Backbuch von Paul Allam, David McGuinness: Die Backbibel

Backbuch von Paul Allam, David McGuinness: Die Backbibel ★★★★★

Die Backbibel – Vom Bauernbrot bis zur Schokotarte
Paul Allam & David McGuinness, Fotos A. Benson, Christian Verlag (2010)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Ein tolles Backbuch. Sein christlicher Titel verrät nicht, dass die australischen Autoren in wohl fast jedem ihrer bodenständigen Rezepte bemerkenswerte Details der Neuerung verraten. Allerdings sollte Abenteuer- und Leselust mitgebracht werden. Die Backwerke präsentieren sich in ungeahnter Ausführlichkeit und die Mengen kann man nicht läppisch nennen. Unter 20 Törtchen fangen die süßen Rezepte mitunter nicht an. Sie sind aber so gut, dass ich das mittlerweile als weisen Ratschlag auffasse.

Eine Bäckerstube in Australien. Ein Mann und eine Frau stehen an einem Arbeitstisch. Er in weißer Kleidung, sein Haar von Mehl benetzt. Sie in Khakis und Turnschuhen. Beide sind im Gespräch vertieft. Vor ihnen liegt ein Teigklumpen. In der Hand der Frau ein Diktiergerät, der rote Aufnahmeschalter leuchtet. Er beantwortet ihre Fragen. Mit Ruhe und einem Hang zur Präzision. Seine Hände bearbeiten währenddessen den Teig mit lässiger Hingabe. Es ist nicht zu übersehen, hier hat jemand seine Passion gefunden. <img src=“http://vg04.met.vgwort.de/na/bb1ad5e6baba431ba1b0034c70871396″ width=“1″ height=“1″ alt=““>

So wird es gewesen sein, stelle ich mir vor. Als Paul Allam und sein Partner aus der Bourke Street Bakery in Sydney mit dem Verlag Murdoch Books für Die Backbibel zusammengearbeitet haben. Das Besondere: Ihre Ausführungen sind quasi ungekürzt gedruckt worden. Die Rezepte sind so detailliert in den Ausführungen, dass ich als Fan von Struktur und gewisser Praktikabilität zunächst verwirrt auf den Fließtext schaute. Und nur dem Fotografen Alan Benson ist es zu verdanken, dass der Schock nicht den Appetit raubte, sondern anstachelte.

Die Backbibel widmet sich zwei Themen – dem Brot und dem Kuchen. Ersterer würde auch die Aufmerksamkeit von Kennern auf sich ziehen, schätze ich, mich lockte der süße Teil, denn hier gibt es Törtchen, die verzücken. Karamellisierte Ingwertörtchen, Creme-brulee-Törtchen mit Erdbeerpüree und auch die Baisertörtchen mit Passionsfruchtcreme möchte ich nicht unerwähnt lassen. Die Rezepte sind so lang, dass man sie nicht im Vorbeigehen liest. So setzt man sich und trinkt seinen Tee.

Paul AllamUnerwartet war, was sich beim Nachbacken offenbarte. Denn die Titelwahl Die Backbibel lässt auf tradierte Rezepte schließen. Bestes – aber wie immer. Ganz anders die Rezepte von Paul Allam und David McGuinness. Mit jedem Rezept entdeckte ich einen neuen Kniff. Am frappierendsten wurde das deutlich beim Mürbeteig. Bei der Lektüre des Rezepts sah ich die Katastrophe aufziehen. Denn der süße Mürbeteig für die geplanten eleganten Schokoladencremetörtchen verlangte Essig. Ist Euch schon einmal so etwas untergekommen? Mir nicht. Ich haderte sehr, ob ich die Angabe als Fehler im Rezept oder spannendes Neuland betrachten sollte. Zum Glück gab ich letztem Antrieb nach. Der Teig roch alptraumhaft, aber er war ungewohnt geschmeidig, denn der Zucker wird im Essig-Wasser-Gemisch zunächst aufgelöst. Das Wunder geschah dann im Backofen, der das saure Aroma verschluckte. Heraus kamen Tartelettes mit kräftigem Geschmack und fast blättriger Konsistenz. Der perfekte Gegenpart zu der süßen Füllung, die doch sonst ihr Teigbett zur Randfigur macht.

