Backbuch von Melissa Forti: Dolci, Tartes und zauberhafte Kuchen backen

Backbuch von Melissa Forti: Dolci, Tartes und zauberhafte Kuchen backen ★★★★★

Dolci, Tartes und zauberhafte Kuchen backen
Melissa Forti
Fotos: Danny Bernardini
Prestel Verlag (2017)

Julia Eckl-Dorna

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Zugegeben – der gestrenge Blick der durchgestylten und tätowierten Frau auf dem dunklen Einband machte mir etwas Angst. Wird Melissa Forti mir hier stets über die Schulter blicken, ob ich ihre Rezepte genau befolge?

Aber bereits beim Ausprobieren der ersten Rezepte wird klar: Hier ist zwar Perfektionismus am Werk, aber ohne Strenge und mit unglaublicher Kreativität. Letztere ist in jedem Rezept des Buches spürbar und macht das Testen sowohl für mich als auch für meine Umgebung zum Vergnügen.

Es ist das erste Buch der Italienerin Melissa Forti (Foto links), die im historischen Zentrum von Sarzana „Melissa’s Tea Room & Cakes“ betreibt. Nicht jedes Kochbuch – und schon gar nicht ein Erstlingswerk – hat ein Vorwort von Tim Mälzer, der anlässlich der VOX-Sendung Kitchen Impossible Tim Raue in ihre Backstube schickte. Ihre Torta Tiramisu ging anschließend durch die Blogosphäre.

Doch ein paar Rezepte später kann ich seine Begeisterung für ihre eigenständige Art zu backen zu hundert Prozent nachvollziehen. Und so wächst in mir bereits auch die Neugierde, diese Kuchen einmal aus erster Hand zu verkosten und vielleicht doch für den nächsten Sommer eine Ligurienreise zu planen …

Stilistisch ein strenger Hingucker

Der Einband ist dunkel gehalten, ganz auf Melissa Forti zentriert und gibt einen Vorgeschmack auf das Innere des Buches. Ein streng durchgestyltes Buch, jedes Foto passt, nichts scheint dem Zufall überlassen. Die Fotos der Dolci sind perfekt – jeden Kuchen möchte man sofort nachbacken.

So fällt es mir wirklich schwer, eine Auswahl zu treffen. Das Buch ist in drei große Kapitel gegliedert. Zunächst Rezepte aus Melissas Heimat Italien, wie schlichte Rotweinkringel, Zabaione oder eine köstliche, gefüllte Mürbteigtorte.

Darauf folgt eine Auswahl von Rezepten aus der ganzen Welt, zu denen die Autorin vermutlich während ihrer längeren Aufenthalte in London und Los Angeles inspiriert wurde. Hier finden sich neben einer „altmodischen amerikanischen Torte“, eine Champagner-Torte oder Shortbread mit Orangen und Schokolade.

Das abschließende Kapitel ist einfach „Da Melissa“ betitelt und enthält eine Zusammenstellung von Rezepten aus ihrer persönlichen Sammlung. Hier sind auch meine bisherigen Favoriten, die Tarte mit Schokolade und Esskastanien sowie die Brownies mit schwarzem Venere-Reis, zu finden. Allerdings gibt es noch viele Rezepte auf meiner Liste, die ich noch ausprobieren werde …

Das Spannende: die Zutaten

Das Spannende an den Rezepten dieses Buches ist einerseits der Einsatz von beim Backen doch selten verwendeter Zutaten. So wird gekochter Weizen in die Füllung der Mürbteigtorte gemischt oder schwarzer Venerereis bei der Zubereitung von Brownies eingesetzt.

Aber auch bekannte Zutaten werden auf ungewöhnliche Art verwendet. Für Butterplätzchen werden zum Beispiel sechs hart gekochte Eidotter anstatt der sonst üblichen rohen Eier verwendet. Und obwohl es viele Rezepte mit Schokolade gibt, wird für diese Rezepte vor allem hochwertiger Kakao verwendet. Dafür sind es davon durchaus 100 oder 150 Gramm.

All das trägt dazu bei, dass Melissa Fortis Buch unter den vielen Backbüchern in meinem Regal für diverse Anlässe nun sicher häufiger hervorgeholt werden wird.

Venere-Reis in Brownies

Zum Weiterlesen

Die Website von Melissa Forti

Melissa Forti bei Instagram

Wer dieses Backbuch zur Hand nimmt, darf keinesfalls sehr zucker- oder kalorienbewusst sein – hier könnte man bei manchen Rezepten durchaus reduzieren. So sieht das Bild mit den Käsekuchen-Brownies zwar absolut verführerisch aus, allerdings schrecken mich die jeweils 500 g Butter und Zucker sowie noch gut 200 g Frischkäse doch etwas ab. Andererseits sind alle bisher ausprobierten Rezepte die „Sünde“ wert gewesen.

Für mich persönlich ist das Buch zu sehr auf die Person Melissa Forti ausgerichtet – es müsste nicht zu jedem Rezept eine kurze Anekdote erzählt werden. Aber diese Kleinigkeiten werden die einzigen Kritikpunkte in dieser Rezension bleiben. Was viel mehr zählt, ist der Spaß, ihre Backrezepte zu entdecken – und die verblüfften und zugleich zufriedenen Gesichter der Gäste beim Dessert zu beobachten, wenn man ihnen zum Beispiel Brownies mit schwarzem Venere-Reis serviert.

Melissa Fortis Backbuch ist ein Erstlingswerk, das in Erinnerung bleibt. Ihre eigenständigen Kreationen, die sowohl italienisch wie auch international inspiriert sind, überzeugen geschmacklich. Der Schlüssel sind unerwartete Zutaten. Meine Backlust wuchs von Rezept zu Rezept.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2017

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