Backbuch von Katharina Mayer: Von Oma mit Liebe

Backbuch von Katharina Mayer: Von Oma mit Liebe ★★★★☆

Von Oma mit Liebe – Die 96 besten
Kuchentratsch-Rezepte
Katharina Mayer
Fotos: Mathias Neubauer
Gräfe und Unzer Verlag (2019)
Mehr über den Verlag

Christiane Schwert

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Das Backbuch „Von Oma mit Liebe“ ist nicht einfach nur eine Rezeptsammlung, es ist ein ursympathisches Projekt! Sofort fühle auch ich mich an den Streuselkuchen meiner Oma erinnert, der, wie ich meine, unübertroffen schmeckte!

Für Katharina Mayer ist es der Marmorkuchen ihrer Oma Astrid, der für sie ein Stück Kindheitsglück bedeutet. Nach einer Studienzeit im Ausland kommt die junge Frau mit der Idee nach München zurück, sich irgendwie gesellschaftlich zu engagieren. Und da inspiriert sie besagter großmütterlicher Marmorkuchen – ein ebensolcher ziert übrigens auch das Titelbild – zur durchschlagenden Idee für ein soziales Start-up: Kuchentratsch.

Mit dem Eintritt in die Rente fällt nicht nur die Arbeit weg, sondern auch die damit verbundenen sozialen Kontakte. Bei Kuchentratsch backen mittlerweile an die 50 Omas und Opas und haben so beides, Gesellschaft und Betätigung. Und ein Team von Mitarbeitern unterstützt Katharinas Idee – allesamt eine dufte Truppe, glaubt man dem großen Gruppenfoto am Buchende. Erfolgreich außerdem: Die Kuchen werden deutschlandweit verschickt. (Foto links: Oma Irmgard mit Autorin Katharina Mayer)

Sehr gelungen ist, dass einige BäckerInnen mit kurzen Interviews näher vorgestellt werden. Was für tolle Persönlichkeiten. Das ist herzerwärmend, wenn der fast 80-jährige Opa Günter sagt: „Es gibt kein Älterwerden, sondern nur verschiedene Lebensphasen.“ Oder wenn Oma Irmgard eine gute Prise Humor als essenziell für eine gute Beziehung sieht.

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Traditionell und innovativ

Doch nun zu den Rezepten. Es sind 96 an der Zahl, unterteilt in Kategorien wie: Kleine Leckerbissen, Lieblingskuchen für jeden Tag, Torten für jeden Anlass oder Trendig & Aus aller Welt. Und da ist einiges dabei, was bei mir sofort süße Kindheitserinnerungen weckt: Nussecken waren bei uns zu Hause ein Alltime-Klassiker, auch Amerikaner (wenn auch nicht mit der hier verwendeten Matcha-Glasur mit Pistazien). Windbeutel gab es für überraschenden Besuch, und natürlich kalten Hund zu Kindergeburtstagen. Und den Haselnusskuchen mit Kaffeeguss gab es original so immer bei meiner Tante, na und Rotweinkuchen verspeist eine andere Tante noch heute jeden Sonntag zum Frühstück.

Backbuch von Katharina Mayer: Von Oma mit Liebe

Aber ich bin auch ganz schön erstaunt über den innovativen Charakter der älteren Damen und Herren, da serviert Opa Günter (mit fast 80) dann schon mal eine Schokotorte mit flüssigem Kern oder Oma Milena eine fancy Regenbogentorte.

Da mich das Buch in der kalten Jahreszeit erreicht, bin ich etwas eingeschränkt in der Rezeptauswahl. Gar zu sehr lachen mich die Backwaren an, die frisches Obst bzw. Beeren benötigen. Doch die Kuchen und Torten sehen ja eigentlich alle zum Reinbeißen aus – zeitgemäß und professionell fotografisch in Szene gesetzt sowieso. Ich starte dann mit den Nussecken und bin total begeistert. Die gelingen richtig gut. Wie vom Konditor, sagen die Kolleginnen. Einzig bei der Größe des ausgerollten Teigs musste ich kurz überlegen (mehr beim Rezept). Die folgenden Rohrnudeln könnten nach meinem Dafürhalten „flaumiger“ sein. Ohne die von mir dazu gereichte Vanillesauce wären sie beinahe etwas trocken, finde ich.