Alles hat zwei Seiten. Beim erstmaligen Backen ist man dankbar für die Ausführlichkeit, beim zweiten Mal zeigt sich eine kleine Ungeduld wegen der fehlenden Struktur. Für mich hat sich als beste Lösung entpuppt, handschriftlich die einzelnen Schritte neben dem Original zu notieren für ein flottes zukünftiges Durchkommen.

Gewöhnungsbedürftig sind die Mengen. Hier schreibt ein Bäcker, für den 20 Törtchen fast schon läppisch sind. Ja, wenn sie so schmecken, dann freut man sich nachträglich darüber. Aber den Autoren ging wohl mitunter auch mal der Überblick verloren. Wer bei den Schokoladencremetörtchen ausgeschlafen nachbackt, merkt schnell, dass es wohl 40 Törtchen werden …

Das Kapitel, das mich nun in meinem Picknick-Sommer begleiten wird, ist das mit Pasteten und Pies. Hier einige Beispiele mit denen ich hoffe, Euch zu begeistern: Hähnchen-Pie mit Süßkartoffeln und Lime-Pickle, Blätterteigrollen mit Lamm, Harissa und Mandeln und Kaninchen-Quitten-Pie für den Spätsommer.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2011

5 Kommentare

  1. Hamleys

    Ich kann Katharinas positive Rezension bestätigen – finde, es ist ein wirklich sehr ansprechendes und lesenswertes Buch, und der englische Titel (habe es auf englisch gekauft) ist natürlich auch viel weniger pathetisch.
    Gelungene Backversuche hatte ich z.B. mit dem sehr knusprigen Pizzateig und der delikaten Lauchquiche.
    Nicht glücklich war ich beim ersten Anlauf mit der Brioche, die nicht ganz dem entspricht, was wir aus Frankreich kennen und erwarten (eher süß) laut Rezept geht sie nur 2x je 1 Stunde im Kühlschrank, das war bei mir definitiv zu wenig. Beim zweiten Versuch habe ich sie vor dem Backen noch 30 min. in der Form gehen lassen, vielleicht gebe ich ihr beim nächsten Mal noch etwas mehr Zeit.

  2. einfach ein schönes Leben

    Liebe Katharina,
    jetzt bin mal richtig neugierig auf dieses Buch geworden. Hört sich spannend an und muss ich unbedingt haben. Aber ich sehe schon, dass die Australier das Problem, das ich auch immer habe, dass meine Rezepte immer so große Mengen sind und ich die beim Veröffentlichen runterrechnen muss, ganz einfach gelöst haben indem sie die Rezepte einfach so groß lassen. Die Australier halt.
    Es grüßt nicht aus Australien sondern aus Bayern
    Martin

    • Katharina

      Lol – echt, die machen es sich unkompliziert. Das Buch wird Dir Spaß machen, für die sind die Größenverhältnisse vielleicht genau richtig?!

  3. Claudia

    Ich habe ein Walnussbrot aus dem Buch nachgebacken – sehr gut. Die Brotrezepte sind allerdings nicht unbedingt etwas für Anfänger, da man schon sehr viel Geduld aufbringen muss. Lustigerweise ist Bourke Street Bakery für mich eher ein Brotbackbuch als ein “süsses” Backbuch. Den Titel \“Backbibel\” fand ich im dt. verwirrend, weil die beiden Australier sicher nicht angetreten sind, um eine “Backbibel” zu schreiben – sondern eher ein Buch über das Gebäck und das Brot ihrer Bäckerei.

    • Katharina

      Liebe Claudia, das ist gut, dass Du das schreibst. Ich bin so gar nicht ein Brotbäcker und werde dem Buch in dieser Hinsicht nicht gerecht. Ja, die Backbibel erfasst so gar nicht das Buch. Mal sehen, wenn die Teit der Bibel-Titel sein Ende gefunden hat. (Übrigens – es hat ja mit der Kommentarfunktion dieses Mal geklappt. Wir haben den technischen Fehler immer noch nicht entdeckt. Es kommt jetzt ein ganz neues.)

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z