Backbuch von Katharina Saheicha, Stefanie Bartsch: Cupcakes – Für die schönsten Feste des Jahres

Backbuch von Katharina Saheicha, Stefanie Bartsch: Cupcakes – Für die schönsten Feste des Jahres ★★★☆☆

Cupcakes: Für die schönsten Feste des Jahres
Katharina Saheicha & Stefanie Bartsch
Jacoby & Stuart (2011)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Valentinas Kochbuchtest: 3 Leserinnen kochen je 3 Rezepte nach und beantworten 5 Fragen, so die Idee dieser Rezension der besonderen Art. Für die Cupcakes, die süße Invasion, haben drei Bloggerinnen ihren Backofen angeworfen. Astrid von Arthurs Tochter kocht!, der man bisher keine Nähe zu süßem Backwerk nachsagen konnte, wollte es wissen und Sylvia von Rock the Kitchen!. Titi Laflora aus Wien verriet zwar nur das Nötigste, aber Astrid und Sylvia waren auskunftsfreudig. Bei ihrem Abenteuer “Cupcake” nehmen sie uns mit.

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

CupcakeDieses Buch kam zu mir wie die Jungfrau zum Kinde! Auch wenn ich kürzlich noch als „vom Essen besessen“ beschrieben wurde, ist meine Kochbuchsammlung überschaubar und meine Backbuchsammlung beschränkt sich auf – aus reinen Nostalgiegründen, weil sozusagen ein Familienerbstück – ein altes Exemplar des Dr. Oetker Schulbackbuches. Ich backe nicht, es sei denn, es geht um ein Dessert und der kurze Aufenthalt des Nachtisches im Backofen ist zur Zubereitung unvermeidlich.

Insofern war ich die richtige Kandidatin um vorurteilsfrei, weil gänzlich unerfahren, ein Backbuch zu testen. Dass es mich SO zuckersüß erwischen würde, konnte ich nicht ahnen!

CupcakeIch koche seit meinem 19. Lebensjahr regelmäßig und in Eigenregie. Aber bereits als Kind und Jugendliche habe ich hin und wieder in Mutters Küche gebacken oder gekocht. Mit der Zeit hat es sich immer mehr zum Hobby Nr. 1 entwickelt. Eigentlich kann ich mir nichts Entspannenderes vorstellen als Kochbücher und Zeitschriften zu lesen, in Foodblogs zu stöbern, mir neue Inspirationen und Rezepte zu holen und das Neuendeckte in die Tat umzusetzen.
Kochbücher studiere ich sehr genau, benutze sie sehr oft aber nur als Inspiration um dann der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen. Bei einem mir gänzlich unbekannten oder schwierigen Rezept halte ich mich anfangs aber dann doch ganz gerne ans Originalrezept und verzichte meistens auf Experimente und Spielereien.

CupcakeIch koche seit ich denken kann, da ich in der Küche meiner Oma, die ein Landgasthaus betrieb, und in der Küche meiner Mutter aufgewachsen bin. Ich durfte überall mithelfen und ich liebte es. Allein und eigenständig koche ich seit meinem 15. Lebensjahr, also seit 28 Jahren.
Kochbücher benütze ich als Inspiration. Normalerweise wandle ich fast jedes Rezept ein bisschen ab geschmacklich und von den Mengen. Außer ich teste Rezepte wie in diesem Falle. Was ich auch spannend finde.

Zum Kochbuch: Was waren Deine Eindrücke beim ersten Stöbern?

CupcakeNatürlich ist die Umschlagfarbe des Buches rosa. Kann man sich ein zuckersüßes Cupcakes-Buch in schlichtem grau vorstellen? Never ever! Auf der Titelseite 3 Bilder, die schon beim ersten Anschauen vor lauter Entzücken über diese kleinen Törtchen ein Pfund mehr auf die Hüfte zaubern. Das Buch kommt als Softcover daher, was sehr praktisch ist, kann man so doch kleine Schokoladenkleckse während der Zubereitung einfach wegwischen. Die gesamte Aufmachung ist sehr liebevoll, vor allem die kleinen Erklärungen oben auf den Seiten, die jeweils ein ganzes Kapitel begleiten sind fröhlich und humorvoll geschrieben.

