Backbuch von Sara Plavic: Süßes Belgrad

Backbuch von Sara Plavic: Süßes Belgrad ★★★☆☆

Süßes Belgrad – eine kulinarische Reise
Sara Plavic
Autorenfoto: Sonja Lazukic
Fona Verlag (2017)

Julia Eckl-Dorna

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

„Süßes Belgrad“ ist mehr als nur ein Dessert- und Backbuch, es ist auch ein persönlich gestalteter Reiseführer durch die Kaffeehauskultur der serbischen Stadt. Verführerisch lächeln mich die süßen Köstlichkeiten und der für den Balkan typische „Türkische Kaffee“ vom Einband an. In der Hoffnung, dass die Süßigkeiten so gut schmecken wie sie aussehen, mache ich mich ans Werk.

Die Autorin Sara Plavic mit ihren serbisch-bosnischen Wurzeln ist bestens mit der Stadt Belgrad und ihren Bewohnern vertraut. In ihrem Blog „Birds like cake“ befinden sich Rezepte für Süßigkeiten aus allen Ecken der Welt. Allerdings ist es der Autorin in ihrem dritten Backbuch ein Anliegen, den Schatz an Familienrezepten ihrer Heimat zu bewahren und weiterzugeben. Für sie war das Schreiben des Kochbuchs eine „Reise durch die Zeit und die alten Rezeptbücher ihrer Mutter und Großmutter“, wie sie in der Einleitung verrät.

Belgrad – ein Ort mit Mehlspeisentradition

Das handliche Buch ist ansprechend gestaltet – nicht nur der Einband auch die Rezepte sind reich und stimmig mit Bildern unterlegt. „Süßes Belgrad“ beginnt zunächst mit einem sehr kurzen, zweiseitigen Abriss der Stadtgeschichte. Für mich zu kurz, gerne hätte ich davon mehr gelesen.

Dann nimmt uns Sara Plavic auf einen Erkundigungsrundgang durch die Stadt mit und lädt zum Verweilen in den gemütlichen Cafés ein. Hier kann das Buch dank eines Plans von Belgrad mit den Cafés auch direkt als Reiseführer dienen.

Es folgt der Rezeptteil, in den immer wieder kurze Ausflüge zum kulturellen Hintergrund Belgrads und der serbischen Küche eingestreut sind. Sie sind spannend und unaufdringlich, und die Begeisterung der Autorin für ihre Wurzeln und Traditionen ist spürbar.

Der Rezeptteil gliedert dabei in: Einfach und gut, Kuchen und Desserts, Festliche Torten, Feine Kleinigkeiten und salziges Gebäck. Die festlichen Torten mit Schichten oder Cremen duften nach viel Aufwand. Am Ende jedes Kapitels finden sich zahlreiche Fotos zu Belgrad mitsamt Autorin.

„Süßes Belgrad“ im wahrsten Sinn des Wortes

Beim ersten Durchblättern entdecke ich zu meiner Begeisterung „Snenokle“, eine Süßspeise, die es in meiner Kindheit häufig gab. Bei diesem und vielen anderen Rezepten des Kochbuchs wird mir wieder bewusst, wie sehr die österreichische Mehlspeisentradition von den Ländern der ehemaligen Monarchie beeinflusst ist. So kenne ich Buchteln, Mohnstrudel oder Zwetschkenknödel, die ich im Kochbuch entdecke, als typisch österreichische Spezialitäten, mit denen ich von meiner Großmutter verwöhnt wurde.

Allerdings muss ich schon beim Nachkochen der Schneenockerln feststellen, dass diese Speise vor allem eines ist – süß! Ähnlich ergeht es mir bei den Bajadera, Schnitten aus Schokolade und Nussschichten. Hier zeigt auch das Rezept einige Schwächen, da es unmöglich ist, die relativ flüssigen Teige wie im Rezept angegeben auszurollen. Bei den Londonske Stangle reduziere ich den Zucker bereits um ein Drittel, aber noch immer verhindert die starke Süße, dass sich der Geschmack der anderen Zutaten wie Aprikosenkonfitüre oder Walnüsse entfalten kann. Auch die salzigen Pitas mit einer Füllung aus Cottage Cheese und Feta begeistern nicht, das Ungleichgewicht von Teig zu Fülle ist zu stark auf der Teigseite.

Das Buch überzeugt in der Begeisterung der Autorin für die Stadt Belgrad und gibt einen kurzen, aber bewussten Einblick in die kulinarische Tradition und Gegenwart der Stadt. In den Rezepten selbst kämpfen die verschiedenen Zutaten gegen die dominierende Süße und können geschmacklich weder mich noch meine von Süßspeisen generell begeisterten Testesser für sich gewinnen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2018

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