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Katharina Höhnk

Eisbuch von Jacob Kenedy: Gelato Geniale ★★★★★

Gelato Geniale – 80 Rezepte mit und ohne Eismaschine, Jacob Kenedy, Illustrationen: Märta Andrén, Fotos: Steven Joyce, DuMont Buchverlag (2021)

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Julia Eckl-Dorna

Von

In meiner Zeit in London hat mich eines fasziniert: Nicht nur im Sommer, sondern auch im tiefsten Winter war der beliebteste Pausensnack bei Konzertveranstaltungen nicht Tee, nein – es war Eis. Auch mir hat dieser Genuss manchen Regentag versüßt und zu meiner Verblüffung habe ich festgestellt, dass einige englische Eisdielen richtig gutes Eis machten, noch lange bevor der Eisboom bei uns Einzug hielt. So freue ich mich auf einen gelatoreichen Sommer mit Jacob Kenedy.

Kochbuchautor Jacob Kenedy (© Steven Joyce)
Kochbuchautor Jacob Kenedy (© Steven Joyce)

Jacob Kenedy (Foto links) betreibt in London zwei Restaurants: den Pub Plaquemine Lock in Islington, der den Bib Gourmand-Award erhielt, und das Bocca di Lupo in Soho. Als 2010 gegenüber seines italienischen Restaurants ein Ladenlokal frei wurde, witterte er die Chance, eine Gelateria im italienischen Sinn aufzumachen, wo sich Jung und Alt auf ein Eis und ein Schwätzchen treffen. Es wurde ein voller Erfolg, den er im vorliegenden Kochbuch mit uns teilt.

Ein Könner und guter Lehrer

„Ungewöhnlich und extrem reduziert“ beschreibt das Layout dieses 80 Rezepte umfassenden Kochbuchs wohl am besten. Selten hält man ein Kochbuch in Händen, in dem tatsächlich kein einziges Foto zu finden ist. Und doch spricht einen jedes Rezept an. Das liegt an den vielversprechenden Titeln, aber auch an der gekonnt gestalteten Grafik. Es gibt auch keine Unterteilung der Eissorten in Kapitel, viel mehr folgen die Rezepte einem Farbcode von Weiß (wie Fior de Latte) über Rot bis hin zu Braun, wobei das Espressoeis den Abschluss bildet.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website des Gelupo in London und Instagram des Autors

Mehr Eisbücher bei Valentinas

Irgendwie ist das Layout einfach cool, nichts lenkt das Auge vom Wesentlichen, also den Rezepten und köstlichen Zutaten, ab. Kenedy gibt der Einleitung angenehm viel Raum und erklärt mit Hingabe die Prinzipien der Eisherstellung und Zutaten. So erklärt er auch, dass erst die Verwendung unterschiedlicher Zuckerarten (hier meist Zucker und Honig) dem Eis den perfekten Schmelz verleiht, da sie bei unterschiedlichen Temperaturen schmelzen. In seinem Kapitel „Frostiger Meisterkurs“ geht er nicht nur auf die Zubereitung von Eis, sondern auch auf jene von Granita und Semifreddo ein. Sein Wissen ist auch für Fortgeschrittene beim Thema Eis eine Bereicherung.

Eisbuch von Jacob Kenedy: Gelato Geniale
Eisbuch von Jacob Kenedy: Gelato Geniale

Eiskaltes Glück

In diesem Büchlein ist für jeden etwas zu finden: Wer klassische Sorten bevorzugt, hält sich wohl eher an Fior di Latte oder Joghurt. Für jene, die Neues entdecken wollen, locken gewagtere Kombinationen wie Holunderblüten-Gurken-Gin-Granita oder Kürbis-Zimt-Eis. Die Granitas und Semifreddi können ohne Eismaschine zubereitet werden, für viele andere Rezepte wird sie jedoch benötigt.

