Cornelia Schinharl: Fein gebacken!

Cornelia Schinharl: Fein gebacken! ★★★☆☆

Fein gebacken! Das Grundbackbuch, Cornelia Schinharl, Christa Schmedes, Fotos Alexander Walter, Kosmos Verlag (2011)

Janina

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Meinen allerersten Kuchen haben meine Verwandten wohl nur aus Mitleid gegessen. Kein Wunder: Keine Ahnung davon, warum man Butter schaumig schlägt, war mein Ergebnis hart und flach – nichts für Gebissträger. Warum muss ich denn überhaupt Mürbeteig blind backen? Fragen dieser Art treiben mich oft in die Verzweiflung, wenn ich mal wieder den entscheidenden Kniff vergessen habe. Jetzt verspricht mir fein gebacken auf alle meine Backfragen eine Antwort zu haben. – Endlich ein Grundbackbuch, das mir das Wie und Warum erklärt. Doch meine anfängliche Euphorie lässt bald nach.

Beim ersten Durchblättern ist an fein gebacken nichts auszusetzen. Es passt sich in Layout und Design seinen Geschwistern draußen genießen oder auch gut gekocht an. Das Querformat ist ungewöhnlich für Kochbücher, sorgt aber dafür, dass auch bei hektischer Küchenaktivität die Seite nicht verschlägt. Die Backanleitungen sind übersichtlich angeordnet: die Zutaten rechts, die Anleitung selbst nummeriert und der Zeitaufwand gegliedert in Back-, Zubereitungs- und Ruhezeit. Beinahe jedes Rezept schmückt ein klares ganzseitiges Foto sowie ein bis zwei kleinere Step-by-Step-Fotos. Vor allem die Fotos gefallen mir sehr. Sie sind auf das Wesentliche – den Kuchen – konzentriert, ohne Schnörkel, sehen sie aus, als könnten sie aus meinem Ofen stammen.

Auch der Aufbau von fein gebacken überzeugt mich. Jedem Teig ist ein Kapitel gewidmet und es sind wirklich alle dabei, die klassischen wie Hefe- und Rührteig bis hin zu den anspruchsvolleren wie Blätter- und Strudelteig. Die Kapitel beginnen mit einem Grundrezept, an dem ich die Besonderheiten des Teigs kennenlernen kann, bevor ich mich an das anspruchsvollere Backwerk wage. Einen besonderen Vorschussbonus bekommt fein gebacken aber für die Rubrik „Das ist wirklich wichtig“, die jedes Rezept begleitet. Ich sehe mich schon geheimste Backtricks lüften.

Genau betrachtet, entpuppen sich die Rezepte als Backklassiker: Schillerlocken, Donauwellen und Madeleines. Die Autorinnen peppen einige Rezepte bewusst mit ungewöhnlichen Zutaten auf ( z. B. Birnen-Tarte mit Espresso). Aber erst die herzhaften Quiches und Wähen treiben mich in die Küche. Zwar ist Quark-Öl-Teig absolutes Neuland für mich, aber ich habe alle Zutaten für die Tomaten-Wähe im Haus, also los. Die Erklärungen sind einfach und bereiten mir keinerlei Schwierigkeiten. Ein Foto zeigt mir, wie mein ausgepresster Quark aussehen muss. Und siehe da: mein erster Quark-Öl-Teig gelingt auf Anhieb. Mein Stolz wird nur ein wenig durch die etwas einseitig schmeckende Wähe geschmälert. Auch bei meinen weiteren Versuchen profitiere ich von der präzisen Sprache der Anleitung und den Step-by-Step-Fotos. Genau das habe ich mir von einem Grundbackbuch erhofft.

Leider finde ich in der auf den ersten Blick besonderen Rubrik „Das ist wirklich wichtig“ oft triviale Anleitungen, die nichts mit einem komplizierten Backkniff zu tun haben. Dass ich die Kekskrümel für den Cheesecake-Boden mit der flüssigen Butter mischen muss, steht im Rezept und muss nicht extra erklärt werden. Die besagte Rubrik enttäuscht mich in einem weiteren Punkt: Ich finde zwar Rezepte, bei denen ich mich über die Hinweise der Autorinnen freue, allerdings erfahre ich selten den Grund für dieses oder jenes Manöver. Auch durch dieses Backbuch werde ich kaum schlauer.

Und trotzdem. Im Vergleich zum wirklich gelungenen Aufbau und Design wären das Kleinigkeiten, wenn die Rezepte stimmig wären und mich zum Schwärmen bringen würden. Aber die Kuchen, die ich ausprobiert habe, waren „nur“ gut. Außer einem absoluten Fiasko (der Heidelbeerkuchen – Oh je!) haben die Kuchen jedem Gast geschmeckt. Aber es hat auch keiner nach dem Rezept gefragt.

Was bleibt, ist ein Nachschlagewerk für Teigarten, ein paar schnelle Rezepte für den Notfall und die liebevoll gesetzten Fotos von Alexander Walter.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2011

2 Kommentare

  1. Doriku

    Da hatte ich wohl mehr Glück mit meiner Rezepteauswahl. Mich zumindest hat das Buch – ein bisschen wider Erwarten – überzeugt einige Rezepte sind sogar in mein Standard-Repertoire eingegangen. Zum Beispiel der Apfelkuchen aus Quarkmürbeteig oder die Dinkelwaffeln.
    Die Tomatenwähe habe ich witzigerweise zwecks Resteverwertung mit Speck gemacht. Ich kann mir vorstellen, dass sie sonst ein wenig fad schmeckt. Werde ich in der Speck-Version bestimmt nochmal machen, hat uns sehr gut geschmeckt.

    • Katharina

      Dank Dir für die Rückmeldung. Verschiedene Eindrücke sind immer hilfreich.

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