Backbuch von Janneke Philippi: Lieblingsdesserts

Backbuch von Janneke Philippi: Lieblingsdesserts ★★★☆☆

Lieblingsdesserts
Janneke Philippi
Fotos Serge Philippi
Matthaes Verlag (2014)

Sylvia Peters

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Charlotte ist wunderschön. Selbstbewusst und aufrecht steht sie da, mit einer rosa Schleife um die süße Taille und einem Hütchen aus Himbeeren und Brombeeren. In die appetitliche Waldbeeren-Charlotte verliebt man sich sofort und schwupps, liegt der knapp 250 Seiten starke Band mit Lieblingsdesserts von Janneke Philippi auf dem Küchentisch.

Beim ersten Durchblättern sehe ich nur Schönheit(en), schokoladige Desserts, wellenartigen Weinschaum, herzige Kekse, saftige kleine Streuselkuchen, sahniges Eis und gegrillte Früchte. Da sollte keine Langeweile aufkommen. Die Fotos sind umwerfend bis grandios, auch wenn die Hintergründe von so vielen Kochbüchern sich überraschend ähneln. Alle diese Silberlöffelchen und Backpapiere, unbearbeitet Holztische und kullernde Beeren, der Puderzucker und die samtigen, pastelligen Farben wie mintgrün und die schönen Steinfarben in allen Grauabstufungen. Ich kann mich nicht sattsehen und der Band führt seit einigen Wochen bei mir eine Art table-book-Leben.

backbuch-janneke-philippi-lieblingsdesserts-inside-valentinas

Recht bald stolpere ich aber über mehrere irritierende Dinge technischer Art, als da sind Inhaltsverzeichnis, Register und Genauigkeit in Maßangaben. Der Inhalt (Hintergrund mintfarben, Silberlöffelchen, Kullerbeere mit grün dran, so schön!) gliedert sich in Rhabarber, Schokolade, Crème Brulée, Kaffee, Altbackenes Brot, Teig, Kuchen, Tiramisu, Joghurt & Quark, Kräuter, Desserts mit Gemüse, Pudding, Braten & Grillen, Parfait & Halbgefrorenes, Crumble & Streusel, Windbeutel, Eis, Reisdesserts.

Die Logik des Ganzen erschließt sich mir nicht. Mal ist die Hauptzutat gemeint, mal das Endprodukt, mal die Zubereitungsart, mal die Varianten. Das an sich stellt aber keine große Hürde dar. Nicht nachvollziehbar ist aber beispielsweise, dass das Mango-Eis unter der Rubrik “Joghurt & Quark” zu finden ist, statt unter “Eis”. Unter der Rubrik “Pudding” findet sich sowohl der hier üblicherweise bezeichnete solche, als auch die englische Variante, die eher mit einem Rührkuchen vergleichbar ist. In einem der Tiramisu-Rezepte lese ich erstaunt, dass man 150 Löffelbiskuits benutzen soll – alles keine große Sache, es fehlt nur das kleine “g” für Gramm. Zu Quark gibt es keine Fettstufenangaben (Magerquark, 20 %, 40 % ?), auch kein wirklich großes Problem. Beim Waldbeerencrumble mit Rosmarin fehlt in der Zubereitungsanleitung der Rosmarin, dafür gibt es eine Prise Salz, die nun wiederum bei den Zutaten fehlt. Und wieder in einem anderen Rezept ist von 1 Zitrone die Rede, in der Zubereitung wird von Zitronen im Plural gesprochen. Das mag lächerlich sein, aber andere Backbücher sind da viel genauer – und gerade beim Backen können ein paar Gramm (etwa beim Eiweiß für Macarons oder ähnlich sensible Süßigkeiten) von entscheidender Bedeutung sein.

autorenfoto-janneke-philippi-valentinas

Ich habe aber auf Anhieb eine Menge leckere Sachen gefunden, bei denen ich sofort Lust hatte, mit hochgekrempelten Ärmeln loszulegen. Von Rosmarintrüffeln über karamelligen Cheesecake, Kirschen-Crostata, Tiramisu in Varianten, verschiedene Eis und Parfaits und Kekse. Das Kapitel zum Thema altbackenes Brot als Dessert hat mich eher abgeschreckt – Auflauf mit 1 Tag altem Pain au chocolat oder Orangenbrotauflauf mit Vanillestreuseln mit altbackenen Hefebrötchen. Aber das Verbraucherministerium wird’s freuen. Aber das Rezept gibt hier “Pistolets” an, eine belgische und niederländische Hefebrötchen-Sorte, die man hier sowieso nicht bekommt. Erstaunt hat mich, dass sich Autorin Janneke Philippi (links ein Foto von ihr), wie sie selbst sagt, zu dem meistgebackenen Kuchen der Familie durch das Buch von Pellegrino Artusi “Wissenschaft des Kochens und die Kunst des Genießens” inspirieren ließ. Das klingt nach großem Kino. Aber dann ist es ein einfacher Mürbeteig mit Kirschmarmelade, der als Tarte, Crostata usw. in zahlreichen Varianten und in vielen Ländern bekannt ist. Nichts gegen das Rezept, es ist simpel und immer lecker, aber zu was hat das Rezept die Autorin inspiriert? Sie mixt dem Teig kein Quäntchen Kardamom oder Zimt oder Meersalz oder irgendwas Innovatives bei, sondern belässt es bei Butter, Zucker, Mehl, Ei, Prise Salz. Vielleicht ist einfach das Wort Inspiration zu hoch gegriffen.

Viel Freude hatten wir mit Keksen, einer schönen Himbeertarte, dem Karamell-Cheesecake und den Trüffelchen, einige Pech-gehabt-Rezepte waren auch dabei. Schade, dass sich der Liebe zur Optik die Punkte Exaktheit und Nachvollziehbarkeit unterordnen mussten. Ein bisschen mehr Detailfreude, wozu vielleicht auch gehört, zu erklären, was ein “Roombotercake” (den man für die Haselnuss-Eistorte benötigt) ist, wäre so schön, wie es die liebliche Charlotte (außen Biskuit, innen sahnige Creme) auf dem Titelbild ist.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2015

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z