Ich versuche es zunächst mit den klassischen Sorten: Crema, das italienische Äquivalent zum Vanilleeis, wird wunderbar cremig und rund. Schokoladenliebhabern kann ich das Bitterschokoladeneis wärmstens empfehlen – selten habe ich ein so cremiges und durch und durch schokoladiges Eis vor mir gehabt. Interessanterweise kommt das Schokoeis völlig ohne Milch und Sahne aus, dadurch ist es noch intensiver im Geschmack. Es ist auch nicht zu süß, was übrigens für die meisten der ausprobierten Sorten gilt. Dank sparsamen Zuckereinsatzes lässt Kenedy die Zutaten und reifen Früchte sprechen, wie zum Beispiel beim Mangoeis, das bei uns ein Sommerhighlight wurde. Jacob Kenedy versteht sein Handwerk und weiß für jede Sorte die richtige Basis, hier kann ich noch viel an Feingefühl lernen.

Jacob Kenedy:

„Meine Londoner Gelateria Gelupo ist unter anderem von der Gelateria Il Gelatauro in Bologna inspiriert, wo ich das Eismachen – und damit das Glücklichmachen – gelernt habe. Man braucht nicht viel mehr als Milch und Zucker, um einen süßen Moment des eiskalten gemeinsamen Glücks herzustellen.“

Aber auch die „gewagteren“ Sorten müssen sich nicht verstecken: Das Zitronen-Rosmarin-Sorbet besticht mit geschmacklicher Ausgewogenheit zwischen Säure und zarter Rosmarinnote. Und das Apfelstrudeleis hat – obwohl 1 Liter – kaum länger als einen Abend bei uns überlebt. Kurz gesagt: Ein Sommer ist leider zu kurz, um all die Köstlichkeiten auszuprobieren, aber der nächste kommt bestimmt. Und wie ich in London gelernt habe: Auch der Winter ist die perfekte Zeit, um ein Gelato Geniale zu genießen.

Gelato Geniale wird seinem Namen gerecht – von klassisch bis modern ist für jeden Geschmack etwas dabei. Achtung: Das Buch macht süchtig, zu jeder Jahreszeit.

Veröffentlicht im Juni 2022

7 Kommentare

  1. Erik

    Die Gestaltung des Buchs ist absolut gelungen, wenn auch ich letztendlich doch gerne Fotos zu den Rezepten hätte. Man kann einfach nochmal abgleichen was einem hilft besser zu werden.
    Mein größtes Problem ist aber, dass statt der klassischen Eigelb-Milch-Mischung auf Milchpulver zurückgegriffen wird.
    Für mich als Laktoseintoleranter nicht ersetzbar und auch lange nicht so spaßig wie beim klassischem Eis machen.
    Von dem her, sicher tolles Buch, jedoch für mich nicht geeignet.

    • Katharina

      Lieber Erik, dank Dir für Deine Zeilen und den wichtigen Hinweis. Herzlichst Katharina

  2. Ulrike

    Liebe Julia, das hört sich toll an! Kannst du kurz sagen, wieviele der 80 Rezepte ohne Eismaschine umsetzbar sind – lohnt sich das Buch, auch wenn man keine Maschine hat? Danke!

    • Katharina

      Liebe Ulrike, laut Kenedy lassen sich seine Granitas (14 Rezepte) und Semifreddi (17 Rezepte) ohne Eismaschine herstellen. Ich übergebe dann Julia! Herzlichst Katharina

      • Julia

        Liebe Ulrike, es ist ein wirklich super Kochbuch für Eisfans. Wie Katharina schreibt gibt es Granitas und Semifreddi – von den 80 Rezepten sind das 31. Für alle anderen benötigt man eine Eismaschine. Und schon allein für das Tiramisueis zahlt sich die Anschaffung voll aus, das ist gerade unser Liebelingseis…und es gibt noch immer soviele andere die ich probieren möchte. Birne, Brombeere und Crumble zum Beispiel. Ich hoffe das hilft! Liebe Grüße Julia

        • Ulrike

          Liebe Julia, liebe Katharina, danke für die Antwort. Julia, hast du denn eine gute Eismaschine? Mit Generator? Wenn ja, welche?

          • Julia

            Nein, ich habe das eine mit kühlakku. Aber das ist vor allem bei heißem Wetter problematisch… würde mir jetzt eher eine mit Generator kaufen. Lg Julia

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