Backbuch von Julie Jones: Einfach schön backen

Backbuch von Julie Jones: Einfach schön backen ★★★★☆

Einfach schön backen – Weil Kuchen glücklich macht
Julie Jones
Fotos: Lisa Linder
Dorling Kindersley Verlag (2018)
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Heike Pethe

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Wer kennt sie nicht, die Klassiker der englischen Backkunst: Apple Pie, Carrot Cake, Hot Cross Buns, Muffins, Bread-and-Butter-Pudding, die mit der Ausbreitung der Coffee Shops den europäischen Kontinent erobern. Vermutlich besitzen Sie wie ich Backbücher zum Thema, die sich in den letzten Jahrzehnten im Bücherschrank angesammelt haben. Doch geht es Ihnen auch so? Wenn ich eines empfehlen sollte, das besonders gut englisches Gebäck vorstellt, fällt es mir nicht leicht. Jetzt hat sich das geändert.

Das Backbuch ist mit einer herzwärmenden Geschichte unterlegt: Nachdem die Mutter von Julie Jones dement wurde, begann die Autorin gemeinsam mit ihr traditionelle Kuchenrezepte zuzubereiten. Für beide war es ein vergnügliches Unterfangen, das sie zueinander brachte. Ihre Mutter bereitete ohne Nachzudenken die leckeren Köstlichkeiten aus der Vergangenheit zu – trotz Krankheit – und für Julie Jones erschloss sich der Weg des traditionellen Backens. Hervorragende Zutaten, kein schlechtes Diätgewissen, Zeit für die Zubereitung und Liebe fürs Detail lernte Julie Jones schätzen.

Auch nach dem Tod der Mutter führte Julie Jones (Foto links) diesen Weg fort. Sie entspannte sich vom Stress des Tages mit den nächtlichen Backsessions und gedachte ihrer Mutter so. Diese Berufung beschreibt der englische Titel des Buches „Soulful Baker“.

Auffällig ist die Liebe der Autorin zum Detail. Das zeigt sich nicht nur in den Backrezepten, die gelingen und exakt mit richtiger Temperatur, Gewichts- und Zeitangabe beschreiben, was zu tun ist. Es ist die Dekoration. Noch nie sah ich so schön hergerichtete und mit Fantasie und Können verzierte Apple Pie. Da wird nicht nur die Festtagstorte zum Hingucker. Für festliche Anlässe bietet das Buch zahlreiche Inspirationen, wie man bekannte und „einfache“ Rezepte mit Erfolg verzaubert.

Und noch ein Rezept …

Für den Leser stellt dies ein großes Glück dar. Neben den englischen Klassikern finden sich auch Bekannte der europäischen Backkunst, wie eine außerordentlich raffinierte Zitronentarte mit Limoncello-Erdbeeren, die es mit meinen Pariser und Wiener Lieblingsbäckereien aufnimmt. Unerwartet für ein englisches Backbuch fügt Jones neben den zu erwartenden Rühr- und Mürbeteigrezepten ein Kapitel mit Hefeteiggebäck ein. Sie stellt uns u. a. saftig-aromatische schwedische Zimtschnecken und ein Brot mit Nuss-Nougat-Twist vor, das jeden Kindergeburtstag zu einem gelungenen Ereignis macht.

Needless to say – die sechs Kapitel haben Suchtcharakter. Beim Durchblättern des Buches ertappe ich mich mit dem Gedanken: Oh, wie schön, welche fantastische Auswahl hat Jones getroffen: Salzkaramell-Schokoladen-Tarte, Crumble, Crumpets, Financiers. Wie gut gelingt es ihr, Tradition mit Inspiration zu verbinden. Meine Freunde bemerkten die Qualität des Buches schnell und umkreisten mich in den vergangenen Wochen in der Hoffnung, ein Stück des nächsten Backwerkes zu erhaschen.

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Eine kleine Herausforderung ist – wie oft bei fremdsprachigen Koch- und insbesondere Backbüchern – die Wahl der Backformen. Jones gibt 23 cm Durchmesser als Standard vor und nicht die in Deutschland üblich 26-cm-Form. Als ich die Zitronentarte zubereitete, konnte ich die angegebenen Masse der Zitronencreme in der neu gekauften Form aber nicht unterbringen. Für den Carrot Cake werden zwei runde Formen à 16 cm Durchmesser verlangt, die habe ich nicht. Nach einiger Rumrechnerei habe ich den Teig in einer quadratischen 20-cm-Form gebacken, anschließend in der Mitte geteilt und übereinander gestellt. Das hat prima geklappt. Nur gut, dass man bei der Rhabarber-Mandel-Galette freihändig arbeiten kann, hier klappte dann auch alles auf Anhieb.

Jones stellt uns ein gut erklärtes und funktionierendes englisches Backbuch mit einfachen, zugleich raffinierten Rezepten für Anfänger und Fortgeschrittene vor. Die Geschichte ist herzwärmend, die Bilder wunderschön. Aber es überzeugte auch in der Praxis mit geschmacklicher Qualität und handwerklicher Präzision. Nur die Wahl oder der Vorrat der richtigen Backform hakte bei mir.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2019

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