Getränkebuch von Ashley English: Quench

Getränkebuch von Ashley English: Quench ★★★★☆

Quench – Handcrafted Beverages
to Satisfy Every Taste and Occasion
Ashley English
Fotos Jen Altman
Roost Books (2014)

Katja Böttger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Es sind fast 30 Grad, das erste Sommergewitter liegt in der Luft, und der verschwitzte Paketbote bringt dieses kleine Büchlein namens „Quench“. So muss es sich anfühlen, wenn man in der Wüste die Fata Morgana einer Oase sieht. Herrlich!

Das Buch hatte ich auf der Auswahlliste glatt übersehen. Meine einzige Assoziation war das gleichnamige himbeerpinke Getränkepulver, das früher für die von uns Kindern heißgeliebte „Quench-Torte“ zum Einsatz kam – extrem lecker, aber auch sehr, sehr lange her, und mein Verhältnis zu Plastik-Getränkepulvern hat sich seither merklich abgekühlt. Aber ein bisschen Kuppelei von Katharina hat uns dann doch zusammengebracht, und das war ein Glücksfall.

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Der Durst als Kompass

Das Durstgefühl ist die Kompassnadel in diesem kleinen Büchlein: Ohne Alkohol sind die Rezepte in den Kapiteln „Refreshing“, „Invigorating“, „Satisfying and Indulgent“ und „Comforting“, mit Alkohol gibt es Rezepte der Kategorien „Spirited“, „Warming and Fermented“ und „Festive“. Dahinter verbergen sich kreuz und quer verstreut heiße und kalte Getränke, Kaffees, Tees und Schokoladen, Limonaden, Säfte, Milchmixe und allerhand Exotisches und auch harte Drinks, über einhundert Rezepte insgesamt.

Ich stürze mich auf die kühlen, erfrischenden Getränke, und hier komme ich an der Cola nicht vorbei. Selbstgemachte Cola, mit Gewürzen, die ich allesamt in meinen Vorräten finde! Ein paar Handgriffe, ein bisschen Geduld, und ich reibe mir verwundert die Augen: Eine hellbraune Limo ist das Ergebnis, nicht gerade zum Verwechseln ähnlich mit Coca-Cola und Konsorten, aber eindeutig eine exotische Schwester aus der gleichen Familie, interessanter und tiefgründiger als das Original – und verflixt lecker.

Als Auftakt also ein Knaller, und es geht spannend weiter. Gerade die exotischen Erfrischungsdrinks gefallen mir gut, ich lerne Wurzeln, Rinden, Gräser und Blätter kennen, deren Duft beim Köcheln auf dem Herd eine wilde Mischung an Assoziationen von Wald, Erde, Unterholz und Tropenluft hervorlockt und komme mir ein bisschen vor wie Miraculix am Zauberkessel.

Ideen zum Experimentieren und Komponieren

Gemessen und gewogen wird in US-Maßen (mein Standpunkt: Umrechnungstabellen nerven, und Messlöffel-Sets sind eine unschlagbare Investition). Neben ausgefeilten Rezepten mit gewogenen und abgezählten Zutaten gibt es auch eine Menge Anregungen, die zum Experimentieren und Komponieren einladen. Was die Ausrüstung betrifft, so reichen meist die vorhandenen Gerätschaften, nur bei Wein und Cider wäre aufzurüsten gewesen. Etwas komplizierter gestaltete sich die Beschaffung der Zutaten. Bei „Sassafras“, „Sarsaparilla“, „Burdock“ und Konsorten waren mein Englisch-Wortschatz und meine Botanikkenntnisse gleichermaßen überfordert, hier hätte ich mir auch mehr warenkundliche Infos gewünscht.

getraenkebuch-ashley-english-quench-inside-valentinasBei den Heißgetränken und den winterlichen Mixturen gibt es noch einiges mehr zu entdecken, was angesichts der Außentemperaturen noch etwas auf der Teststrecke zurückgeblieben ist, aber das hole ich in den dunkleren Jahreszeiten nach. Von „Coconut Hot Chocolate“ und „Pleasant Dreams Tea“ über einen auf „Pear Bitters“ basierenden „Cozy Cardigan Cocktail“, über traditionell britischen „Wassail“ und schwedischen „Glogg“ bis zu festlichem „St. Cecila Punch“ reichen meine Klebezettel. Ein kleiner Wunsch ist allerdings offen geblieben. Bei den Limos hätte ich mir noch ein paar Rezepte zum Selberbrauen gewünscht, wie sie Dietmar bei Emma Christensens‘ Getränke naturrein & hausgemacht im vergangenen Sommer gefunden hat. So ist dieses Buch trotz der immensen Vielfalt durch alle Jahreszeiten und Geschmacksrichtungen für mich noch nicht ganz das Eines-für-Alles, aber es kommt dem ziemlich nahe.

P.S. Wenn ich so drüber nachdenke. Verflixt lecker war sie, diese Quench-Torte. Sagt jedenfalls meine verklärte Erinnerung. Weiß jemand, ob es dieses Pülverchen noch gibt? Tipps sind willkommen!

Nein, dies ist keine Fata Morgana, diese Oase ist real. Ein kleines Buch, aber ein Riesenfundus an Rezepten und Ideen. Einige der getrockneten Pflanzenteile sind nicht gerade im Laden um die Ecke zu bekommen, aber der Rest ist einfach und schnell gemacht. Ein kleiner Schatz, ganz groß.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2016

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