Überhaupt ist die Kapiteleinteilung eine besonders schöne Idee, sie richtet sich nach den entsprechenden Festen, für die die jeweiligen Cupcakes vorgeschlagen werden und entspringt den Festen, die die Autorin selber gerne feiert. Dazu gehören Hochzeiten und Geburtstage genau so selbstverständlich wie die Walpurgisnacht oder der Christopher Street Day.
Eine schöne Zutatenliste am Ende des Buches rundet es ab und erlaubt, schnell einen Cupcake zu finden, der den jeweiligen Gelüsten entspricht. Lust auf Ingwer? Kein Problem! Steht auf Seite 79 und 120. Cupcake mit Marshmellows gewünscht? Wähle auf den Seiten 62, 93, 128 und 147.

Aber alles Lesen bringt mich nicht zum Genuss- gebacken werden muss!
Unterstützung habe ich mir bei meiner Tochter gesucht, die beim Durchblättern des Buches schnell wieder zum kleinen Mädchen wurde. Alles so schön rosa hier!

CupcakeMein erster Gedanke: Ganz schön bunt! Besonders das Cover wirkt für mich etwas überladen und leicht unprofessionell gestaltet. Weniger (Farbe und Grafik) wäre in diesem Fall vielleicht wirklich mehr gewesen.
Nach dem Aufschlagen des Buches haben mich aber dann der Aufbau und die sehr übersichtliche und klare Struktur der Rezepte überaus positiv überrascht. Die Aufteilung der Zutatenliste in Teig, Füllung, Creme und Dekoration finde ich sehr übersichtlich und ansprechend. Diese Aufgliederung verhilft dem Leser auch zu einer schnellen Übersicht beim Finden und Auswählen des passenden Rezeptes.
Irritiert hat mich dagegen die Themenauswahl der einzelnen Kapitel in welche die Rezepte aufgeteilt sind – u. a. Walpurgisnacht, Christopher Street Day, Silvester und Babyparty. Orangen-Cupcakes mit Campari-Creme schmecken bestimmt das ganze Jahr über und nicht nur an einem bestimmten Tag. Hier wäre wahrscheinlich eine sachlichere Aufteilung, vielleicht nach Zutaten oder Geschmack, sinnvoller gewesen.

CupcakePassendes verspieltes Cover, das die Süße vermittelt. Übersichtlich strukturiert. Liebevolle Gestaltung in Bildern und Headline. Sehr klare und leicht lesbare Typo im Rezeptteil. Inspirierende Details. Auch die Idee Cupcakes Hüllen zum Selbermachen finde ich klasse.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

CupcakeDie Wahl fiel dann schließlich –jahreszeitlich bedingt – auf die Lavendelcucpcakes, Weinliebhaberin bedingt auf Rotwein-Schoko-Cupcakes mit Erdbeer-Creme und um noch einen richtigen kleinen Kuchen dabei zu haben, auf die Käsekuchen-Cupcakes.

Lavendel-Cupcakes (Kapitel Hochzeit)
Laut Rezept werden sie mit Blockschokolade zubereitet, eine hochwertigere Schokolade würde meiner Meinung nach zu dieser entzückenden kleinen Sünde sehr viel besser passen. Allerdings hatte dies den Vorteil, dass wir von der Schokomasse, der der zugebene Schmand eine wunderbare Frische verliehen hat, nicht allzu viel genascht haben. Insgesamt auch im gebackenen Zustand eine sehr leckere Angelegenheit! Etwas Sorge bereitete uns zuerst die Lavendelcreme, wir hatten Angst, dass sie nicht fest würde. Im Rezept steht nach der Zubereitung der Creme: „Die Creme direkt mit einem Spritzbeutel … auf die ausgekühlten Cupcakes spritzen“. Allerdings sind die Cupcakes sehr viel schneller abgekühlt, als die Creme in einem spritzfähigen Zustand. Daher sollte der Hinweis nicht fehlen, die Creme möglichst schnell kühl zu stellen, damit die Gelatine besser anzieht und die Creme schön fest wird.

