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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | April 23, 2017

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Backbuch von Margit Proebst: Cheese & Cake ★ ★ ★ ★

Backbuch von Margit Proebst: Cheese & Cake
Rezension

Cheese & Cake – 80 außergewöhnliche
Rezepte von Cupcakes bis Törtchen
Margit Proebst
Fotos Jo Kirchherr
Christian Verlag (2016)
Mehr über den Verlag

VIER STERNE: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Doris Brandl Von

Wer kann denn so einem Titelbild widerstehen? Ich nicht! Hier wird dazu nicht einfach eine Wiederholung der klassischen Varianten versprochen, sondern Ausgefallenes und Exotisches. Ob das ernsthafte Konkurrenz ist?

Über 40 Kochbücher hat Margit Proebst veröffentlicht. Zwei davon wurden bei Valentinas bereits besprochen: ‚Kartoffel & Knolle‘ und ‚Kochen für zwei‘. Vom Hobby zur Profession arbeitet sie zudem als Foodstylistin, stellt Rezepte in einer monatlichen Zeitschrift vor und holt sich auf ihren Reisen neue Ideen.

Cheese & Cake kommt im typischen Hochkant-Klassikerformat aus dem Christian Verlag. 160 Seiten mit 80 Rezepten inkl. Fotos. Schon beim Durchblättern fliegen meine Merkzettel seitenweise nur so rein. Hungrig sollte man dieses Buch nicht durchblättern. Und etwaige Diätpläne gleich mal auf Eis legen.

Zum Reinbeißen knackig oder zum Dahinschmelzen zart sehen die Cupcakes, Desserts, Torten und Törtchen aus. Foodfotograf Jo Kirchherr hat sie alle eingefangen. Wahrlich eine Augenweide, wie sich die hellen mit Quark, Joghurt oder Schmand bedeckten Köstlichkeiten vom dunklen Untergrund der Teller oder Holzbretter abheben, manchmal mit knallroten Klecksen von Granatapfelkernen oder Kirschgrütze. Das macht Lust, aktiv zu werden, denn sattlesen funktioniert bei mir nicht.

Mascarpone mal luftig – mal stabilisiert

Früher habe ich die ersten Seiten zum Vorwort, Grundwissen und Zubehör überblättert. Weiß ich alles – brauche ich nicht. Seit ich für Valentinas schreibe, geht das natürlich nicht mehr – und siehe da, auch ich kann noch dazulernen. Zum Beispiel mit diesem Tipp: um Mascarpone mehr Luftigkeit zu geben, etwas Schlagsahne unterheben. Wird er dagegen gebacken, sollte zur Stabilisierung etwas Speisestärke dazugegeben werden.

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Zum Grundwissen gehören auch die einzelnen Hauptbestandteile der Rezepte, von Quark und Schmand über Ricotta bis Manchego. Genauso werden die verschiedenen Teige erklärt. Die einzelnen Kapitel: Klein, aber fein, Aus dem Glas, Cheesecake-Love, Aus dem Kühlschrank, Internationale Klassiker und Pikant & raffiniert lassen erahnen, wie breitgefächert das Spektrum ist. Und dann geht’s auch schon los. Ohne persönliche Anekdoten oder Fotos aus Küche, Heim & Garten schreitet die Autorin direkt zur Sache und somit zu den Rezepten. Das finde ich sehr angenehm und ich starte ebenfalls schnurstracks mit dem wohl schnellsten Rezept.

Denn die Quarktäschchen haben es mir angetan. TK-Blätterteig ist bei mir immer vorrätig und die Quarkmasse ist fix zusammengerührt. Mein Backofen hat zwar etwas länger gebraucht als im Rezept angegeben, aber frisch aus dem Ofen und zusätzlich mit etwas Puderzucker bestreut, ist im Nu ein leckeres Gebäck entstanden.

Und noch etwas habe ich bei Margit Proebst gelernt. Normalerweise backe ich Mürbeteigböden ca. 15 Minuten vor. Eigentlich hat sich das bisher auch bewährt. Die Böden werden dadurch schön knusprig und weichen hinterher trotz Füllung nicht durch. Bei Cheese & Cake sollte man sich allerdings besser an das Rezept halten. Und wenn da nichts von Vorbacken steht, sollte man es auch besser bleiben lassen, wie ich beim Zupfkuchen feststellen musste. Der wird nämlich viel zu hart und trocken durch das Vorbacken.

