Backbuch von Teubner Edition: Das große Buch vom Backen

Backbuch von Teubner Edition: Das große Buch vom Backen ★★★★☆

Das große Buch vom Backen
Teubner Edition, (2012)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Annahita Aryafar

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ehrfürchtig berührte ich den rosafarbenen Buchdeckel, schlicht betitelt mit “Backen” – wie ein Statement ohne großes Brimborium, sich seiner sicher in voller Eleganz und Schlichtheit. Bereits beim Heben wird klar: Dies ist kein Backbuch wie all die anderen, die sich in den Regalen tummeln und stapeln und auch leicht in dieHand nehmen und wieder zur Seite legen lassen.

Schließlich legt uns Teubner mit diesem Backbuch eine weitere Sorte von Enzyklopädie dar, wie auch für die “Deutsche Küche”, “Fisch” und“Wild” bereits geschehen. Es handelt sich um ein Back-Lehrbuch, es soll den Anfänger wie auch den Fortgeschrittenen bis ins Detail aufklären über diverse Kuchenteige – Biskuit, Wiener Boden, Strudel, Hefeteig, Plunderteig, Blätterteig etc. – sowie ihrer Historie und Entstehungsgeschichte. Kein Wunder also, dass beim Blättern erstmal viel Text auftaucht, gespickt mit Schwarz-Weiss-Bildern aus vergangenen Tagen und Reihen von Hochglanzfotos von Rohteig bis fertig gebackenem Kuchenboden. Die Warenkunde nimmt von Molkereiprodukten bis hin zu Würzmitteln und Schokolade alles genau unter die Lupe, gefolgt vom Kapitel der Küchenpraxis.

Bei der Küchenpraxis gefiel mir besonders gut, dass für verschiedene Backformgrößen die nötige Menge angegeben wird, sodass ich meine – manchmal riskante –Kopfrechnerei weglassen kann. Getoppt wird das Ganze mit Step-by-Step Fotos zu den verschiedensten Basics – ein Muss für ein gutes Lehrbuch und ein von meiner Seite sehr geschätzter Bonus. Besonders in den Anleitungen zu Dekor und Tortenüberzug zeigt sich die Professionalität der Autoren, und der Heimlehrling fühlt sich wie versetzt in eine Meisterschule. Mehr Hilfe kriegt man selbst da nicht, die Devise: nur Übung macht den Meister.

“Wo verstecken sich denn bloß die Rezepte?” kam es mir in den Sinn, als ich bereits bei der Hälfte angelangt bin. Aber da sprangen sie mir auch schon entgegen, wenn auch der Auftakt mit eher unspektakulärem Kleingebäck gemacht wird. Ich blätterte also weiter, in Vorfreude auf DAS Bild, DEN Namen eines Kuchens, den ich sofort nachbacken wollte – und blätterte ziemlich weit. Alles Kuchen, die man von Oma kennt: Herrentorte, Schwarzwälder-Kirsch (in Miniaturform), Hefe-Apfelkuchen … hm, nochmals von vorn blättern, Rezepte lesen. Vielleicht tummelt sich ja in der Zutatenliste eine verborgene Ingredienz, etwas, das meine Welt – oder eher die der altbekannten Kuchenklassiker – auf den Kopf stellt und einen gänzlich neuen Aspekt,ja, einen neuen Geschmack zaubert! Aber oh je, leider auch da nichts, was mich überrascht. Obwohl, überrascht war ich dann doch, wenn auch nicht im gewollten Sinne: bei den Angaben zu Butter – müssen wirklich insgesamt 500g sein? – und Marzipan, gefühlt in jedem 2. Rezept, wandert meine linke Augenbraue nach oben, mein Mund schmollt und ich überlege akribisch, welches neueres Kochbuch für Süßes, das ich zuletzt in der Hand hielt, solch schweren Geschütze auffuhr. Ich gestehe, nicht jedes davon hat überzeugen können, aber es ist nicht allzu lange her, da konnte ich mich vor Rezeptfülle und Verführung in Roux’ Süßes – 150 Törtchen und Desserts kaum retten und freute mich auf meine Backutensilien und unsere schöne gemeinsame Zeit in der aufgeheizten Küche. Während Roux es verstand, mit der nötigen Portion Butter, Sahne undZucker feinste Köstlichkeiten zu kreieren, die obendrein sein Talent der Innovation zeigten, drängt sich mir bei Teubner der Verdacht auf, dass der Mut fehlt, mit der Zeit zu gehen.

Alte Klassiker haben bei mir einen Ehrenplatz, keine Frage, aber reizt den Backliebhaber von heute nicht auch mal das Unbekannte, das Exotische, das “Leichte” ohne das Gefühl des Zucker- und Butterkomas danach? Beim Nachbacken habe ich versucht, die Rezepte rauszupicken, die am ehesten den Charakter “neu” oder “noch nicht probiert” hatten. Der Curry-Schokoladen-Kuchen zum Beispiel klang interessant und schmeckte warm sehr gut, aber eine Offenbarung war er nicht… eben ein Gewürzkuchen, der mehr Currypulver vertragen kann, um sich so nennen zu dürfen. Eben das ist mein Resümee: Die Einleitung ist detailliert und die Basis ausführlichst abgedeckt, der Lehrling bekommt Informationen vom Meister; die Rezeptesammlung ist nicht zu knapp, jedoch fehlt Spielraum wie auch der Ansatz zum Neuen oder zur Abwandlung,sodass man sich konfrontiert sieht mit Omas Lieblingen, die allemal ihre Berechtigung haben, den Wagemutigen und Experimentierfreudigen aber nicht mit ins Boot holen. Meine Ehrfurcht ist zwar der Ernüchterung gewichen, die Ergebnisse der Rezepte sind aber nicht zu unterschätzen und glänzen wie ihre Abbildungen im Geschmack.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2013

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