Backbuch von My Feldt: Apfelduft & Heidelbeerblau

Backbuch von My Feldt: Apfelduft & Heidelbeerblau ★★★★★

Apfelduft & Heidelbeerblau –
Backen mit Früchten, Beeren und Blüten
My Feldt, Fotos: Linda Lomelino
AT Verlag (2019)
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Charlotte Schrimpff

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Genug Kardamom im Haus? Prima, dann ab nach Schweden! My Feldt nimmt uns in „Apfelduft und Heidelbeerblau“ mit durch Preiselbeerbüsche, Mittsommernächte, eisige Winterwunderwelten – und in ihr sehr persönliches Aromenparadies.

Zu meinen schönsten Schweden-Erinnerungen gehört der Besuch in einem kleinen Scheunencafé ein Stück westlich des Vänern: Die Wolken drüber hingen tief und grau, drinnen Gemütlichkeit aus Flohmarkt-Mobiliar, Warmhalteplattenkaffee, Waffeln und, natürlich, herrlichen Zimtschnecken.

Kochbuchautorin My Feldt

Nicht nur optisch hätte dieses Kleinod hervorragend in My Feldts (Foto links) Backbucherstling gepasst. Auch inhaltlich, denn ich glaube, es sind Momente wie dieser, den sie meint, wenn sie schreibt, dass sie mit ihren Rezepten „Gefühle wecken und Erinnerungen hervorrufen“ will.

Sie selbst hat sie schließlich auch en masse: Der Duft von Weideröschen beamt sie zurück in ihre Kindheit, die drumherum schwer nach Bullerbü riecht; das Rezept für Blaubeerkuchen erinnert sie an eine eher griesgrämige Nachbarin, der Gewürzkuchen dagegen an ihre Oma und pieksige Brennnesseln irgendwie auch.

Schweden mit allen Sinnen

Für Feldt, die Köchin und Konditorin, gibt es kaum eine Pflanze, kaum eine Farbe, kaum einen Geruch, der nicht mit einer Anekdote verknüpft ist. Und selbst wenn sie all diese Erinnerungen nicht auf so große, matte Seiten geschrieben hätte, hätte man sie geahnt. Weil man die Wildrosen dank Linda Lomelinos (jep, die Linda Lomelino) wahnsinnig atmosphärischer Fotos zu riechen, das Rascheln des Herbstlaubes zu hören, die untergehende Sonne auf der Haut zu spüren glaubt.

Klingt kitschig? Ist es nicht – zum Glück: Feldt balanciert sehr sicher auf dem Grat zwischen Flair und Verklärung. Beispiel Flieder: Sein Duft ist für sie nicht nur mit Versteckspielen und Postabiturfreuden verbunden, sondern auch mit dem Tod ihrer Mutter.

In ihrer Heimat Schweden ist die Kochbuchdebütantin übrigens keine Unbekannte: Ihre Bäckerei/Konditorei „Feldts“ in Halmstadt ist Landsleuten nicht zuletzt dank regelmäßiger Auftritte im (Frühstücks-)Fernsehen ein Begriff, und das Buch war quasi überfällig.

Saisonal schmeckt bestens

Auf knapp 300 Seiten schreitet Feldt darin die Jahreszeiten ab – vom Frühlingserwachsen über den Früh-, Hoch- und Spätsommer bis zur „Herbstlichen Ernte“ und „Winterruhe“. Jedes einzelne Rezept hat Platz – für erwähnte Fotos, ausführliche Anleitungen und detailreiche kleine Aquarelle, die von Feldt selbst stammen.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

My Feldt bei Instagram

Mehr skandinavische Kochbücher bei Valentinas

Schnell kleben meine Post-its im Buch: Die Rhabarberschnecken sehen verboten gut aus, die Zimtschneckenzwiebacke hochinteressant und, whoah – dieses Schokoladeneis! Noch besser: In der Küche lande ich einen Treffer nach dem nächsten. Alles klappt, sieht aus, wie im Buch – und, am wichtigsten: schmeckt so, so toll (einzig die Zuckermengen sind uns mitunter zu großzügig; aber das lässt sich ja justieren)! Feldts Zimtschnecken beispielsweise buk ich das erste Mal zum Besuch des Neffen – der seinen Eltern daraufhin tagelang in den Ohren lag, dass er bitte „Ssimtschnege“ frühstücken will. Dreimal dürft ihr raten, was wir zu seinem Geburtstag servierten – nur so von wegen „Erinnerungen“…

Sie mögen Schweden? Dann werden Sie dieses Buch lieben: My Feldts Rezepte sind Bullerbü zum Selberbacken – im Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Stor kärlek!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2019

1 Kommentare

  1. Sabine

    Schöne Besprechung und sie trifft den Nagel auf den Kopf. Habe auch schon viel ausprobiert und bin einig mit Claudia : Zucker reduzieren. Aber sonst tolles Buch mit Rezepten im Jahresrhytmus und optisch so schön, die Fotos von der grossartigen Linda Lomelino – ihre Backbücher liebe ich auch sehr und sind immer wieder Inspirationsquelle-, dazu die aparten Zeichnungen und dem schönen Buchrücken. Wer gern backt, sollte sich das Buch zulegen.

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