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Katharina Höhnk

Backbuch von Stephanie Arlt: Nanettes Backbuch ★★★★★

Nanettes Backbuch – Die gesammelten Rezepte einer Landbäuerin, Text & Lektorat: Stephanie Arlt, Fotos: Katharina Pflug, Ars Vivendi Verlag (2020)

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Christiane Schwert

Von

In der Menge der jährlichen Kochbuch-Neuerscheinungen spielen Backbücher leider eine eher untergeordnete Rolle. Umso mehr habe ich mich über Nanettes Backbuch gefreut. Denn es schaut nicht nur hübsch aus, auch die Rezepte wecken in mir sofort süße Erinnerungen – und einen starken Nachbackimpuls!

Nanettes Backbuch ist kein Backbuch im eigentlichen Sinn. Ja, es ist eine Rezeptsammlung, aber auch eine behutsame Annäherung an die Person hinter diesen Rezepten. Stephanie Arlt, Lektorin beim Ars Vivendi Verlag, hat diesen Schatz gehoben. Denn Nanette Herz (Foto unten) wohnte bis zu ihrem Tod im Jahr 2018 unter den Büroräumen des Verlags. Und Frau Arlt blieb häufig auf ein kurzes Schwätzchen bei der alten Dame stehen.

Backbuchautorin Nanette Herz
Backbuchautorin Nanette Herz

Das Leben einer besonderen Bäuerin

In diesem Buch nun werden die Stationen des nicht immer einfachen Lebens der 1927 geborenen Bäuerin skizziert: von der Kindheit auf dem Bauernhof, ihrer Heirat, dem Besuch der Landfrauenschule, ihrer Ernennung zur Kreisbäuerin, der Gründung des heute noch bestehenden Landfrauenchors, dem Erhalt der Landkreismedaille sowie des Bundesverdienstkreuzes. Dies geschieht anhand von einigen schönen Originalfotos und den Erinnerungen ihrer Familie und Freunde – was für ein bewegtes und auch arbeitsreiches Leben.

Die biografischen Stationen bilden den Rahmen, in den die eigentlichen Rezepte der Kategorien: aus der Form, vom Blech, Torten, Gebäck & Co. und zu Weihnachten eingebettet sind. Besonders hübsch finde ich die handschriftlichen Originalauszüge aus Nanettes Rezeptbuch, wie zum Beispiel der vorweihnachtliche Plätzchen-Plan des Jahres 1964, der elf Rezepte vorsieht.

Ein rundum gelungenes Buch

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich mag eigentlich alles an diesem Buch, das ungewöhnliche Format, den griffigen Leinenumschlag, die ganze zurückhaltende und doch gediegen, beinahe altmodisch (aber doch geschmackvoll) wirkende Ausstattung. Der Fotografin Katharina Pflug ist es zudem gelungen, eine ganz eigene Bildsprache für die Inszenierung des Gebäcks zu schaffen, schlicht und doch besonders. Für meinen Geschmack hätten es ruhig noch mehr dieser bezaubernden Fotografien sein dürfen. Gerade bei regionalem Gebäck, wie z. B. dem Apfelbaunzer, zu dem man nicht gleich ein Bild im Kopf hat.

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Leseprobe beim Verlag

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Und: natürlich die Rezepte. Mit vielen dieser Kuchen bin ich aufgewachsen. Sie lassen mich direkt an meine backenden Tanten oder Omas denken. Ich weiß zunächst gar nicht, wo ich anfangen soll. Eigentlich habe ich Lust auf fast alles. Was mir direkt auffällt: Die Rezepte sind teils knapp, beinahe wortkarg beschrieben. In oft nur wenigen Hauptsätzen wird die Zubereitung von Marmorkuchen und Co. skizziert.

Doch ich hatte selten eine solche Trefferquote wie bei diesem Kochbuch. Gleich der Gugelhupf ist direkt eine Wucht. Nach dem Backen wird er noch warm mit zerlassener Butter bestrichen und mit Puderzucker bestäubt. Dadurch bekommt er solch eine knusprig-süße Kruste, dass man immer weiter essen möchte. Mit Nanette scheinen nun auch Schwarzwälder Kirsch und Donauwellen durchaus machbar. Etwas Backerfahrung sollte man allerdings schon haben. Eine Backnovizin könnte vielleicht von der Kürze der Anleitungen etwas überfordert sein.

Die Rezeptsammlung als Zeitzeugnis

Mich hätte noch interessiert, wie die Rezepte redigiert und aufbereitet wurden. Man konnte Nanette ja nicht mehr befragen und die handschriftlichen Notizen vermutlich nicht 1:1 übernehmen.

Am ehesten merkt man vielleicht an der Verwendung von Tortenguss (selten), Eierlikör (einmal) und Margarine (meist Butter), dass die Rezepte schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Auch die Hefemengen scheinen mir recht hoch zu sein, die Gehzeiten dafür kürzer. Doch darin ist Nanettes Buch dann vielleicht sogar Zeitzeugnis, in jedem Fall ist es kulinarisches Kulturgut. Wenn man z. B. in dem Rezept für die fränkischen Küchle liest, dass 2 Kilo Mehl verbacken werden sollen, denkt man an Dorffeste oder wird schlichtweg an andere Familiengrößen erinnert. Eines der Originalfotos zeigt eine von Nanettes Kuchentafeln mit 14 Torten und Kuchen!

Stephanie Arlt:

„Was jeden Einzelnen von uns ausmacht, ist, was er erlebt, erduldet und erreicht hat – und wie davon erzählt wird, wenn man nicht mehr ist.“

Nanettes Backbuch ist das Denkmal für eine Frau, die trotz einer enormen Lebensleistung unter Umständen sonst nicht gesehen worden wäre. Stephanie Arlt hat sich ihr sehr behutsam genähert und ihre Persönlichkeit „eingefangen“. Durch dieses bezaubernde Buch bleiben Nanette in Erinnerung und ihre köstlichen Rezepte am Leben. Ein Backbuch, das bleibt, mit Rezepten, die es verdienen, noch lange genau so gebacken zu werden. Nusshörnchen, Bienenstich und Himbeertorte warten schon auf mich.

Veröffentlicht im März 2021

2 Kommentare

  1. Birgitta

    Am 15.10.2021 erscheint Nanettes Kochbuch.
    Wie gut, dass ich im November Geburtstag habe…….

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