Die 3 interessantesten James Beard Award-Gewinner

Die 3 interessantesten James Beard Award-Gewinner

Von Katharina Höhnk

Alljährlich vergibt die James Beard Foundation Awards für besondere kulinarische Leistungen. Die Kategorien reichen von Best new Restaurant über Lifetime Achievement bis Books und Media. Eine Fülle an Perlen. Ich habe für euch die drei interessantesten herausgesucht.

Kochbuch-Auszeichnungen gibt es viele, aber dieser hat Wert. Denn die Bücher erweisen sich in der Praxis als tatsächlich bemerkenswerte Neuerscheinungen, so mein Fazit nach Jahren des Verfolgens.

Bedacht werden ausschließlich US-amerikanische Leistungen. Das geht auf den Gründer der Foundation zurück. James Beard, ein Zeitgenosse von Julia Child, beeinflusste die Kochkultur Nordamerikas, seine Stiftung setzt das fort. Der Journalist, Koch und ehemalige Schauspieler veröffentlichte Rezeptsammlungen, führte ein Catering-Unternehmen und trat in Koch-Shows auf.

Mein Tipps aus der Liste der diesjährigen Gewinner:

 

The Kitchn Cookbook: Recipes, Kitchens & Tips to Inspire Your Cooking
Sara Kate Gillingham, Faith Durand
Verlag Clarkson Potter, 2015
Bei Amazon bestellen: The Kitchn Cookbook

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kochbuch-the-kitchn-james-beard-inside-1Perlen-Surfern und Enthusiasten des Wohnungsinterieurs wird das US-amerikanische Online-Magazin Apartment Therapy bekannt sein. Für alle anderen: Hier werden Wohnungsverschönerung vorgestellt – authentisch und extrem faszinierend. Auch die Küche als wichtigster Ort, aber gleichzeitig anspruchsvollstes Renovierungsobjekt, findet volle Aufmerksamkeit. 



Das ist der redaktionelle Ausgangspunkt und die Entstehungsgeschichte der „Website-Tochter“ The Kitchn mit Autorin Sara Gillingham als Founding Editor. Hier wird das Küchenleben in jeder Hinsicht bedient – vom Rezept bis zur Kücheneinrichtung. Das Buch nun bringt das Konzept aufs Papier: Koch- und Küchen-Knowhow: Die Küche als Wohnraum und deren Organisation im weitesten Sinne (10 smart storage solutions und planning meals) werden erörtert sowie Rezepte, die sich als moderne Klassiker entpuppen, von Sommerrollen bis Baba Ghanoush.



Das Buch knüpft im Grunde an die Tradition der kulinarischen Lehrwerke der Hauswirtschaft an, mit der früher die Frauen in die Ehe geschickt wurden. Es ist dabei ein interessanter Spiegel des gesellschaftlichen Wandels, denn hier geht es um die selbstbestimmte Köchin (oder selbstbestimmten Koch) in aller Lässigkeit des Zeitgeistes und mit Style. Die Küche als Wohnort ist heute ein Ort des Ausdrucks der Persönlichkeit und wird mit tollen Beispielen bebildert, z.B. ein Einblick in die vier Wände von Kochbuchautorin Rozanne Gold. Die Rezepte wiederum bedienen den kulinarischen Hedonismus, Weltoffenheit und ermuntern durch Anleitungen, die auf You-can! statt Imperativ setzen. Am interessantesten sind für mich dabei die Kapitel des Einrichten und Organisierens. Man lernt nie aus.

Für Novizinnen mit einer Sehnsucht nach Ordnung sehr vielversprechend.

