Backbuch von Yasmin Newman: New York Desserts

Backbuch von Yasmin Newman: New York Desserts ★★★★☆

New York Desserts – Die süße Seite
des Big Apple
Yasmin Newman
Fotos: Alicia Taylor, Averie Cole,
Yasmin Newman
Gräfe und Unzer Verlag (2018)
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Sabine Cikic

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Es gibt viele Gründe für eine Reise nach New York. Autorin Yasmin Newman braucht nur einen: die süßen Leckereien, die an allen Ecken der Metropole auf hungrige Käufer warten. In „New York Desserts“ stellt sie sie vor – das beeindruckende Ergebnis einer dreimonatigen Recherchereise, wenn man so will.

Yasmin Newman liebt Süßes. Und zwar so sehr, dass in ihr eines Tages die fixe Idee für ein „Food-Sabbatical“ in New York reifte. Die Australierin wollte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: ihren mittlerweile dort lebenden Bruder länger sehen und ihrer Leidenschaft für alles mit Zucker nachgehen.

Gesagt, getan. Mit im Gepäck: ihr Mann Steve und die zweijährige Tochter. Die Mission: in drei Monaten alles (!) essen, was die New Yorker als Dessert bezeichnen.

Die Frau behauptet von sich, jeden Tag mindestens ein Dessert zu essen und quasi ständig zu backen – eine gewisse Expertise darf der Leser also voraussetzen. Weil Yasmin Newman (Foto links) nicht naiv ist und weiß, dass ihr Unterfangen ohne eine vernünftige Planung zum Scheitern verurteilt sein würde, geht sie die Sache entsprechend organisiert an.

Ohne Fleiß kein Preis

Sie rechnet aus, in 91 Tagen 169 Anlaufstellen aufsuchen zu wollen und dort insgesamt 373 Desserts & Co. verdrücken zu wollen – etwa vier am Tag. Für alle, die es ihr gleichtun wollen, hat sie in einer Zehn-Punkte-Liste notiert, worauf es ankommt. Neben organisatorischen Details – erstelle dir beispielsweise vorab eine Google Map, damit du den Überblick behältst –, gefällt mit vor allem Punkt 9 „Bequem anziehen: „[…] Auf Diät gehen können Sie, wenn Sie tot sind.“ Die Liste gefällt mir in der englischen Fassung noch deutlich besser, da sie die Entschlossenheit der Autorin noch deutlicher und witziger rüberbringt, etwa wenn sie sagt: „You can diet when you’re dead“. Ein Satz, den man sich ganz allgemein merken sollte.

Das Ergebnis dieser bemerkenswerten Tour de Force ist nun nicht bloß eine Aneinanderreihung von Dessert-Rezepten, sondern ein Buch, mit dem sich tatsächlich ein New-York-Besuch perfekt planen lässt (wenn man sich denn auch nur halbwegs für das Thema interessiert).

Yasmin Newman beschreibt die Desserts, nennt schon in den Einleitungstexten zu den Rezepten oft mehrere Adressen, interviewt Leute und fängt den Vibe der Stadt ein. Dabei deckt sie in den Kapiteln „Doughnuts, Cookies & Bars“, „Pastries, Buns & Bites“, „Cakes, Pies & Puddings“, „Ice Cream & Drinks“ und „Plated & Created“ in der Tat so ziemlich alles ab, was man sich als Leckermäulchen so erträumen kann.

Die ganze Bandbreite von altbekannt bis schrill und ungewöhnlich

Ich bin ehrlich beeindruckt von dem, was da in New York in Sachen Dessert los ist. Klar, vieles kennt man, aber ich entdecke doch auch sehr viele Kreationen, die so verrückt oder raffiniert sind, dass man hierzulande wohl lange suchen muss, um etwas Derartiges aufzutreiben. Im Eis-Kapitel freue ich mich über ein Wiedersehen mit „Big Gay Ice Cream“, bestaune den Cronut, der berühmte Croissant-Doughnut-Hybride von Dominique Ansel, und genieße den wohligen Schauder beim Anblick des „Black Tap Shake“, eine Milchshake-Basis in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen mit „Zucker-Blingbling“, eimerweise Sauce und Schlagsahneberg, für den man laut Newman schon mal drei Stunden anstehen und rund 1600 Kalorien einplanen muss.

Leider lecker – Kalorienzählen verboten

Beim Nachbacken gönne ich mir erst mal nur eine Verrücktheit: die Tres Leches Cake Balls. Ich liebe Tres Leches Cake, am allerliebsten in der veganen Variante mit Kokosnuss von Terry Hope Romero: ein fluffiger Teig, der mit einem milchigen Sirup getränkt wird und mit einem cremigen Topping und frischem Obst gekühlt serviert wird. Für die Version, die Newman aus New York vorstellt, wird der gebackene Teig zerbröselt, mit der Milchmischung verknetet, zu Kugeln geformt, welche mit weißer Schokolade überzogen und anschließend in Puderzucker gewälzt werden. Ein Zuckerschock, der am besten mit schwarzem Kaffee genossen werden sollte. Nicht jedermanns Sache. Ich bin Tres-Leches-Cake-Fan und kann den kleinen Teilen einfach nicht widerstehen. Sie sind aber wirklich irre süß, holla!

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Viel schneller gemacht und „normaler“ sind dagegen die göttlichen Marsala-Feigen-Scones, die es direkt ins Repertoire geschafft haben und dank getrockneter Feigen das ganze Jahr über zubereitet werden können. Nicht so die Peaches & Cream Cupcakes, die mit frischen Pfirsichen eindeutig der Saison vorbehalten sind. Die kleinen Küchlein sind meiner Meinung nach zu Unrecht mit einem schlechten Ruf behaftet, vermutlich weil sie bei uns eher als Billigprodukt in den Läden gehandelt werden. Newmans Kombination aus Vanille-Mandel-Teig mit zarter Pfirsichcreme, gesüßter Crème fraîche und einer frischen Pfirsichspalte on top zeigt, wie es richtig geht.

Yasmin Newmans Begeisterung steckt an. Mit viel Entschlossenheit hat sie die süße Seite des Big Apple erkundet. Für alle, die eine New-York-Reise planen, ist „New York Desserts“ ein Muss, denn eine bessere Übersicht zum Thema und Zusammenstellung von Adressen wird man so schnell nicht finden. Für alle, die nicht sofort in den Flieger steigen wollen, hat sie eine tolle Auswahl an Rezepten versammelt – mit denen man ggf. schon mal üben kann, damit das dann in New York mit den vier Desserts am Tag auch klappt …

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2019

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