Eisbuch von Lisa Valmorbida: Pidapipó

Eisbuch von Lisa Valmorbida: Pidapipó ★★★☆☆

Pidapipó – Eistoll
und dessertverliebt
Lisa Valmorbida
Illustrationen: Jean Jullien
Sieveking Verlag (2019)

Katja Böttger

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Pidapipó geht so: Familie Valmorbida aus Melbourne sitzt zu Tisch, Großvater Carlo führt das Kommando. Auf sein „pidapipi“gehen alle Zeigefinger nach oben, bei „pidapipó“ nach unten. Wer sich foppen lässt und im falschen Moment oder in die falsche Richtung zeigt, hat verloren.

Dieses kleine Fingerspiel hat die Geschwister Valmorbida durch ihre Kindheit begleitet. Und so kam auch deren erstes Eiscafé zu seinem Namen – Pidapipó, in Erinnerung an Nonno Carlo.

Das Pidapipó führt Lisa (Foto unten) gemeinsam mit ihrem Bruder Jamie, fürs Kulinarische ist sie allein zuständig. Sie hat Eiscreme an der Carpigiani Gelato University in Bologna studiert (oder im Klartext: sie hat einen vierwöchigen Kurs beim Hersteller der gleichnamigen Eismaschinen besucht), in Turin in einer Eisdiele gejobbt und die Amalfiküste nach Inspiration abgegrast und dann ihre Schätze und Erfahrungen in den Koffer gepackt und nach Melbourne mitgenommen. Einige erfolgreiche Jahre mit Eiscreme, Kunst und Musik später gibt es die Rezepte des Pidapipó nun auch als Buch.

Kochbuchautorin Lisa Valmorbida

Zitronengesicht und Avocadobauch

Der selig schmunzelnde Typ mit der spitzen Eiswaffel-Nase auf dem Buchdeckel ist auf Anhieb sympathisch, und auch die Innenseiten werden von Avocadobäuchen, Zitronengesichtern und Erdbeerköpfen bevölkert. Eingebettet sind diese entzückenden Figuren in einen lauten Stilmix: Die Farben sind plakativ, die Schrift groß und etwas sperrig. Die Rezeptfotos wirken mit Resopalflächen, unkaputtbarem Gastro-Geschirr und karierten Tischdecken eher retromäßig. Dazu gibt es eine gute Prise Italo-Kitsch und Einblicke ins Valmorbida’sche Familienalbum mit besagtem Nonno Carlo in jüngeren Jahren als Party-Animal. Und dazwischen verstecken sich die Rezepte: ganz sachlich und dezent auf weißen Seiten und übersichtlich gegliedert.

Eiscreme ganzjährig – und andere dolci

Das Repertoire ist genauso bunt wie die Eiskarte des Pidapipó: Neben klassischen Eissorten gibt es Gebäck und Desserts, darunter auch weniger Italienisches wie Banoffee Pie oder Vanille-Milchreis mit Kardamom-Pistazien-Eis. Gegliedert ist das Buch nach Jahreszeiten. Das finde ich schon mal großartig. Ich bin sehr von den klassischen Eissorten des Sommers geprägt. Für die dunklen Monate kann ich Inspiration gebrauchen. Einen echten Theorieteil gibt es nicht, dafür aber ein Glossar, in dem sich Tipps und Erläuterungen verstecken.

Eisbuch von Lisa Valmorbida: PidapipóMeine erste Kostprobe ist das Milcheis, das auf Italienisch auf den viel schöneren Namen Fior di Latte hört. Die „Blume“ ist geschmacklich so dezent, da muss die Textur perfekt sein. Dann allerdings reibe ich mir bei den Zutaten die Augen: Johannisbrotkernmehl, Magermichpulver, Dextrose … ist das Eis auf die traditionelle italienische Art? Hm … das ist ja zugegebenermaßen alles essbar und ungiftig, aber muss das wirklich sein? Andererseits spricht nichts dagegen, meine Vorurteile auf die Probe zu stellen.

Und das Milcheis gelang tatsächlich … okay. Gut, aber für ein perfektes Milcheis hätte es etwas dichter sein müssen, weniger „lose“ in der Textur. Wie dieser Befund mit den Hilfsstoffen zusammenhängt, kann ich nicht sagen, denn eine Gegenprobe habe ich nicht gemacht.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website des Pidapipó

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Die Helferlein begleiteten mich durch die Eisrezepte, mit brauchbaren Ergebnissen. Das Mangosorbet fror ein wenig zu fest, das ist jedoch nicht ganz untypisch für Sorbets aus eigener Herstellung, die man im Tiefkühlfach nachfriert. Das Zabaglione-Eis konnte dafür mit einer perfekten Textur aufwarten, und da begann ich, die Helferlein zu respektieren.

Zu viel des Guten …

Bei den Portionsgrößen und auch bei der Süße sei allerdings ein Warnhinweis angebracht. Mir scheint, Lisa Valmorbida denkt in Dimensionen, die einer Eisdiele würdig sind. Dort kommt die Süßspeise meist „solo“. Wir hatten die Desserts nach dem Hauptgang eingeplant und waren überfordert. Zu viel, zu süß – mein Lieblingsmittester hat erschöpft abgewunken, und auch ich habe geschwächelt. Mein Tipp: Es lohnt sich, die Portionsgrößen zu schrumpfen – dann klappt’s auch mit dem Genuss!

Ein Rezept ist noch auf meiner Liste: eine Alaska-Eisbombe, auch bekannt als „Baked Alaska“. Ich werde berichten.

„Pidapipó“ ist ein charmantes, kunterbuntes Buch mit ebenso bunten Rezepten und einem Repertoire für alle Jahreszeiten. Wer einen Grundkurs der Eisherstellung erwartet oder eine Sammlung klassischer Rezepte, wird enttäuscht – wer aber Inspiration sucht, hat gute Chancen, fündig zu werden.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2020

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