Erinnerungen vs. Geschmack

Das Buch geht – so ist es bei mir zumindest – in eine schwere Konkurrenz mit den idealisierten Kuchen-Kindheitserinnerungen. Denn zumindest bei den klassischen Kuchenrezepten habe ich eine genaue Vorstellung, wie sie schmecken „sollten“. Manche tun das, andere nicht ganz. Löst man sich aber von dieser Erwartungshaltung, dann gewinnt der Gedanke wieder Raum, dass durch das Buch auch ein Stück Backwissen und Backtradition von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird.

Das Backbuch „Von Oma mit Liebe“ dokumentiert einerseits ein Generationen-Projekt mit Herzenswärme, das Vorbildcharakter hat und das hoffentlich viele Nachahmer findet. Andererseits bedient es eine beeindruckende Breite an Lust machenden und gelingsicheren Kuchenrezepten von klassisch bis trendig.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2021

5 Kommentare

  1. Ute

    Liebe Katharina, jetzt schicke ich Dir noch ein paar Links von dem Blog, die auch zu meinen Lieblingsgerichten zählen:
    Das sind aber eher Sommerrezepte:
    Kleine Pizze aus Auberginen: https://www.chiarapassion.com/2017/07/melanzane-al-forno.html
    Röllchen mit Zucchini und Thunfisch: https://www.chiarapassion.com/2016/05/involtini-di-zucchine-e-tonno.html
    Superlecker, aber sehr viel Arbeit.
    Thunfischklößchen: https://www.chiarapassion.com/2020/05/polpette-di-tonno.html
    Letzten Samstag ausprobiert, wird es öfter geben.
    Schwarzer Reis mit Lachs und Apfel: https://www.chiarapassion.com/2020/09/riso-venere-con-salmone-e-mela.html
    Herzlich, Ute

  2. Ute

    Liebe Katharina, ich finde den Blog von Chiarapassion ganz toll, nicht nur wegen der Backsachen, sondern auch wegen der anderen Rezepte, die ja oft „sciuè sciuè“ gehen sollen, also ganz fix. Aber die Zeitangaben stimmen bei ihr oft nicht.
    Die Kuchendekos finde ich oft auch ganz schön, aber ich mag eher die einfachen Sachen.
    Ein Dauerbrenner ist bei mir der einfache Erdbeerkuchen: https://www.chiarapassion.com/2017/04/torta-semplice-alle-fragole.html
    Von den salzigen Kuchen der Plumcake mit Erbsen und Schinken: https://www.dolcidee.it/ricette/blogger/plumcake-con-prosciutto-e-piselli und der mit https://www.chiarapassion.com/2016/03/plumcake-con-spinaci-e-ceci.html
    Und die Apfelkekse sind auch einfach und super: https://www.chiarapassion.com/2018/11/biscotti-alle-mele.html
    Da ich diese Rezepte für Freunde und Familie bereits übersetzt habe, schicke ich Dir die Übersetzungen per Mail
    Herzliche Grüße, Ute

  3. Ute

    Das Oma-Projekt klingt sehr gut, und die Rezepte funktionieren bestimmt alle sehr gut, weil bei GU die Back-Rezepte immer sehr gut getestet werden.
    Das Backdossier gefällt mir besonders gut, weil es mir wie Katharina geht: Ich finde auch, dass zum Sonntag unbedingt ein selbstgebackener Kuchen gehört. In meiner Kindheit hat den immer meine Oma gebacken, die eine Wohnung bei uns im Haus hatte.
    Mein erstes Backbuch war „Backvergnügen wie noch nie“, das ich jahrelang benutzt habe. Im letzten Jahr habe ich Einiges aus Ottolenghis „Sweet“ nachgebacken, und immer wieder von Chiara Passions Blog: https://www.chiarapassion.com/
    Eines meiner Lieblingsrezepte von Valentinas ist der Orangenkuchen von Yvette van Boven. Sehr lecker, aber man muss dran denken, dass die Orangen eine Stunde vorher kochen müssen. Das habe ich heute verpasst.
    Einen schönen Sonntag mit hoffentlich leckerem Kuchen wünscht Ute

    • Katharina

      Liebe Ute, dank dir herzlichst für die Zeilen und was für ein spannender Link: Hast Du einen besonderen Favoriten auf Chiarapassion? Den würde ich sehr gerne probieren, trotz meiner rudimentären Italienisch-Kenntnissen. Herzlichst Katharina

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