Kochbuch von Christian Henze: Schnell, einfach, ehrlich!

Kochbuch von Christian Henze: Schnell, einfach, ehrlich! ★★★☆☆

Schnell, einfach, ehrlich!

Unkompliziert kochen in 30 Minuten

Christian Henze, Südwest Verlag (2013)
Fotos M. Schürle, M. Grossmann (Food), A. Schätz (People)

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Christian Henze hat auf jeden Fall Humor. Denn diese Extra-schnell-im-Handumdrehen-Kochbücher sind ja schon manches Mal in zeitlicher Hinsicht widerlegt worden. Dass er in seinen Titel das Wort „ehrlich“ aufnimmt, beweist auch noch Chuzpe. Foodbloggerin Petra von Brot und Rosen sowie Sandra sind der Wahrheit von Christian Henzes Rezepten mit Freude und Ausdauer nachgegangen – mit der Uhr und dem Gaumen.

Katharina: Ganz kurz zu Dir als Köchin: wie lange und leidenschaftlich bist Du dabei?

Petra: Schon als Jugendliche zuhause, habe ich immer mal wieder in Mamas Küche gekocht. Im Studium war Mensa die Ausnahme, ich habe lieber selbst gekocht. Seit ich einen eigenen Haushalt und Familie habe, koche ich eigentlich immer selber – sogar damals die Babybreie. Kochbücher dienen mir als Anregung und zu Lernen von Neuem, aber ich improvisiere auch gerne, wenn ich bestimmte Zutaten nicht bekommen kann.

Sandra: Mit 11 Jahren habe ich mich an meine erste selbst gemachte Pizza gewagt, und seit dem hat mich die Küche nicht mehr losgelassen (was nun 30 Jahre her ist). In der Zwischenzeit habe ich mich während meines Oecotrophologie-Studiums dem Thema auch von der wissenschaftlichen Seite genähert. Allerdings besteht Essen aus mehr als Kalorien, Kohlenhydraten und Kalzium. Deshalb bin ich der praktischen Seite des Kochens und Genießens besonders zugetan und finde es wichtig, dass das Kochen heute wieder einen höheren Stellenwert bekommt.

Katharina: Was hat Dir spontan an dem Buch gefallen, was nicht so?

Petra: Beim ersten Durchblättern war ich ziemlich begeistert: schöne Bilder und pro Doppelseite ein Rezept mit Bild und dazwischen gestreut Doppelseiten mit zwei Rezepten und ohne Bilder. Klare Zutatenliste und klare Beschreibung des Rezeptes. Die handschriftlichen Notizen und Hinweise sind für mich vom Schriftbild her schwer zu lesen. Zu Beginn legt Christian Henze klar dar, was er mit dem Buch verfolgt: einfache Rezepte mit wenigen Zutaten, die in 30 Minuten gekocht sein sollen. Die 30 Minuten bei Fleischrezepten haben mich allerdings beim ersten Blättern schon stutzig gemacht und sind nach den Rezepten mit Fleisch, die ich ausprobiert habe, meist auch nicht einzuhalten. Auf den Bildern sind oft Gericht und Beilage dargestellt. Für die Beilage ist das Rezept teilweise aber nur als handschriftliche Notiz oder leider gar nicht vorhanden. Schöne Auswahl von Salaten und Snacks, Pastagerichten, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, vegetarischer und veganer Küche und einen relativ kleinen Kapitel mit Süssem.

Sandra: Christian Henzes neues Kochbuch ‚Schnell, Einfach, Ehrlich! verspricht unkompliziertes Kochen in 30 Minuten. In der Einleitung beschreibt er die Philosophie dieses Küchenstils. Er empfiehlt eine Liste von Zutaten, die man immer vorrätig haben sollte, um aus dem Stehgreif unkompliziert kochen zu können. Dieser Ansatz gefällt mir gut, da er Kochnovizen die Hemmschwelle nimmt und vermittelt, dass man auch mit wenigen Zutaten gut kochen kann.

Stutzig machen mich allerdings seine Aussage zum Würzen, dass dies völlig überschätzt sei. In den Rezepten dominieren Würzzutaten, die oft sehr salz- bzw. zuckerhaltig sind und z.T. den Eigengeschmack der Grundzutaten überdecken.

