Backbuch von Karin Messerli: Eischnee & Zitronensaft

Backbuch von Karin Messerli: Eischnee & Zitronensaft ★★★★★

Eischnee & Zitronensaft von Karin Messerli
Fotos Hansruedi Rohrer, Werd Verlag (2010)

Katharina Höhnk

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Autorin Karin Messerli und Fotograf Hansruedi Rohrer sind für das Backbuch Eischnee & Zitronensaft ein Dreamteam. Ihre Rezepte bebildert mit seinen Fotos reihen sich zwischen den Buchdeckeln wie kostbare Perlen aneinander: jede für sich ist schon gelungen, aber zusammen sind sie einmalig.

Die Wände unserer Wohnung sind weiß geblieben, kein Bild oder Plakat hübscht sie auf. Bisher hatte mich nichts verführt, den Zustand zu ändern. Erst als ich das Backbuch Eischnee & Zitronensaft in den Händen hielt, traf mich der Wunsch: Sollte ich mir noch ein Exemplar kaufen, das Buch von seiner Bindung befreien und meine Küche zu einer privaten Galerie für den Züricher Fotografen Hansruedi Rohrer machen? Mein „Bestellfinger“ zuckte!

Eischnee & Zitronensaft ist ein Backbuch, bei dem alles zusammen passt. Karin Messerli hat mit ihren 50 Rezepten für feines Gebäck ein einmalig verführerisches Ausrufezeichen für die optische Übersetzung vorgelegt. Ihre Guetsli (Schweizer Ausdruck für Keks) sind in vielen Länderbackstuben beheimatet. Internationale Klassiker und regionale Spezialitäten. Besonders gefallen mir die unbekannteren Guetsli aus der Schweiz und dann noch die dekadenten französischen, aber auch die englischen – ach, einfach alle. Die Autorin ordnet sie in Kapitel, die sich am Aroma und an der Konsistenz orientieren: „von weich bis zart krokant“, „von luftig bis buttrig-karamellisiert“, „von zartschmelzend-luftig bis würzig-hart“ und „von buttrig-salzig bis mürb-säuerlich“. Einige der verlockenden Beispiele: Duchesses, Schoggi-S, Pistazien-Tuiles, Mexikanische Gewürzguetsli, Zuckermuscheln und Wiener Waffeln…

So stilsicher!

Die eleganten Fotos von Hansruedi Rohrer kommen mit vornehmen Kontrasten hinsichtlich Farben und Materialien daher. Dabei liegen die süßen Objekte wie zufällig im Fokus der Linse, gestapelt, nebeneinander, aufeinander – fern von barocker Inszenierung. In meinen Augen so stilvoll, dass das etwas sachlich und akzentuierte Layout von Tania da Silva genau der schmeichelnde Kontrast ist: es betont die Wirkung, aber strapaziert sie nicht über. Auch sonst lässt ihre Seitengestaltung keine Wünsche übrig: übersichtlich und eindeutig. Zwar hätte die Schrift etwas größer ausfallen können, aber dann wäre wohl bei einigen Rezepten eine zweite Seite für die Beschreibung hinzugekommen, was zu mehr Blätterei gefügt hätte. Kluge Entscheidung.

So viel Vorschusslorbeeren! Zu meiner Freude: Die Rezepte hielten, was sie versprachen. Einige sind in mein Forever-Repertoire eingegangen und ganz sicher, meine Versuche im Hinblick auf Katrin Messerlis Guetsli sind nicht beendet. Ich finde die Auswahl von einfachen bis kapriziösen Keksen sehr ausgewogen. Stimmig für die Praxis ist, dass die Autorin die Mengen für den Hausgebrauch reduzierte. (Wenn sie himmlisch gut sind, ist es allerdings immer zu wenig.) Keiner muss hier Sorgen haben, einen Vorrat für 14 Tage zu produzieren. Karin Messerlis Vorschläge für Varianten sind übrigens eine inspirierende Fundgrube, manchmal überraschend, dann raffiniert und köstlich.

Beim Nachbacken wurde für mich deutlich: Für manche Rezepte, die durch die Kürze der Beschreibungen einfach erscheinen, ist handwerkliches Geschick erforderlich. Die Autorin setzt hier den Mut voraus, dass ihre Leser sich mitunter neues Können aneignen (und sich bitte immer genau an das Rezept halten). Bei den zweiten Versuchen ging es mir dann leichter von der Hand, stellte ich fest. Der Trost: Wenn das Ergebnis ästhetisch nicht ganz so hübsch ausfällt, dem Geschmack ist das schnuppe.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2010

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