Kochbuch von Caroline und Robin Weir: Ice Creams, Sorbets & Gelati – The Definitive Guide (engl)

Kochbuch von Caroline und Robin Weir: Ice Creams, Sorbets & Gelati – The Definitive Guide (engl) ★★★★★

Ice Creams, Sorbets & Gelati – The Definitive Guide
Caroline und Robin Weir, Grub Street (2011)

Annick Payne

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Fast eine Eis-Enzyklopädie

Auf die große, pinkfarbene Eisenzyklopädie von Robin und Caroline Weir würde ich am liebsten mit einer Rezension ganz ohne Worte antworten: wer die klebrigen, vollgekleckerten Seiten meines Buches sehen würde, der wüßte eh genug. Andererseits verdient es dieser liebevoll wie kenntnisreich gestaltete Band, dass man seine Vorzüge benennt. Zum Beispiel seine überbordende Materialfülle, hier findet man Antworten auf alle erdenklichen Fragen und Rezepte, die auch den experimentierfreudigsten Gaumen berauschen können. Für mich sind spannende Eissorten jenseits ausgetretener Pfade eigentlich der Grund, selber Eis zu machen: hier habe ich meine Eisbibel gefunden.

Weirs Eislexikon beginnt mit den Anfängen: Mythen ums Eis, Herkunft & Geschichte, Anrichten & Eiswaffeln machen die ersten drei Kapitel aus. Weiter geht es mit Ausstattung, Zutaten und einer Definition von gutem Eis. Fürs Eismachen braucht man keine großartige Ausstattung, nicht einmal eine Eismaschine ist zwingend nötig. Die günstigeren Modelle haben eine Schüssel, die im Tiefkühlschrank vorgekühlt wird: wie auch bei Eis-am-Stiel Förmchen gilt, unbedingt vorher prüfen, ob diese in den Tiefkühlschrank passt! Nachdem ich bereits zahllose Eis-am-Stiel-Förmchen verschlissen habe, kann ich mich dem Urteil der Autoren, dass die Cuisipro die besten am Markt seien, nur anschließen.

Der Rezeptteil umfasst ein Basiskapitel, in dem die Grundlagen zur Hygiene, das Einfrieren von Eis, Sorbets, Granitas und Parfaits sowie einfache Vanilleeisrezepte erläutert werden. Anschließend geht es in die Vollen mit einem A-Z der Eisrezepte; sehr zu loben, jedes Rezept gibt an, wieviel Liter Eis es ergibt! Gut gefällt mir die alphabetische Anordnung, die thematische Schwerpunkte setzt, sodass beispielsweise alle Schokoladeneisrezepte unter Schokolade stehen, unabhängig davon, ob das Eis einen fantasievollen Namen trägt; so lässt sich alles leicht wiederfinden.

Die Rezeptauswahl ist bombastisch, neben den üblichen Sorten findet sich hier alles, was das Herz begehrt und mehr, von Außergewöhnlichem bis zu bizarren Kreationen. Wie wäre es mit Aprikosen & Kardamomsherbet; Lorbeer, Zitrone & Weißweingranita; Bitterschokolade & Portweineis; Holundersorbet; Whiskey & Honigparfait? Meine Neugierde würde für die Sorten Azuki (japanische rote Bohnen) und selbst Stilton noch reichen, doch nach Kaviareis, Avocado-Kaffeeeis oder Schokoladeneis mit Tabak verlangt es mich nicht. Wer besonders abenteuerlustig ist, versucht sich am verbrannten Schokoeis, für das eine Tafel Schokolade (oder der Leser?) verkohlt wird.

Bevor der Band mit den Rezeptkapiteln Eisbomben, Soßen & Sirups, Eiswaffeln & Gebäck; einem Glossar und mehreren Appendices schließt, widmet er sich dem Eis am Stiel. Es gibt viele alkoholische Varianten, aber auch Kindertaugliches. Die Einleitung zu diesem Kapitel überzeugt mich nicht, die Autoren geben ausgiebig ihre Meinung kund, was alles nicht funktioniert, ja, das Kapitel sei eigens als Gegengewicht zu den vielen furchtbaren Eis-am-Stiel Rezepten im Internet entworfen worden. Geschmackssache, meine ich, uns beispielweise schmecken die als ‘gegenwärtige Mode’ abgetanen Fruchteise mit Banane und Yoghurt sehr gut. Weirs Stieleissorten, die wir ausprobiert haben, waren gut, aber nicht besser, als unsere verpönten Standards.

Ein Minus ist, dass Rezepte fremder Autoren offensichtlich in deren Variante übernommen wurden. Beispiel Heston Blumenthals Süßholzwurzeleis, hier soll man 6 Süßholzwurzeln verwenden – ohne Angabe zu Größe und Gewicht. Ein Anruf beim Lakritzfachhandel Kado machte mich schlauer: Süßholzwurzeln gibt es in vielen Größen, man empfahl mir, für die Rezeptmenge mit 30 g Süßholzwurzel zu experimentieren. Leider konnte das Ergebnis keinen der Lakritzfanatiker in diesem Haushalt überzeugen.

Geschmacklich lagen – bis auf das Süßholzeis – alle ausprobierten Rezepte im Bereich gut bis umwerfend; mir persönlich schmecken allerdings die Rezepte, die einen halben Liter Sahne als Basis nehmen, zu fettig. Bei denen werde ich nächstes Mal mit einer der anderne Basiscremes experimentieren. Denn dies ist ein großer Pluspunkt, aus der Fülle so vieler unterschiedlicher Rezepte kann man sich das perfekte Eis auf den eigenen Geschmack zuschneidern. Auch wenn ich hier und da anderer Auffassung bin als die Autoren, gestehe ich gerne ein, dass ein so breit gefächerter Band den Geschmack eines einzelnen Lesers nicht in jedem Einzelfall treffen kann oder muss. Zweifellos sind die vielen aufregenden und wohlschmeckenden Eisrezepte die größte Stärke dieses Bandes. Ich will noch Vieles ausprobieren und weiß, dass ich mich dabei so bald nicht langweilen werde. Isst irgendjemand ein Guinesseis mit mir?

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2012

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