Backbuch von Tamasin Day-Lewis: The Art of the Tart

Backbuch von Tamasin Day-Lewis: The Art of the Tart ★★★★★

The Art of the Tart – savory and sweet
Tamasin Day-Lewis, Cassel & Co (2000)

Annick Payne

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

In meiner stetig wachsenden Kochbuchsammlung gibt es ein Büchlein, welches mir besonders am Herzen liegt. Kleinformatig, mit festem Einband und Lesebändchen verspricht die qualitativ hochwertige äußere Erscheinung leise ebenbürtigen Inhalt. The Art of the Tart von Tamasin Day-Lewis führt uns durch eine Landschaft herzhafter und süßer Tarts und trifft dabei zielsicher ins Zentrum meiner Geschmacksnerven.

Die Autorin ist im angelsächsischen Raum wohlbekannt, nicht nur als Tochter des Dichters Cecil Day-Lewis und Schwester des Hollywoodschauspielers Daniel Day-Lewis, sondern als Fernsehköchin, Gourmet-Kritikerin und Autorin von mittlerweile 10 Kochbüchern. Das vorliegende Buch bietet eine umfassende Einführung in die Welt der Tarts und darüber hinaus einen immerwährenden Lesegenuss. Ein Buch, aus dem ich viel gekocht habe, noch viel kochen werde, und mit dem ich regelmäßig beim Schmökern in meinem Lieblingssessel anzutreffen bin (darf mir an dieser Stelle bereits das Wasser im Munde zusammenlaufen?).

Sprachgeschick & Humor

Die rund neunzig Rezepte verteilen sich auf drei vom Umfang her vergleichbare Kapitel, die da wären: “salzige Tarts”, “Tartrezepte anderer Leute” und “süße Tarts”. Jedes Rezept wird mit kleinen Anekdoten eingeleitet, ich fühle mich persönlich angesprochen, als wolle die Autorin einen Dialog mit mir beginnen, den ich, nebenbei bemerkt, nur zu gerne führen würde, denn mir gefällt Ms Day-Lewis’ Art zu schreiben. Man merkt ihr an, dass sie aus einem Umfeld stammt, in dem Sprache von vorrangiger Bedeutung ist. Jedes Wort scheint mit Bedacht gewählt, ihre Texte bestechen durch Klarheit und Präzision, sie zeigt Sprachgeschick und Witz. Der Titel alleine bringt dies auf den Punkt: denn im Englischen wird Tart auch als Synonym für Flittchen verwendet.

Wenn man bedenkt, wie verführerisch “billige” Zutaten wie Butter und Mehl in einer Tart daherkommen… Ich jedenfalls lasse mich – kulinarisch! – von einer Tart jederzeit vom rechtem Wege abbringen. Und die Tarts in diesem Buch beherrschen die Kunst der Verführung meisterhaft.

Fast alle Rezepte beanspruchen nur eine Seite, die Arbeitsschritte können sich durchaus auch auf wenige Sätze beschränken. Längere Rezepte sind auf einer Doppelseite gedruckt, sodass nicht geblättert werden muss. Aufgrund der vernünftigen Bindung liegt das Buch flach auf und jede einzelne Seite bietet vom Layout her großzügige Möglichkeiten zum zusätzlichen Beschweren, denn Zutatenliste und Rezept nehmen nie mehr als die Hälfte der Seite in Anspruch. Hier hat offensichtlich jemand mitgedacht. Die Fotografien stammen von keinem Geringeren als David Loftus, der u.a. auch für Jamie Oliver, Heston Blumenthal und Sophie Conran gearbeitet hat, finden sich im Schnitt auf jeder zweiten Doppelseite und sind durchweg appetitanregend. Nein, das wird ihnen nicht gerecht, es sind durchaus kleine, eigenständige Kunstwerke.

Teigarten für Tartes

Die notwendigen Erläuterungen zu den verschiedenen Teigarten wurden klugerweise in den Anhang verlagert, sodass man bei Bedarf darauf zurückgreifen kann, aber unnötige Wiederholungen vermieden werden. Wer noch nie Blätterteig hergestellt hat, der wird mit diesem Rezept sicher zum Erfolg geführt und wird sich höchstens wundern, wie einfach es ist. Gelernt habe ich hier außerdem, den Teig immer von mir weg zu rollen und zu rotieren. Zu ergänzen wäre lediglich: zwischen zwei Lagen Backpapier. Ruhen lasse ich meinen Teig übrigens nie als Ball, sondern immer als flache Platte, das erleichtert das spätere Ausrollen. Noch ein Tipp: wenn süßer Mürbeteig Eigelb und Wasser zur Bindung verlangt, verwende ich stattdessen das ganze Ei, das funktioniert wunderbar und ich umgehe das Problem der Eiweißresteverwertung.

Inspiriert hat mich dieses Buch zu unzähligen Tarts und dabei als Orientierungshilfe zu Backzeiten und -temperaturen gedient. Dass mich Kreationen, die ganz nach meinen persönlichen Vorlieben entstanden sind, besonders begeistern, sei der Autorin natürlich nicht angelastet, im Gegenteil, ihr verdanke ich doch, dass ich “die Kunst der Tart” gemeistert habe. Ich kann dieses Buch jedem Tartliebhaber wärmstens empfehlen, warum die Autorin noch nicht auf den deutschen Markt vorgedrungen ist, ist mir ein Rätsel.

Kritisieren kann ich beim besten Willen kaum etwas, ein einziges Rezept, bei welchem die Backzeit nicht ausreichte, kann ich verkraften, und über die ständig wiederholte Aufforderung, unbedingt Bioprodukte und unraffinierten Puderzucker zu verwenden, liest man nach einer Weile hinweg. Um es zusammenzufassen, dies ist ein Buch, das ich gerne verschenke, jedoch niemals verleihen würde – aus Sorge, es nicht zurückzubekommen!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2011

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