Giorgio Locatelli: Sizilien. Das Kochbuch

Giorgio Locatelli: Sizilien. Das Kochbuch ★★★★★

Sizilien. Das Kochbuch
Giorgio Locatelli, Christian Verlag (2012)
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Doris Brandl

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Hierzulande mittlerweile bekannt durch seinen mit mehreren Preisen ausgezeichneten Bestseller Made in Italy, hat sich Giorgio Locatelli nun der sizilianischen Küche und seinen Bewohnern gewidmet. In dem umfangreichen Werk beschreibt er authentisch bodenständige Rezepte, die seit Generationen in den Familien weitergereicht werden und die auch heute noch die gleichen Zutaten beinhalten. Aber auch innovative Varianten werden aufgezeigt. Viel Stoff zum Schmökern und Kochen! Und zum Lesen!

Die Insel und seine typischen Speisen sind mir durch einige Sizilien-Aufenthalte und meine sizilianische Verwandtschaft bestens vertraut. Von dort ohne zusätzliche Kilos auf den Rippen heimzukehren, ist schier unmöglich. Dafür gibt es einfach zu viele Köstlichkeiten! Von daher war die Spannung groß, was der Sternekoch Giogio Locatelli von Sizilien für Eindrücke und Rezepte in diesem Buch gesammelt und publiziert hat.

Schon die Einleitung weckte in mir die Sehnsucht, am liebsten sofort die Koffer zu packen. Nun leider war das nicht umgehend umsetzbar, also blieb mir nur der Trost in Buchform. Mit diesem imposanten Trostpflaster von über 400 Seiten Umfang konnte ich dann aber fast fühl- und riechbar eintauchen in die sizilianische Landschaft und die Gaumenfreuden, die die Insel zu bieten hat. Auch den Menschen wird ausgiebig Raum gegeben. Wettergegerbte Gesichter zeugen in schön illustrierten Fotos von der Arbeit in der Natur.

Persönliche Anekdoten, sympathisch und humorvoll von Giorgio Locatelli erzählt, werden ergänzt durch Reisebeschreibungen und teils wissenswerte Informationen über einzelne Lebensmittel. Ihre Entstehungsgeschichte und Zubereitungsvariationen lockern die reichhaltige Rezeptsammlung angenehm auf.
In diesem Buch wird einem eine derartige Vielfalt an appetitanregenden und schnörkellosen Rezepten aufgetischt, dass ich am liebsten gleich alles ausprobiert hätte. Nun war ich sehr neugierig, wie die Umsetzung funktionieren und die Ergebnisse ausfallen würden.

Die einzelnen Kapitel sind in der in Italien üblichen Menü-Reihenfolge aufgebaut: Antipasti, Gemüse oder Suppe, Pasta, Fisch oder Fleisch und Desserts. Die Gerichte beschreiben die häusliche Küche – also keine Sternekoch-Rezepte – aber trotzdem auch bestens geeignet für einen genüsslichen Abend im Freundeskreis. Viele Rezepte lassen sich gut vorbereiten, so dass man nicht lange in der Küche stehen muss, während die Freunde schon hungrig mit den Fingern auf den Tisch trommeln.

„Was zusammen gedeiht, passt auch zusammen!“ Diesem Motto folgend enthalten viele Rezepte als Grundzutaten z.B. Sardellen, Pinienkerne, Sultaninen, Kapern und Semmelbrösel.

Ich habe vorher Semmelbröseln nie so eine Bedeutung zugeschrieben. Hierzu gibt es ein extra Kapitel nach dem Motto: „Jeder Krümel ist heilig.“ Und ab jetzt ist auch mein Haushalt mit selbstgemachten Semmelbröseln unterschiedlicher Körnung und von verschiedenen Brotsorten ausgestattet.

Das von der sizilianischen Sonne verwöhnte Gemüse beinhaltet so viel Geschmack, dass nicht zusätzlich viele Gewürze notwendig sind. Das freut den Einkaufszettel. Doch auch wenn wir in unseren Regionen teilweise Abstriche bei Aroma und Frische machen müssen, fanden alle Beköstigten in unseren Probierrunden die Gerichte durchweg absolut köstlich! Die Rezepte sind klar formuliert und in der angegebenen Reihenfolge gut umzusetzen. Hilfreich fand ich im hinteren Teil des Buches die Beschreibung der typischen Käsesorten und auf welche Sorten man ausweichen kann, wenn man z.B. so etwas ausgefallenes wie Caciocavallo nicht erhält. Ebenso werden die Herkunft und Bezeichnung der Trauben für die Weiß- und Rotweine erklärt. Im Register ist alles übersichtlich und schnell zu finden. Ich hätte mir allerdings mehr Fotos von den Gerichten gewünscht. Ansonsten lässt das Buch bei mir keine Wünsche offen.

 

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2012

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