Backbuch von Lutz Geißler & Björn Hollensteiner: Brotbackbuch Nr. 2

Backbuch von Lutz Geißler & Björn Hollensteiner: Brotbackbuch Nr. 2 ★★★★★

Brotbackbuch Nr. 2 – Alltagsrezepte &
Tipps für naturbelassenes Brot
Lutz Geißler & Björn Hollensteiner
Verlag Eugen Ulmer (2015)

Dietmar Adam

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Wie das mit Blockbustern (gibt es eigentlich schon das Wort „Blogbuster“?) so ist, folgt auf das erfolgreiche Erstlingswerk flugs die Fortsetzung. Können die hohen Erwartungen erfüllt werden? Lutz Geißler hat sich den als Brotdoc bekannten Blogger Björn Hollensteiner mit ins Boot geholt. Mit vereinten Kräften wollen sie allen, die selbst Brot backen oder es lernen wollen, Tipps und fundiertes Grundwissen liefern.

Dass in Deutschland, das für die Vielfalt und Qualität seiner Brote einst gerühmt wurde, mit diesem Grundnahrungsmittel nicht alles zum Besten steht, kann wohl kaum bestritten werden. Zu viel Industrie, zu viel Chemie, zu viele Tricks. Außen hui, innen pfui – so ist nicht nur mein Fazit. Entsprechend backe ich seit geraumer Zeit mein Brot selbst. Anregungen und Hilfe habe ich mir vor allem aus dem Internet geholt, auf Seiten wie Lutz Geißlers vorbildlichem „Plötzblog“.

Mit der Akribie eines Naturwissenschaftlers

autorenfoto-portrait-lutz-geissler-valentinas

Wer wie ich diesen Blog von Anfang an verfolgt hat, erinnert sich vielleicht noch an Lutzens (links, © privat) Versuche, bestimmte Brote nachzubacken. Mit der Akribie des Naturwissenschaftlers war er manchmal erst nach Dutzenden von Versuchen mit dem Ergebnis zufrieden. Diese Gewissenhaftigkeit und Begeisterung für gutes Brot ist auch diesem Buch anzumerken. Systematisch und didaktisch klug widmen sich die beiden Autoren den drei Hauptgetreidearten Weizen, Roggen und Dinkel. Innerhalb dieser Kapitel folgt eine Unterteilung in Brote und Brötchen, die ausschließlich aus dem jeweiligen Getreide gebacken werden, Vollkorn- und Schrotbrote, Mischbrote und –brötchen sowie Feingebäck in Brot- und Brötchenform. In der nächsten Gliederungsstufe werden dann jeweils vier Varianten vorgestellt: ein Basisrezept, ein „no knead“-Brot, ein Sauerteigbrot ohne Hefe und ein Brot mit Übernachtgare. Anfänger werden jetzt vielleicht schon überfordert abwinken, aber wer wie ich schon über einen gewissen Erfahrungsschatz verfügt, wird für die übersichtliche Darstellungsweise dankbar sein. Unterstützt wird diese Übersichtlichkeit noch durch jede Menge Fotos. Teilweise zwar nur schwarz-weiß und in kleinem Format, aber schließlich ist der Platz anders als im Internet im Buch endlich. Anhand der Fotos konnte ich jedes Mal gut überprüfen, ob mein Backversuch einen optimalen Verlauf nahm.

Auch für unsichere Einsteiger

Schön, dass die Autoren auch an unsichere Einsteiger gedacht haben. Wer sich ein freigeschobenes Brot nicht zutraut oder schon mal eine flache Flunder aus dem Ofen geholt hat, kann sich für die Kastenform-Variante entscheiden, wo in dieser Hinsicht nichts schief gehen kann. Anfänger sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass Brotbacken ein zeitaufwendiges Hobby ist, das ein fundiertes Wissen benötigt, sie sollten bedenken, dass sich ein einzelner Backvorgang in der Regel über mehrere Tage hinzieht, zumindest über Nacht. Da ist ein genaues Zeitmanagement nötig, das in der heutigen Hektik mitunter schwer einzuhalten ist. Und selbst bei jemandem wie mir, der genügend freie Zeit hätte, kann die Begeisterung abebben, was mich aber nicht davon abhält, weiterhin einzelne erprobte Rezepte nach eigenem Gusto in einer an manchen Stellen vereinfachten (Profis würden wohl sagen schludrigen) Weise zu backen. Da sollte eben jeder seine eigene Herangehensweise herausfinden. Hauptsache, man ist mit dem Backergebnis zufrieden.

Theorie und Praxis

backbuch-brotbackbuch-nr-2-lutz-geissler-bjoern-hollensteiner-inside-valentinas

Wer möchte, kann sich gleich auf die etwa hundert Rezepte stürzen. Es wäre aber schade, die im Einführungs- und abschließenden Grundlagenteil gelieferten Informationen zu übergehen, denn nur so kann man sich das doch recht komplexe Thema Brotbacken erschließen. Wer beispielsweise forsch behauptet, Kneten kann doch nicht schwierig sein, macht doch die Maschine, wird sich wundern, dass sich die Anmerkungen zu diesem Vorgang über viele Seiten erstrecken. Und das ist schließlich nur einer von mehreren Abschnitten beim Brotbacken. Erschlagen von der Fülle von Fakten und Tipps, kann ich mir kaum vorstellen, dass noch Fragen offen bleiben könnten. Da werde ich mich zwar täuschen, aber für den Fall der Fälle kann man sich über das Internet vertrauensvoll an die Autoren wenden. Ein prima Service.

Lutz Geißler und Björn Hollensteiner haben ein in vielerlei Hinsicht vorbildliches Buch geschrieben. Profundes Wissen, Akribie und Begeisterung ist auf jeder Seite zu spüren. Ich hoffe sehr, dass dieses Buch dazu beitragen wird, die Zahl der privaten Brotbäcker zu steigern. Denn auf bessere Fabrikbrote zu warten, scheint mir vergeudete Zeit. Jeder Hobby-Bäcker sollte dieses Buch in seinem Regal stehen haben und es ausgiebig nutzen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2015

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z