Die Zutatenlisten sind kurz gehalten, und es wird zum munteren Austausch der Zutaten aufgefordert, was zum Stil des Buches passt. Die Rezepte sind im großen und ganzen einfach, jedoch habe ich den Eindruck, dass einige Rezepte (z.B. Schmorgerichte) in die 30-Minuten-Vorgabe gepresst wurden und man für ein gutes Ergebnis eine längere Zubereitungszeit benötigt. Z.B. ist die Zubereitung von hausgemachten Gnocchi in 30 Minuten nicht nur für Anfänger ambitioniert und vermutlich überfordern manche sehr knappen Beschreibungen der Zubereitung (Huhn vierteln und Keulenknochen auslösen) den unerfahrenen Koch.

Katharina: Welche Rezepte hast Du nachgekocht und wie waren sie?

Petra: Hähnchenkeulen mit Knoblauch und Zitrone: Die Vorbereitungen sind einfach und schnell erledigt, nur die Garzeit von 15 Minuten in der Pfanne ist einfach unrealistisch! Meine Keulen waren insgesamt 45 Minuten auf dem Herd. Geschmacklich wirken sich Knoblauch und Zitrone nicht so kräftig aus. Handschriftliche Notiz für die Rosmarinkartoffeln habe ich mit Änderungen umgesetzt – ganz nett, überzeugt uns allerdings nicht.

Ofenhähnchen mit Käse: Das Rezept hat mich beim ersten Blättern angelacht und wurde auch als erstes nachgekocht. Die Zutaten und die Vorbereitung ist gut realisierbar nur die 10 Minuten Garzeit im Ofen sind leider ganz und gar nicht zutreffend. Ich vermute, dass die meisten auch nur einen Ofen mit 250° als Maximaltemperatur haben (Henze spricht von der Maximaltempertur des Ofen von 250°-300°C) – zumindest sind 250°C die Grenze bei meinem Ofen. Statt der angegebenen 10 Minuten waren die lecker gefüllten Hähnchenbrüste ganze 25 Minuten im Ofen, bevor sie serviert wurden. Hier ist ärgerlich, das sie auf einem Risotto abgebildet werden – nur dafür ist kein eigenes Rezept vorhanden. Risotto und Fleisch ist auch in 30 Minuten nicht zu schaffen.

Orchiette mit Thunfisch und Brokkoli: Das Rezept hat uns absolut überzeugt: sowohl geschmacklich als auch in der Einfachheit der Zutaten samt Zubereitung. Auch der zeitliche Rahmen wird eingehalten. Das steht auf der Unbedingt-Wieder-Kochen-Liste ganz oben und ist auch gut mit Zutaten aus dem Vorrat (Brokkoli dann als TK-Gemüse) jederzeit realisierbar.

Penne mit Antipasti-Sauce:
 Hat uns sehr gut geschmeckt und bleibt zeitlich im Rahmen der 30 Minuten. Die Menge Sauce ist für die Menge Nudeln etwas knapp. Ich habe aber die ganze Aubergine, 1,5 Paprikaschoten und eine größere Zucchini verwendet und so war das ganz ok. Ich finde das Rezept für Anfänger als Anregung nett, ist aber für Menschen, die regelmäßig kochen, nicht unbedingt nötig. Die Kapern und der Balsamico sind eine schöne Idee, um die Sauce aufzupeppen.
Lasagne mit Gemüse und Käse:
Hatte ich mit Vollkornudelnplatten gemacht und hat uns ganz gut geschmeckt. Das Vorkochen der Nudelplatten kann man sich allerdings meiner Meinung nach sparen und die Zeit im Ofen wird dadurch auch nicht grundlegend verändert. Allerdings ist das Rezept von den Zeitangaben der einzelnen Zubereitungsschritte auch nicht in 30 Minuten zu schaffen.

Tiramisu: hat bei mir so leider nicht funktioniert – Mascarpone und Milch ergaben nur eine einzige Soße. Die Zugabe von Quark hat das ganze gerettet. Amaretto in der Creme schmeckt uns besser. Das Tiramisu ist ganz nett aber ein großes Plus in Punkto Zubereitung oder Geschmack lässt sich zum klassischen Tiramisu nicht erkennen. Und schneller ist es auch nicht wirklich.

Tramezzini aus dem Ofen: 
Hier wird Schinken gewürfelt und dann nicht weiter erwähnt – naja er sollte sicher in die Füllung. Ist ganz nett, aber das Saucen-Majo-Gemisch hat uns nicht wirklich überzeugt.

Chefsalat a la Henze: Nur Rucola als „grüner“ Salat ist nicht unser Geschmack. Wir haben noch mit grünem Blattsalat ergänzt, dann war es ein recht guter Salat. Die Zubereitung in 30 Minuten ist halbwegs machbar. Das Dressing enthält wieder die „Zauber-Süße-Chilli-Sauce“ – nicht immer mein Geschmack.

