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Katharina Höhnk

Backbuch von Judith Erdin: Dein bestes Brot ★★★★★

Dein bestes Brot – Backen wie ein Profi, Judith Erdin, Fotos: Markus Muoth & Judith Erdin, AT Verlag (2021)

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Christiane Schwert

Von

Der Trend zum Selbermachen ist ungebrochen. Dazu gehört vieles vom Einmachen bis zum Joghurt. Sein eigenes Brot zu backen bildet inzwischen den Lead der Entwicklung – ob aus Verzweiflung der wenigen guten Bäcker wegen oder aus Gründen der Selbstermächtigung in unsicheren Zeiten. Kein Wunder, kaum ein anderes Lebensmittel verkörpert so den Inbegriff von Nahrung. Auch ich bin bekennender Brot-Fan. Und will gern Judith Erdins titelgebendes Versprechen, wie ein Profi Brot backen zu können, einlösen.

Backbuchautorin Judith Erdin
Backbuchautorin Judith Erdin

Die Schweizer Autorin ist vom Fach. Die gelernte Bäckerin-Konditorin konnte jedoch nach der Ausbildung den Beruf nicht ausüben und machte daher eine Zweitausbildung zur Polygrafin. Doch die Liebe zum Backwerk ließ Judith Erdin nicht los. Und seit 2016 verbindet sie die beiden Leidenschaften nun in ihrem Blog streusel.ch. Ihr Ansatz ist, das Wissen aus dem Profibereich auf das Homebaking herunterzubrechen, aber dennoch beste Ergebnisse zu erzielen.

Durchdacht!

Dem Buch liegt ein sehr praktisches – und durchdachtes – Konzept zugrunde: Es gibt 14 Grundteig-Rezepte (Baguette-, Tessinerbrot-, Focaccia-, Kreuzbrot-, Ruchbrot-, Wurzelbrot-, Vollkornbrot-, Huusbrot-, Roggenmischbrot-, Dinkelvollkorn-, Laugenbrötchen-, Sonntagszopf-, Weggli-, Einback-Grundteig), aus denen dann jeweils drei unterschiedliche Brote bzw. Brötchen gebacken werden können. So lassen sich aus dem Baguette-Grundteig bspw. Wildes Baguette, Knusperbrötchen und Fougasse zaubern. So eine gute Idee!

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website & Instagram der Autorin

Mehr Brot-Backbücher bei Valentinas

Doch bevor es losgeht, gibt mir Frau Erdin noch das nötige theoretische Rüstzeug an die Hand: zu Backwerkzeug (erst mal nur die Grundausrüstung), Zutaten (am besten in Bioqualität), Kneten, Teiggare, Formen, Backen und Aufbewahrung (mit der Schnittfläche auf einem Holzbrett). Die Rezepte setzen alle auf die im Gegensatz zu Sauerteig etwas unkompliziertere Frischhefe als Triebmittel. Jedoch werden eher kleine Hefemengen verwendet und lange Gehzeiten angesetzt.

Judith Erdin zeichnet nicht nur für die Rezeptentwicklung verantwortlich, sondern auch für die grafische Gestaltung, Satz, Bildbearbeitung und die Illustrationen des gelungenen Buchs. Hut ab für diese enorme Gesamtleistung! Gekonnt fotografisch in Szene gesetzt wurden die Backwerke und Judith Erdin von ihrem Lebensgefährten Markus Muoth. Dabei sind sehr schöne und persönliche Porträtaufnahmen der Bäckerin entstanden.

Backbuch von Judith Erdin: Dein bestes Brot
Backbuch von Judith Erdin: Dein bestes Brot

Die Backwaren selbst werden reizvoll, aber schlicht und ohne viel Chichi präsentiert. Da hätten sie ruhig noch etwas mutiger sein können. Wirklich hilfreich fand ich die vielen Step-by-Step-Fotos für die etwas schwieriger zu formenden Brote oder Brötchen (wie formt man noch mal eine Brezel …?).

Da kommt Backfreude auf

Ich wollte sofort ganz viel backen, so verlockend ist alles, und was die Zutaten angeht: auch gut machbar. Judith Erdin verwendet häufig Weizenmehl Typ 400, da passt das deutsche 405er, manchmal habe ich 550er genommen. Das hat auch geklappt. Einzig Malzextrakt habe ich online bestellt, das braucht man aber nicht so häufig oder kann es weglassen.

Tatsächlich funktionieren die Rezepte ziemlich gut. Gleich die Schokolade-Weggen rufen uneingeschränkte Begeisterung hervor: Sie sind herrlich soft, dabei nicht zu süß und mit goldigem Glanz. Tatsächlich wie vom Profi! Oder die Fougasse, ein Gebäck, welches ich bisher eher aus der Ferne bewundert habe, gelingt dank detaillierter, unkomplizierter Anleitung auf Anhieb!

Judith Erdin:

„Hast du dich auch schon gefragt, warum dein selbst gebackenes Brot nicht so wird wie das vom Lieblingsbäcker? Falls ja, dann geht es dir wie mir vor einigen Jahren. Ich testete dann unterschiedliche Backmethoden, suchte einfache Tricks, um den heimischen Ofen optimal zu nutzen, und feilte immer und immer wieder an meinen Rezepturen. So lange, bis ich mit meinem selbst gebackenen Brot endlich zufrieden war.“

Von Rezept zu Rezept gewinne ich mehr Zutrauen. Die Rezepte sind wirklich erprobt und – so weit ich sie gebacken habe – gelingsicher. An Brezeln habe ich mich nie so richtig rangetraut. Aber sie werden mit der hausgemachten Natronlauge super. Auch die Beladung des Ofens managt Frau Erdin: Bei kleineren Teilchen, wenn zwei Bleche nötig sind, erklärt sie genau, ab welcher Minute die Bleche ihre Plätze tauschen müssen. Und das funktioniert! Auch toll, wie die Brötchen dank der Eistreiche golden glänzen, oder ihr Tipp, dass durch das Besprühen mit Wasser nach dem Backen die Gebäckoberfläche glänzt.

„Dein bestes Brot“ ist ein Backbuch, das Spaß und Laune macht und das ich auch im Alltag gewiss immer wieder zur Hand nehmen werde. Mit Rezepten, die gelingsicher, aber nicht banal sind. Judith Erdin erlebe ich dabei als sehr verlässliche und gewissenhafte Kochbuchautorin, die zwar das Rad nicht neu erfindet, aber klassische Backwaren für die heimische Backstube köstlich nachbackbar macht.

Veröffentlicht im Dezember 2021

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