Rotwein-Schoko-Cupcakes (Kapitel Valentinstag)
Da diese meine Lieblingstestobjekte waren, gleich eine Warnung zu Beginn:
Die im Rezept angegebenen Gelatinemengen sind auch in diesem Fall gefühlt immens und doch reichen sie nicht aus, um die Creme standfest zu bekommen, wenn diese nicht einen längeren Aufenthalt im Kühlschrank hinter sich hat- bei mir dauerte der nötige Zwischenstop eine ganze Nacht.
Auch hier wieder eine wunderbar schokoladenleckere Grundmasse. Dieses Mal wurde im Rezept nur „Schokolade“ angegeben, was mich zur Verwendung einer 70 % Bitterschokolade verführt hat. Eine viel bessere Wahl als die Blockschokolade der Lavendelcupcakes! Gebacken haben die kleinen Cakes wie ein Rotweinkuchen geschmeckt, den ich persönlich sehr gerne mag. Nur mit der Creme waren wir nicht glücklich. Einmal aufgrund der o. g. benötigten und doch nicht ausreichenden Gelatinemenge. Und dann passen die in der Creme verwendeten Erdbeeren weder in die Zeit des Valentinstages (Februar) noch passen sie so wirklich zum Rotwein-Schoko-Geschmack. Eine Kirschcreme würde sich hier viel besser machen! Diese Cupcakes wären besser im Kapitel „Geburtstag“ aufgehoben, den kann man zu jeder Jahreszeit feiern und wenn man Glück hat im Juni, wenn die Kirschen reif sind. Trotzdem, einfach aufgrund des tollen schokoladigen „Unterbaues“, mein persönlicher Favorit!

Käsekuchen-Cupcakes (Kapitel Muttertag)
Im Kapitel „Muttertag“ wird aufgefahren. Donauwellen-Cupcakes. Schwarzwälder-Kirsch-Cupcakes. Frankfurter-Kranz-Cupcakes. Mal ehrlich- wer soll die am Muttertag backen? Der Papa und die Kinder? Die werden allein durch die Bilder, die Namen und die Zutatenlisten schon von der Zubereitung dieser Prachtstücke abgeschreckt. Mir hätten in diesem Kapitel einige Cupcakes, die von Kindern für ihre Mama gebacken werden können, besser gefallen. Selbst der getestet Käsekuchen-Cupcake ist relativ einfach in der Zubereitung- macht dann aber sicher Kindern spätestens beim Abbrennen, bzw. Karamellisieren der Haube Kopfzerbrechen.
Auch verstehe ich nicht, warum im gesamten Buch mit Backpulver gearbeitet wird und in diesem Rezept auf einmal Weinstein verlangt wird. Auch wenn Weinstein wie Backpulver verwendet wird, kann es bei ungeübten Bäckerinnen wie mir zu Irritationen führen und der Notwendigkeit „zur Sicherheit“ nochmal jemanden zu fragen, der sich damit auskennt.

Für die im Rezept verwendeten Kekse werden Digestive von McVitie´s vorgeschlagen, einer traditionellen englischen Keksmarke, die in Deutschland aber nicht an jeder Ecke zu kaufen ist. Von mir wurden sie durch den gemeinen deutschen Butterkeks ersetzt, was dem Geschmack sicher keinen Abbruch getan hat. Allerdings verstehe ich diese Rezeptangabe in einem Buch für den deutschen Markt nicht. Geschmeckt haben die Cupcakes wie ein kleiner Käsekuchen- nur um Längen süßer. Wo ein Käsekuchen die Balance zwischen Frische und Süße hält, schlagen diese kleinen Cupcakes mit der Süße voll durch und lassen dabei die Frische auf der Strecke.

CupcakeDie Entscheidung ist mir trotz der großen Rezeptauswahl nicht sehr schwer gefallen.

Frankfurter-Kranz-Cupcakes
Eindeutig mein Favorit. Der Teig ist wunderbar locker und luftig, die Creme nicht zu süß und in Kombination mit dem Haselnußkrokant und der Kirschmarmeladenfüllung das Highlight des Buches. Ein Klassiker der mich sofort an Omas Kuchen erinnert!

Käsekuchen-Cupcakes
Als Käsekuchen-Liebhaberin ist meine Wahl natürlich sofort auf diese „Törtchen“ gefallen. Dank Keksboden, Frischkäse-Schmand-Creme und gebräunter Eiweißhaube nicht ganz der klassische Cupcake wie man ihn kennt – dafür besticht er ebenfalls in Geschmack und Optik.

