Backbuch von Peggy Porschen: Boutique Baking

Backbuch von Peggy Porschen: Boutique Baking ★★★☆☆

Boutique Baking
Köstliche Kuchen, Cupcakes und Teatime-Leckereien
Peggy Porschen, Fotos Georgia Glynn Smith
Fackelträger Verlag
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Dietmar Adam

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

„Hallo, hallo, Girls, seid Ihr da? Ich muss ganz leise sein, sonst hört er mich. Wer ich bin? Na, das superduper Backbuch von der Peggy Porschen natürlich. Und er, das ist dieser Ignorant, der es besprechen soll. Meine Güte, hat der blöd geglotzt und gestöhnt, als er mich durchgeblättert hat und all die wunderbaren Cupcakes gesehen hat. Allein dieses unsensible Blättern, da habe ich schon gewusst, all meine Schönheit ist vergeudet. Jetzt schreibt er bestimmt ’ne völlig dilettantische Rezession. Ja ja, ich weiß, das heißt anders, aber bei diesem ungehobelten Kerl kommt bestimmt nix besseres raus. Ich fühle mich ja sowas von missverstanden. „

Ich hätte es ahnen können. Schon der Umschlag erinnert an einen romantisch-kitschigen Chic-Lit-Roman mit gezierter Schreibschrift und viel Rosa. Innen dann noch mehr Rosa. Dann kommt es hart auf hart. Die Schrift hingehauchtes Grau auf getöntem Papier, jede Menge Schnörkel und dann erst die Fotos. Zarte Blümchen hier und geschwungene Girlanden dort, kein Herzchen, dafür aber ein vergoldeter Hirsch, was soll mir das sagen? Schon beim bloßen Betrachten der zu Kunstwerken mutierten Gebäckstücke ist mir klar, das schaffst du nie. Und eigentlich will ich das auch gar nicht. Ich habe ganz gewiss nicht vor, Stunden in der Küche zu verbringen, um derartig fragile Gebilde zu bauen, die hinterher nicht ins Museum wandern, sondern von der heutigen Jeunesse dorée schnöde verzehrt werden.

Ich bestaune seitenlange Bastelanleitungen und frage mich, wer um Himmels Willen dem nacheifern möchte. Gewiss, es ist alles akribisch erklärt, auch wie und wo man Dinge wie flüssigen Fondant, Glukosesirup, Royal Icing, Zuckerpaste und Zuckerkleber, Blütenstaub, perforiertes Schaumpolster, Glanzpuder und Glanzpulver, Tragant (kann auch durch Carboxymethylcellulose ersetzt werden), essbares Reispapier, Goldpuder, Spritzgel, Blüten-Motivstanzer, Marzipan-Abstandshalter und -Glätter sowie möglichst lasergestanzte Damast-Kuchenschablonen beschafft oder selbst anfertigt. In der Einleitung lese ich etwas von „einfachen Werkzeugen und leichten Techniken“, nun ja.

porschen-portraet-kochbuchDabei fängt es wirklich einfach an mit Baiserküssen (sprachliche Bedenken angesichts dieser Tautologie lass ich mal weg), auch die Kekstorte mit Marshmallows sieht noch richtig anarchisch aus, aber schon das dritte Rezept braucht mehr als eine Seite Platz. Dann wird es weihnachtlich, von backtechnisch simplen Sachen wie dem Zitrusfalter reicht das Spektrum bis zum Adventskalender und Lebkuchendorf. Und dann endlich kommen sie, die Cupcakes, die letztlich den Ruhm der aus Deutschland ausgewanderten Backkünstlerin begründeten und ihr Geschäft in London zu einer Attraktion ersten Ranges haben werden lassen. Darauf folgen ihre nicht minder berühmten Schichttorten. Dann darf man sich wieder heimisch fühlen bei Marmorkuchen (der mit Lebensmittelfarbe rosa aufgepimpt wird) und Zitronen-Mandel-Mohnkuchen, der so ähnlich zu meinem Repertoire gehört. Sogar die von Peggy Porschen (Foto links) gewählte Kuchenform besitze ich, hurra.

Aber was bleibt übrig, wenn man all die Verzierungen, Blümchen und Schnörkel weglässt oder ignoriert, wie ist der Geschmack? Klar, Frau Porschen beherrscht auch hier ihr Metier meisterlich, Spektakuläres wie von manchen Chefpâtissiers aus Paris, ich nenne nur Pierre Hermé, sollte man aber nicht erwarten. Gewundert habe ich mich über die Zuckerberge, die allein im Guss der zierlichen Cupcakes verschwinden (oft kommen auf 200 g Frischkäse sowie 200 g Butter nicht weniger als 500 g Puderzucker). Da sieht man unwillkürlich schon die Kalorien, jene Tierchen, die nachts unsere Kleidung enger nähen, ihr Werkzeug hervorholen. Oder man kommt ins Sinnieren, dass etwas, was heute ungemein angesagt ist, vor noch nicht allzu langer Zeit als miefig und Inbegriff des Ungesunden galt, nämlich die Buttercremetorten vergangener Generationen.

Nicht gerade viele Rezepte haben mich zum Nachbacken gereizt. Cupcakes werden sich wohl kaum bei uns etablieren können. Da stehe ich mit meiner nostalgischen Verehrung für ähnliche Sünden wie Frankfurter Kranz, Herren- und Mokkabaisertorte auf verlorenem Posten. Bei einem London-Trip jedoch würde Peggy Porschens Café bestimmt ganz oben auf meiner Sightseeingtour stehen.

„Oh je, Mädels, was habe ich Euch gesagt? Voll uncool. Was soll man von nem Kerl auch anderes erwarten.“

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2014

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