Parmabaquette: 
Als schnelle und sättigende kleine Mahlzeit absolut überzeugend. Hat uns gut gefallen und dass trotz der Mayo-Frischkäse-Soße. Empfehlenswert.

Filetgulasch a la minute: 
Das einzige ausprobierte Fleischrezept, für das die Zubereitungszeit von 30 Minuten eingehalten werden konnte. Ging sogar noch einen Tick schneller. Habe allerdings Rotwein statt Portwein verwendet, wer recht lecker und kam sehr gut an.

Sandra: Geniale Ofenpilze: Die Zubereitung dieses Gerichtes ist denkbar einfach. Die Füllung besteht neben Ricotta u.a. aus Parmesan, getrockneten Tomaten und Oliven, was sie ziemlich salzig macht, dennoch wird zum zusätzlichen Salzen aufgefordert. Mir war die Füllung zu dominant und parmesanlastig. Genial geht irgendwie anders.

Crostini mit weißem Bohnenpüree: Hier werden Zwiebeln, Knoblauch und weiße Bohnen (aus der Dose) in Olivenöl geschmort und mit Rosmarin und geriebenem Parmesan zu einem würzigen Püree verarbeitet, eine einfach leckere Creme.

Mein Schlemmerfilet: Dieses Gericht orientiert sich an einem der ältesten und bekanntesten Fertiggerichte Deutschlands. Fischfilet wird mit einer Mischung aus Butter, Parmesan, Semmelmehl gewürzt mit Knoblauch, Estragon, Salz und Pfeffer überbacken. Henze verspricht, dass es besser schmeckt als das Original, das ist keine Kunst, gelingt aber. Fischgourmets wird es nicht überzeugen, da der Fisch durch die Zubereitungsart an Saftigkeit verliert, dennoch ist das Resultat noch akzeptabel.

Schmorgemüse aus der Folie: Eine Mischung aus Zucchini, Auberginen, Paprika und Brokkoli wird angebraten und mit einer süß-sauren Soße auf Basis von passierten Tomaten ‚al cartoccio’ im Ofen gegart. Durch Zucker, Honig, Balsamessig und Perlzwiebeln entsteht eine sehr intensive Sauce, die leider den feinen Gemüsegeschmack überdeckt, was mich geschmacklich nicht überzeugt.

Superschnell – supergut – Schokomousse : Das Schokomousse ist in der Tat einfach und schnell zuzubereiten und bereitet allen Schokofans ein großes Vergnügen, so dass es von der Menge knapp werden könnte.

Katharina: Dein Fazit zu dem Buch und Deine Empfehlung, in welchen Händen es besonders gut aufgehoben ist?

Petra: Schönes Buch für Fans von Christian Henze – es finden sich zahlreiche schöne Bilder des Kochs im Buch. Ansonsten gut geeignet für Menschen, die in relativ kurzer Zeit ein gutes, ehrliches Essen kochen wollen und mit einem Grundsortiment am Lebensmitteln auskommen wollen . Allerdings sollten sie bei einigen Rezepten eine gewisse Erfahrung mitbringen, um Zeiten oder die Klippen in den Angaben meistern zu können. Mir hat das Buch im Gesamten gesehen aber gut gefallen und es stehen noch einige Rezepte auf der Ausprobieren-Liste. Die Idee weg von Rezepten mit 1000 Zutaten und aus dem was vorhanden ist bzw. einen Grundsortiment kreativ und gut zu kochen gefällt mir sehr gut und ich finde sie im Bauch auch gut umgesetzt. Aber wie schon erwähnt mache ich vor allem bei Rezepten mit Fleisch ein großes Fragezeichen an die Zeitangaben und finde es auch sehr schade, dass Rezepte von abgebildeten Beilagen nicht mit im Buch sind.

Sandra: Auch wenn das Buch nicht unbedingt meinen Geschmack trifft, finde ich es für Kochanfänger und Leute geeignet, die einfache und schnelle Rezepte suchen. Für den erfahrenen Hobbykoch gibt es wenig Neues bzw. fehlt die differenzierte Geschmacksvielfalt.

Katharina: Wie viel Sterne bekommt das Kochbuch?

Petra: 3 Sterne: Hat Stärken, aber überzeugte nicht ganz.

Sandra: 3 Sterne, hat Stärken, aber überzeugte nicht ganz

Katharina: Herzlichsten Dank!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2013

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