Whisky-Cupcakes mit Whisky-Creme
Schon fast ein Männer-Cupcake, wobei ich ihn ebenfall sehr lecker finde. Whisky im Teig und Whisky in der Creme – für Freunde beschwipster Backwaren ist dieser Cupcake genau das Richtige. Wobei eine Angabe der Autorinnen zum verwendeten Whisky vielleicht den einen oder anderen Whisky-Schatz vor der Plünderung bewahrt hätte…

CupcakeMarmor-Cupcakes mit Schoko-Karamell-Creme, Cupcakes mit Pinienkernen und Kiwi-Schoko-Creme (hab hier Erdbeermarmelade anstatt Kiwi genommen), Eierlikör-Cupcakes. Alles drei sehr gelungen und gute Geschmacksharmonie.

Wie gefällt Dir die Optik des Buches: Layout, Fotos, Ausstattung?

CupcakeAuf den ersten Blick war ich bei der farblichen Gestaltung des gesamten Buches doch leicht überfordert. Irgendwie hat es mich ganz leicht – besonders das Cover – an diverse Kinderbücher erinnert. Sehr bunt und verspielt, mit viel Schnörkel und Chichi rückt es die doch mit viel Liebe fotografierten Cupcakes etwas in den Hintergrund. Gut gefallen haben mir hingegen das Format und die Verarbeitung des Buches. Außerdem liegt es als Softcover sehr gut in der Hand.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

CupcakeAlle im Buch getesteten Rezepte sind auffallend exakt in ihren Mengenangaben. So exakt, wie man es von Kochbüchern kaum kennt. Pro Rezept hat man eine 12er Muffinform gefüllt und noch einen TL zum Naschen. Nie ist die Masse zu knapp oder zu viel berechnet. Großes Kompliment dafür und fast könnte man glauben, diese Exaktheit hat mit dem Hauptberuf der Autorin zu tun, Katharina Saheicha ist Physikerin.

Wenn man keine begeisterte Cupcakes-Bäckerin ist (überhaupt glaube ich, dass es sich hier um eine deutlich weibliche Backvorliebe handelt) ist der Aufwand für die vielen Perlchen, Herzchen, Kügelchen und Zuckergebäckchen zur Verzierung groß und teuer. Und so wirklich entzückend putzig sehen sie nun mal nur aus, wenn sie aufwändig verziert sind. Ansonsten bleiben es (ketzerisch gesprochen) Muffins mit Unmengen an zuckrigem Hauben-Beiwerk. Überhaupt hatte ich das Gefühl, von Cupcake zu Cupcake die Metamorphose zu einer englischen Hausfrau zu durchlaufen. Uns waren sämtliche Rezepte viel zu süß, was aber nur an unserem ganz subjektiven Geschmacksempfinden liegt und nichts mit der Qualität der aufgeführten Rezepte zu tun hat. Für jemanden, der keine große Backerfahrung mitbringt, eine einfache Möglichkeit, Eindruck zu schinden und als Geschenk eine zuckersüße Sache. Vor allem, wenn man sich für die Verzierungen im Anschluss viel Zeit nimmt.

CupcakeFür jugendliche Backfeen und experimentierfreudige Cupcakes-Liebhaber ist dieses Kochbuch mit Sicherheit ein Highlight, leider treffen aber nicht alle Rezepte meinen Geschmack. Diese sind aber sowohl für Backanfänger mit einfachen Rezepten und gängigen Zutaten als auch für fortgeschrittene Cupcakes-Bäcker(innen) mit einer Vorliebe zu ausgefalleneren Zutaten und aufwendigen Verziehrungen geeignet.

CupcakeEin inspirierendes Büchlein, das ich gerne immer wieder zur Hand nehme um mich zu inspirieren. Klare und gute Rezeptanleitung. Einfach nachzubacken. Gelungen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2011

3 Kommentare

  1. Sylvia Reiter

    Meine erste Koch- bzw. Backbuchrezension auf Valentinas Kochbuch. Vielen Dank dass ich dabei sein durfte, es hat riesigen Spaß gemacht!

  2. Juliane

    Wieder ein sehr interessanter Kochbuchtest! Mich konnte das Cupcake-Fieber auch noch nicht so richtig packen (alles so pink und süß und cremig), aber die Frankfurter Kranz Cupcakes sprechen mich auch an!
    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

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