Kochbuch von Christiane Steinfeld: Finger & Food, 100 Rezepte von Party bis Picknick

Kochbuch von Christiane Steinfeld: Finger & Food, 100 Rezepte von Party bis Picknick ★★★★☆

Finger & Food, 100 Rezepte von Party bis Picknick
Christiane Steinfeld, Fotos A. Kramp & B. Gölling, Christian Verlag (2012)
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Annahita Aryafar

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Für Köchinnen mit wenig Zeit

Ein Buch, das hält, was es verspricht: Kleine Häppchen. Es verschweigt, dass es sich mit dem Titel „praktisch“ schmücken kann. So wird es vor allem diejenigen begeistern, die trotz Mangel an Zeit eine gewisse Raffinesse erwarten und für die Helfer in Form von Fertigprodukten wie Blätterteig & Co kein No-go sind.

Aufgeteilt in “Brunch&Lunch”, “Picknick”,“Fein&Festlich”, “Vegetarisch” und “Süsses Finale”, bietet das Buch Rezepte zu unterschiedlichen Anlässen, die sich in ihrem Aufwand und der Zugänglichkeit ihrer Zutaten nicht wesentlich unterscheiden. So passen Hühnerspiesse und Dips im Einmachglas perfekt zum Picknick, Sushi hingegen zum festlichen Buffet daheim. Austauschbar sind die Rezepte innerhalb des Buchs jedoch allemal. Zu meiner Freude als begeisterter Gemüsefan haben sich zudem einige vegetarische Kleinigkeiten eingeschlichen. Jedem Kapitel sind ca. 20 Rezepte gewidmet, wobei die Süssspeisen klar im Nachteil sind mit gerade elf an der Zahl, aber auch hier lohnt sich ein zweiter Blick, denn ein süsser Nachtisch ist am Ende eines jeden Kapitels mit dabei – da fällt ein Stein von meinem zuckerliebenden Herzen…

Wenig praktisch ist die Handhabbarkeit des Buches: Hat man sich beim ersten Durchblättern in die Fotos und/oder Rezepte verliebt, sollte man sie entweder mit Post-Its markieren oder muss jedes mal auf’s Neue blättern. Denn eine Rezeptaufzählung zu Beginn eines neuen Kapitels gibt es leider nicht, sondern nur ein schlichtes Inhaltsverzeichnis. Eine Erleichterung sind daher die übersichtlichen Doppelseiten, die sich aufteilen in ein großes, ansprechendes Bild und dem Rezept (selten auch mal zwei Rezepte, die sich dann aber mögen: gefüllte Tomate mit Wasabi-Crème oder Brunnenkresse-Crème, Kartoffelsalat mal mit Korianerdressing oder mit Radieschen …)

Im übrigen ist Praktikabilität hier Queen. Beim Nachkochen war ich nicht vielen Hindernissen ausgesetzt – es werden keine langen Wartezeiten, keine schwer besorgbaren Zutaten und keine halsbrecherischen Zubereitungsformen erwartet. Dabei fiel der Effekt des “Unerwarteten” aus; in diesem Buch geht es nicht darum, mit Exklusivität zu beeindrucken, sondern mit der pfiffigen Anrichteweise und Variabilität kleiner Häppchen. Das unterstreichen auch die Tips der Autorin zu Varianten, leichterer Zubereitung und Mengenänderungen.

So legt das Buch nicht viel Wert auf Saisonales oder Selbstzubereitetes, sondern auf schnelle und kurzfristige Ergebnisse, die bei schönem Wetter oder den Vorbereitungen auf ein Fest mit Buffet gelegen kommen. Häufig wird auch mal auf Fertigprodukte zurückgegriffen. Es muss nicht ein ganzer Tag zur Fertigstellung von Blätterteig, eine gefühlte Ewigkeit dem Pellen und Säubern von frischen Erbsen oder ein Vormittag dem Gehen von Pizzahefeteig gewidmet werden. (Ich muss gestehen, dass ich selbst lieber den komplizierten Weg wähle: Ich liebe es, alle 60 Minuten dem Blätterteig seine zwei Wendungen zu geben, Erbsen dann zu kaufen, wenn sie Saison haben, um sie dann aus ihrer Schale zu befreien und den frischen Duft zu geniessen, der mir Vorfreude auf ihre Süsse nach dem Blanchieren verspricht, oder auch dem Pizzateig die Luftbläschen auszuklopfen und ihn von Hand zu kneten, bis er geschmeidig und samtig ist.)

Die Rezepte verfügen über eine gewisse Raffinesse. Sie sind für geübte Köchinnen dabei nicht richtig neu, wobei es einige Hingucker gibt wie z. B. den Morchelcappuchino. Das Wow fällt somit meinerseits aus, aber Köchinnen, die ohne Mühe und am besten gar keinen Stress eine Tafel oder einen Picknickkorb mit köstlichen Kleinigkeiten füllen kommen, halten das richtige Buch in den Händen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2012

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