 

Food52 – Genius Recipes: 100 Recipes That Will Change the Way You Cook
Kristen Miglore, Foreword Amanda Hesser, Merrill Stubbs
Ten Speed, 2015
Bei Amazon bestellen: Food52 Genius Recipes

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kochbuch-food52-genius-recipes-inside-3In den vergangenen Jahren hat sich das Rezeptschreiben außerhalb der Zutatenliste und Zubereitung verändert. Man ist gesprächig geworden und teilt sein Wissen oder die Geschichte eines Rezepts als Einleitung vorab. Im Kern sind diese Zeilen die Hand, die uns die Schwelle überqueren lässt – vom reinen Lesen zum Nachkochen. Denn wir erkennen das Besondere sofort, statt es selber vor dem Hintergrund des eigenen Erfahrungsschatzes zu analysieren.

In Genius Recipes macht diese Einleitung das Konzept. Hier wurden 100 Rezepte zusammengestellt aus der Feder der besten englischsprachigen Autoren wie April Bloomfield, Nigel Slater und Anne Willan. Die jeweilige Einleitung wurde von Kristen Miglore (Food52) verfasst. Als Außenstehende fasste sie die Worte der Rezeptautoren zusammen, die dem Leser das Besondere, sozusagen das Kochgeheimnis des Gerichts offenbaren – und so suggerieren, dass es DAS Master-Rezept sein könnte. Sehr anziehend, denn als Köchin ist schließlich das das Ziel der ewigen Suche.



Gelernt habe ich z.B. über Guacamole von Koch Roberto Santibanez, dass die Textur der Avocado eine entscheidende Komponente ist – sie wird niemals zu einer pürierten Masse verarbeitet, sondern in den Würfeln, die leicht mit einer Gabel bearbeitet werden, so dass die Mole einen cremigen Dip-Charakter bekommt. Eine Fortsetzung neuer Einsichten an anderer Stelle folgt.

Sehr vielversprechend!

 

Flavor Flours: A new Way to bake with Teff, Buckwheat, Sorghum, other whole & ancient Grains, Nuts & Non-wheat Flours
Alice Medrich
Artisan, 2015
Bei Amazon bestellen: Flavor Flours

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kochbuch-flavor-flours-medrich-inside-1Ein Buch, das die aktuelle Entwicklung gegen den Strich bürstet. Während die Lebensmittelproduktion sich auf wenige Pflanzen und Sorten konzentriert und die Monokulturen auf den Feldern zunehmen, wird das kulinarische Gespräch angereichert durch Publikationen über die Vielfalt wie z.B. Ghillie James fabelhaftes Getreide-Werk oder das Lexikon der alten Gemüsesorten.

Nun beschert uns Alice Medrich einen weiteren vertiefenden Blick – und zwar auf Mehlsorten abseits des Weizens.

Reis-, Hafer-, Kastanien- , Teff-, Mais-, Buchweizen-, Sorghum- und Nuss- bzw. Kokosnussmehl stehen im Mittelpunkt ihres prämierten Backbuchs. Jedes wird in seinen Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten vorgestellt. Der Leser erfährt z.B., dass Reismehl aufgrund seiner Neutralität das Aroma anderer Zutaten betont, aber auch dass Backwaren damit länger frisch bleiben. Bekannte Allgemeinplätze werden ausgelassen, es geht um den aromatischen Charakter.

Im Anschluss folgt die Praxis mit Backrezepten, die das Können des jeweiligen Mehles hervorhebt wie z.B. Walnut and Buckwheat Crackers oder Chestnut Buche de Noel. Die Autorin zahlreicher Backbücher teilt hier zum Glück ihr Wissen über das Warum und Weshalb, so dass man den Griff zum Weizen wirklich überdenkt aus Gründen des Geschmacks.

Auf meiner Backliste steht vor allem Backwerk mit einer Mischung aus Reis- und Hafermehl, denn äußere Knusprigkeit und innere Fluffigkeit gelängen hier optimal, so Medrich. Allerdings – in der Praxis stelle ich fest, dass der Bezug mancher Mehlsorten – z.B. Hafer – nur mit einigem Aufwand möglich ist. Tipps zu Bezugsquellen sind daher sehr willkommen. 🙂

Sehr vielversprechend!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2015

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