Sahnequark – Schmand – Doppelrahmfrischkäse – Ricotta – Crème fraîche

Auch wenn es vielleicht bei manchen Rezepten abschreckend wirken würde, hätte ich mir hier für den schnellen Überblick die Kalorienangaben gewünscht. Je nach Anlass könnte ich so besser beurteilen, ob das ausgewählte Dessert nach einem üppigen Mahl noch zumutbar ist oder alle überfordert. Für eine ganze Kaffeetafel sollen die Gäste verschiedene Kuchenstücke probieren können und nicht nach einem Stück bereits dankend abwinken. Was sich beim köstlichen friesischen Käsekuchen mit Magerquark erst einmal harmlos liest, wird durch die üppige Buttermenge mehr als ausgeglichen.

kochbuch-margit-proebst-cheese-cake-inside-valentinas-3Genauso der New-York-Cheesecake. Hier kommt zum Doppelrahmfrischkäse noch reichlich Crème fraîche hinzu, und der Guss aus Schmand hat es auch noch einmal in sich. Sicherlich würde das eine oder andere Rezept auch weniger gehaltvoll funktionieren. Das hätte ich mir zumindest als Tipp gewünscht. Denn eingangs erwähnt Margit Proebst (links ihre Website) extra, dass sie in den Rezepten die Zuckermenge reduziert hat. Warum nicht auch leichtere Alternativen, womit der Kuchen trotzdem gelingt? Aber das ist auch der einzige Kritikpunkt, den ich habe.

Ansonsten ist alles perfekt beschrieben, sowohl Zutaten, Arbeitsabläufe und Erklärungen lassen keine Fragen offen. Auch meine Ergebnisse konnten durchaus mit den Fotos mithalten. Schön finde ich, dass die Zeiten für Zubereitung, Backen und/oder Kühlen übersichtlich oberhalb der Rezepte angegeben sind. So sehe ich schon im Voraus, ob mir das Rezept zu zeit- oder arbeitsaufwendig ist. Teilweise gibt es weitere Tipps oder Variationsmöglichkeiten werden genannt.

Auch richtig exotische Rezepte sind dabei, wie die orientalischen Kadayif-Törtchen aus Teigfäden (auch Engelshaar genannt) oder korsischer Fiadone aus Schafs- bzw. Ziegenfrischkäse. Basilikum, Lavendel, Anis oder Matcha gehören zwar nicht zu meinen Lieblingsgewürzen in einem Käsekuchen, aber das ist Geschmackssache. Und das ist ja das Schöne hier, es ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Die pikanten Tartes mit herzhaften Käsesorten und erst recht der köstliche, mit Äpfeln und Speck verfeinerte Zwiebelkuchen rufen nach einer Runde im Freundeskreis – letzterer wird mit Sicherheit noch öfter zu dem einen oder anderen Glas Wein aufgetischt.

Unwiderstehlich, allein die Fotos. Egal ob klassisch oder ausgefallen, süß oder salzig. Alle ausprobierten Rezepte haben perfekt geklappt, sind genau erklärt, die Abfolge stimmt und die Ergebnisse waren köstlich – wenn auch teilweise sehr gehaltvoll. Der klassische Käsekuchen bleibt weiter auf der Bestenliste, kann aber mit diesen Rezeptideen gut aufgefrischt werden.

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Nachgekochte Rezepte:

Quarktäschchen mit Haselnüssen und Pistazien
Das schnellste Rezept überhaupt, wenn auch die Backzeit bei mir nicht ganz ausgereicht hat. Der Blätterteig wird lt. Rezept nicht gesüßt. Die Füllung ist zwar süß, ich habe aber die Teilchen zusätzlich mit reichlich Puderzucker bestäubt, dann waren sie perfekt. Unbedingt frisch genießen.

Aprikosenkäsekuchen
Da ich keine Aprikosen bekam, habe ich die als Variante genannten Zwetschgen für das Rezept verwendet. Aber irgendwie passte das nicht optimal zusammen, nicht richtig Käsekuchen und nicht richtig Obstkuchen. Das nächste Mal probiere ich es doch lieber mit Aprikosen.

Russischer Zupfkuchen
Beim ersten Versuch habe ich eigenmächtig den Teig vorgebacken. Das war ein Fehler. Der Teig war hinterher zu hart und trocken. Beim zweiten Versuch stimmte alles, obwohl ich die Teigkleckse in der Quarkmasse als etwas störend empfunden habe wegen der unterschiedlichen Konsistenz. Geschmeckt hat er trotzdem sehr gut.

New-York-Cheesecake
Kaum zu toppen, was die Üppigkeit angeht. Doppelrahmfrischkäse, Crème fraîche und Schmand machen den Kuchen viel zu gehaltvoll. Nur durch die Kirschgrütze wird er wieder etwas abgemildert.

Geschrieben im Februar 2017