepte sind modern bebildert. Mir hätte mehr Eleganz und Sinnlichkeit gefallen. Zwar tritt das Thema „schnell kochen“ generell pragmatisch auf, aber ist es nicht die erste Insel für die Sinne nach einem langen Arbeitstag?

Gerlachs Kochen fast ohne Zeit ist ein Kochbuch, das seinem Titel auf intelligente Art alle Ehre macht. Wer sich auf dieses Kochbuch einlässt, auf die kulinarische Experimentierlust des Autors, der trifft auf eine Vielfalt von Geschmackserlebnissen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2009

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