Backbuch von Kate Doran: Homemade Memories

Backbuch von Kate Doran: Homemade Memories ★★★★★

Homemade Memories –
Childhood Treats with a Twist
Kate Doran
Fotos Helen Cathcart
Orion Publishing (2015)

Katja Böttger

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Ein Titel, der eine kulinarische Zeitreise in die Kindheit verspricht, verführerisch illustriert mit einer Liaison von Schoko, Orange und Bisquit… Aber sind Erinnerungen nicht höchst subjektiv, an die Kindheit allemal? Oder gelingt es der Autorin, mit ihren Rezepten und Gedanken unser kollektives Gedächtnis anzusprechen – oder gar zu bereichern?

Die „Jaffa-Cakes“ auf dem Cover deuten es an – hier geht es um süße Sünden, die ich nicht mit dem Prädikat „Hausgemacht“ in Verbindung gebracht hätte. Milky Way, Magnum, Vienetta, After Eight, Rolo – Kate Doran liebt es, solche Dinge nachzubasteln, wie sie auch auf ihrem Blog „The Little Loaf“ bewiesen hat. Meine Neugierde ist geweckt, aber auch eine kleine Prise Skepsis – „Schmeckt wie gekauft“ ist schließlich nicht immer das Schillerndste aller Komplimente.

Glücklicherweise reicht auch Kate Dorans Ehrgeiz weit über das pure „Klonen“ fabrikgefertigter 08/15-Produkte hinaus. Fast 100 Rezepte schlängeln sich einmal kreuz und quer durch das Schlaraffenland. In sieben Kapiteln von „Crumbs“ und „Sticky Fingers“ über „Cakes“, „What’s the Pudding“ und „The Icecream Van“ bis „Midnight Feasts“ und „Drinks“ gibt es Kuchen, Kekse, Cupcakes, Brownies, Popcorn, Donuts, Müsliriegel, Pudding, Desserts, Schokoriegel, Eis an Stiel und vieles mehr, wundervoll verführerisch fotografiert von Helen Cathcart.

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Hausgemacht vs Tri Top …

Was die Kindheitserinnerungen betrifft, so haben Kate Doran (links) und ich wohl nur eine geringe Schnittmenge. Dies mag an der ausgesprochen britischen Prägung ihrer Rezepte liegen, aber sicherlich auch am unterschiedlichen persönlichen Erfahrungshorizont. Shortbread, Kakao mit Marshmallows – solche Dinge waren schlicht unbekannt, und ich kann mich auch nicht erinnern, dass meine Großmutter ihre Enkelinnen je mit hausgemachte Zitronenlimo beglückt hätte (dafür hatte sie immer eine Flasche „Tri Top“ im Kühlschrank – meine Oma war eine pragmatische Frau und fand es ungeheuer praktisch, dass man solche Dinge ganz einfach im Laden kaufen konnte).

Umso interessanter und witziger sind die kleinen Anekdoten, die ihre Rezepte begleiten. Völlig zu Unrecht hatte ich mich vor Klischees von Großmutters karierter Küchenschürze und dem Duft von Apfelkuchen gefürchtet. Statt dessen lerne ich so seltsame britische Bräuche wie den, Mini Marshmallow Teacakes – Marshmallows mit Schokoüberzug – vor dem Genuss an die Stirn zu hauen, um die Schokolade zu zersplittern…. nun ja, ich werde es in Erwägung ziehen…

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Die freieren Schöpfungen – ein Genuss

Aber nun geht es endlich auf die Teststrecke. Einmal „Milky Way“ nehme ich mit, bin aber vom Ergebnis nicht sehr angetan und schwenke lieber auf die freieren Schöpfungen um, die sich nicht so sehr an ihren industriellen Vorbildern orientieren. Und ab hier wird es großartig. Gerade die vielen „little twists“, die Ausflüge in eher „erwachsene“ Aromenwelten von geschmacklich üppigeren Zuckersorten wie Treacle und Muscovado, von Kräutern, exotischen Gewürznoten und auch Alkohol entpuppen sich als unsere Highlights, und davon gibt es viele.

Ausrüstungsmäßig kam ich mit meinen Gerätschaften aus, auch wenn ich bei den Formen und Förmchen ein bisschen improvisieren musste. Die Zubereitungsschritte sind klar strukturiert, ein paar winzige Holperschwellen gut zu überwinden, auch von mir, die beim Backen nicht allzu sattelfest ist.

Mit Weizen, Eier und Zucker …

Bei den Zutaten sei allerdings eine Warnung angebracht: Kate Doran backt und bastelt „Old-School“ – mit Butter, Weizenmehl, Zucker, Schoko, Milch, Eiern, Sahne und auch Alkohol, und dies alles in nicht gerade zimperlichen Dosierungen. Keine der derzeit angesagten „Frei-von“-Esstrends kommt hier auf seine Kosten – paradiesische Zustände für altmodische Allround-Genießer. Sofern man es mit den Portionsgrößen nicht übertreibt…

Dieses herrliche Buch ist eine Schatztruhe, randvoll gefüllt mit köstlichen Rezepten, die auch auf kompliziertem Terrain sicheres Geleit bieten. Fast retromäßig mag vielleicht anmuten, dass die Autorin sich ohne Rücksicht auf moderne Trends entlang der klassischen Backzutaten bewegt und auch nichts auslässt. Gerade die Rezepte, bei denen sie das kulinarische Terrain „Kindheit“ verlässt, sind jedoch absolut aktuell. Und wer weiß – vielleicht haben einige das Zeug zum zeitlosen Klassiker.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2015

2 Kommentare

  1. Katja

    Oh wie nett, danke!!

  2. Ulla

    Mal wieder eine tolle Rezension über ein Buch, das einem sonst vermutlich durch die Lappen gegangen wäre. Ich bin auch schwer beeindruckt von der Vielzahl an Rezepten die ausprobiert wurden incl. der Tipps zum Selber- und Bessermachen.
    Danke!
    Ulla

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