Backbuch von Stina Spiegelberg: Vegan X-Mas

Backbuch von Stina Spiegelberg: Vegan X-Mas ★★★★★

Vegan X-Mas
Stina Spiegelberg, Fotos Maria Brinkop
Fackelträger Verlag (2014)
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Stefanie Will

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

„Veganisieren funktioniert nur in eingeschränktem Maße“, schreibt Stina Spiegelberg in ihrem neuen, nunmehr sechsten Buch (hier „unser“ Veganpassion) „Vegan X-Mas“ – und holte mich mit dieser Aussage genau da ab, wo ich, einst leidenschaftliche Nudelholzschwingerin, den Ofen ausgemacht hatte. Rien ne va plus – ich hatte einfach keine Lust mehr. Genau aus dem Grund: Veganisieren funktioniert nicht. Gar nicht. Auch, wenn es in der Theorie logisch und simpel klingt: Man nehme ein beliebiges nicht-veganes Backrezept, ersetze Eier durch Ei-Ersatz (ja, das gibt es), Butter durch Margarine, Kuhmilch durch Sojamilch und normale Schokolade durch Reisschoki. Et voilà: Mit so viel Liebe und Hingabe haben Sie noch nie ein eigentlich fantastisches Rezept für Kekse, Kuchen oder was auch immer total versaut. Torten für die Tonne. „Am besten gelingt veganes Gebäck, das als solches konzipiert wurde“, erklärt die Autorin weiter – und zeigt auf über 140 Seiten, wie es richtig geht…

Mein erster Eindruck beim Aufschlagen des Buches: Ich bin in einer Boutique gelandet. In einer dieser teuren Boutiquen, in denen man sich die maximal ein bis drei Teile, die da auf ein Regal von geschätzten fünf Quadratmetern Fläche kunstvoll drapiert wurden, gar nicht anzufassen traut. Jedes ein Unikat. Handgearbeitet, versteht sich. Und so wunderschön! Helle Farben, viel Pastell, hier und da ein paar Schnörkel und Schleifchen – eine Mädchen-Boutique, ganz klar! Und wie es sich für so einen Laden gehört, beginnt „Vegan X-Mas“ mit einer kompetenten Beratung. Stina Spiegelberg klärt über verschiedene Mehlsorten auf, über Süßungsmittel, Gewürze und, tja, über Ei-Ersatz. Den gibt es nämlich nicht nur als Fertigprodukt im Bio-Laden zu kaufen, man kann ihn auch selbst anrühren. Je nachdem, ob man Plätzchen, Kuchen oder Muffins machen will, liefert sie dazu verschiedene Rezepturen. Die gute Nachricht: Ich habe mehrmals nachgezählt – und tatsächlich gibt es nur drei Rezepte, für die Ei-Ersatz benötigt wird. Und weil ich Ersatzprodukte so weit wie möglich meide, wäge ich mich bereits im veganen Schlaraffenland.

Ich werde nicht enttäuscht. Die sechs Kapitel „Die Klassiker“, „Die Schokoladigen“, „Die Fruchtigen“, „Kuchen und Kleingebäck“, „Pralinen und Konfekt“ sowie „Einmal um die Welt“ verheißen eine frivole Adventszeit für Gaumen und Hüfte. Insgesamt 74 Leckereien, allesamt wunderschön und dabei leicht verspielt in Szene gesetzt und fotografiert von Maria Brinkop. Keine „Wow, da will ich mich reinlegen“-Fotos, wie ich sie für gewöhnlich so mag, sondern relativ minimalistisch ausgelegte Schmuckstücke, wie man sie eben in der Vitrine einer Boutique erwarten würde. Und wie das beim Shoppen nun mal so ist: Am liebsten will man alles haben. Sofort. Und mit Schokolade überzogen.

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Also fange ich gleich mit dem ersten Rezept an: Marmorkipferl mit Tonka und – jaaa! – Schokoglasur. Ich liebe Marmorkuchen. Ich liebe Kipferl. Und ich liebe Tonkabohnen. Etwas Geschick braucht man schon, um die Plätzchen so perfekt zu formen, wie sie es im Buch sind, aber egal. Der Geschmack ist phänomenal! Es folgen dem Kapitel entsprechend weitere Klassiker wie Bethmännchen und Mandel-Spekulatius, bevor ich bei den „Schokoladigen“ ankomme und mich an den „Pekannuss-Schoko-Cookies“ vergreife. Hier zeichnet sich das erste, zum Glück aber einzige Problem ab, das mir „Vegan X-Mas“ bereitet: Ich kriege nie so viele Portionen aus meinem Teig, wie ich laut Rezept bekommen sollte. Bei den „Pflaumenschnecken“ sollen es zum Beispiel rund 50 Stück sein. Was rein rechnerisch (und ich war nie gut in Mathe) nicht geht: Zwei Teigrollen à 20 cm lang sollen in 1,5 cm dicke Scheiben geschnitten werden – ergibt nach meiner Rechnung … ähm … jedenfalls nicht 50. Der Taschenrechner sagt 26,6666667 aber selbst so viele waren es nicht, was aber durchaus auf meine großzügigen Portionierungen zurück zu führen sein kann. Sagen wir mal so: Es waren genau so viele, dass ich sie alle an einem Nachmittag verputzen konnte. Lecker!

Mein Highlight aber war das „aromatische Apfelbrot“ im Kapitel „Kuchen und Kleingebäck“ aus geriebenen und über Nacht in Rum eingelegten Äpfeln. Dazu gemahlene Haselnüsse, Sultaninen, Orangeat, Dinkelmehl und jede Menge winterliche Gewürze – wunderbar! Das Rezept kommt ganz ohne Fett daher, enthält dafür aber viele gesunde Kohlenhydrate und nur wenig Agavendicksaft, was es meiner Ernährungsanschauung nach zu einem richtig gesunden Essen und weniger zu einem Hosenbundsprenger macht, den man sich nur gelegentlich gönnen sollte. Insofern kommt das Brot bei mir nun regelmäßig und gern als ganze Mahlzeit auf den Teller. Hoch lebe die vegane Völlerei!

Hat man die Boutique dann erst einmal durchkämmt, erwartet einen natürlich die Frage: „Ist das für Sie oder soll es als Geschenk verpackt werden?“ Sollte Letzteres der Fall sein, tun Sie mir in erster Linie leid. Aber Kopf hoch: Auf den letzten Seiten von „Vegan X-Mas“ finden sich süße Deko-Vorlagen zum Kopieren und Ausschneiden – kleine Tütchen, Karten und Geschenkanhänger. Weitere Ideen und Vorlagen gibt es zudem auf Stina Spiegelbergs Blog, wo man auch Back- und Kochkurse buchen sowie von ihr persönlich zubereitete Designerstücke bestellen kann. Und alle, denen es noch an passenden Accessoires, nein, an Zubehör und Zutaten fehlt, die verweist sie ganz kollegial an diverse Online-Shops.

Ein rundum gelungenes Buch, das selbst mir wieder Lust am veganen Backen macht. Für keines der Rezepte braucht man ungewöhnliche Zutaten, im Gegenteil: Sie alle sind erstaunlich bodenständig und klassisch, aber immer mit einer ordentlichen Prise Raffinesse gewürzt. Ich weiß jedenfalls schon, was meine Familie und Freunde in diesem Jahr zu Weihnachten bekommen – vorausgesetzt, ich kann beim adventlichen Bummel durch die Schlemmer-Boutique überhaupt an mich halten…

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2014

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