Kochbuch von Claire Kelsey: Melt – Ice Cream Sensation to make at home

Kochbuch von Claire Kelsey: Melt – Ice Cream Sensation to make at home ★★★★☆

Melt
Ice Cream Sensation to make at home
Claire Klesey, Fotos E. Dennison, Simon & Schuster (2013)

Annick Payne

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Claire Kelsey gehört zu den hippen jungen Machern der Londoner Streetfood-Szene. Sie ist stolze Besitzerin eines Burgunder-und-rosa-rotem Minibusses, von dem aus sie ihre Eiscremevariationen verkauft. Wer nicht die Chance hat, auf den Straßen Londons ein Eis von „Ginger’s Comfort Emporium“ zu verkosten, darf sich freuen, denn in „Melt“ teilt die Autorin ihre 100 besten Rezepte mit uns, und ein erster Blick verrät, dass es Miss Kelsey weder an Inspiration noch Kreativität fehlt. Doch können Sorten wie Gorgonzola & Honig, Melone & Chili oder Kamelmilch überzeugen?

Bereits der erste Blick lässt in der Autorin die Foodstylistin erkennen, denn das Design ist frech und jung. Bunte Seiten bilden den Hintergrund der Rezepttexte, für Abwechslung sorgt ein Mix von Fotos, die die Rezepte illustrieren, und Zeichnungen, die die Kapitel einleiten. Geschmacklich wird die Eiscremewelt in cremig, fruchtig, nussig, würzig, alkoholisch, knusprig und erfrischend unterteilt, es folgen Kapitel zu Fingerfood und „Supporting Cast“, sprich allerlei Beilagen, die man mit Eis kombinieren kann wie z.B. gebackenes Obst, Peanut Butter Soße oder auch Doughnuts.

Die Rezeptauswahl ist erfrischend anders, gut, Vanille, Erdbeere und Schokolade findet man hier auch, aber die meisten Sorten haben wenig mit denen meiner örtlichen Eisdiele gemein. Olivenöleis mit geräucherten Salzkristallen? Durian-Schokoladeneis? Fenchel-Pfirsich? Haselnussterinne mit weißem Trüffelöl? Ein Kräutereis aus Korianderblättern? Gut, das sind die Exoten, aber kandierte Maronen mit Vanille und Rosmarin oder Brombeere mit Sternanis hören sich auf Anhieb überzeugend und dennoch außergewöhnlich an. Da gibt es nur eines, ausprobieren!

rhubarb-and-custardDas erste Eis hat es bei uns noch nicht einmal bis in die Eismaschine geschafft: weil die Grundmasse aus Rhabarber und Ingwer meinen Kindern so gut schmeckte, durften sie es als Rhababerkompott verzehren. Und nach dem wird seitdem immer wieder verlangt! Auch als Eis kann diese Kombination überzeugen, ein sehr erwachsener, nicht nennenswert süßer Genuss. Sorte zwei war leider kein Hit, Schokolade und Milch trennten sich, und die Masse war auch gefroren noch viel zu süß. Vielleicht war es einfach die falsche, zu minderwertige Schokolade. Ein neuer Anlauf mit einem bildhübschen Eis-am-Stiel in Pastelltönen, die an die Garderobe der Queen erinnern, Zartrosa und ein noch zarteres Grün enthüllen den erhofften Knüller. Dieses Eis ist schräg und schrill, fast möchte ich ihm zu Ehren eine Party schmeißen. Ein 60er Jahre Motto wäre passend, oder auch ein elegantes britisches Picknick. Auch Kelseys preisgekröntes Bananeneis stieß auf große Gegenliebe, wobei Eis mit einer Ader salzigen Karamells bei den meisten Menschen wohl ein Selbstläufer ist.

Die Rezeptanleitungen sind durchweg verständlich und nutzerfreundlich, jedes Rezept wird von einer kleinen Einleitung begleitet, die humorvoll einen Kontext herstellt und eine persönliche Note mitbringt. Die meisten Eissorten sind schon ein wenig aufwendig, denn um beispielsweise das Bananeneise zu aromatisieren reichen keine reifen Bananen, sie müssen zusätzlich im Ofen geröstet und karamellisiert werden. Doch die Geschmacksergebnisse rechtfertigen diese zusätzliche Arbeit durchaus. Ansonsten wird nichts verlangt, was spezielle Erfahrung und Kenntnisse voraussetzt. Kelseys Band richtet sich an eine trendige und experimentierfreudige Lesergruppe, und sie kann Ideen bieten, die einem nicht in jedem Eisbuch unterkommen. Wer zum Beispiel eine Sommerparty plant, kann sich von einem ganzen Kapitel alkoholischer Eissorten inspirieren lassen: Rum-Limette-Ingwer, Grappa-Blaubeere, Irish Cream, Schokolade-Glühwein, Bier, Mojito, und und und.

Ich hoffe auf einen langen Sommer, in dem ich noch einiges aus „Melt“ ausprobieren kann. Auf meiner Liste stehen noch Kirsch-Ziegenkäse, auch das Ingwer-Malz-Eis würde mich reizen. Und ein Gläschen Espresso-Amaretto- oder Tee-Granita stelle ich mir sehr erfrischend vor. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit Claire Kelseys Eiskreationen, doch für die ganz große Liebe reicht es nicht, weil mich ein nicht ganz unwichtiger Punkt nicht völlig überzeugt, nämlich die Konsistenz der getesteten Eise. Eis am Stiel darf natürlich hart sein, aber das Sorbet war entweder steinhart oder wie aufgetaute Eisbrocken; die Milcheiscreme war in Ordnung, aber ich bin ob ihrer Textur weder ins Schwärmen noch ins Träumen geraten. Obwohl Kelseys Eissorten geschmacklich einen hohen Genuss versprechen, ist dies für mich das fehlende i-Tüpfelchen, das den fünften Stern gerechtfertigt hätte.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2013

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