Backbuch von Jane Hornby: What to Bake and How to Bake It

Backbuch von Jane Hornby: What to Bake and How to Bake It ★★★★★

What to Bake and How to Bake It
Jane Hornby
Fotos Liz und Max Haarala Hamilton
Phaidon Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Patricia Rahemipour

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Mit diesem Band setzt Hornby eine weitere Marke für Einsteiger und Fortgeschrittene, die auf der Suche nach alltagstauglichen aber auch dem einem oder anderen besonderen Backrezept sind. Nicht nur schön anzusehen, sondern auch inhaltlich ein Buch, das in jede Küche gehört.

Das mit dem Backen ist so eine Sache. Eine, die man sich vornehmen muss, die sich nicht so leicht einfügt. In meinen Tagesablauf jedenfalls. Es braucht einen Anlass und meist braucht es auch noch einen zusätzlichen Einkauf. Das sind sicher Kleinigkeiten, aber sie können im eng getakteten Alltag eines Arbeitstages schon mal zu unüberwindlichen Hürden werden.

Eine Autorin und ein Konzept, die den Unterschied machen

So muss ich mir das Backen vornehmen. Kein Ding. Zum Glück schreibe ich ja Rezensionen. Also habe ich beherzt zu einem Backbuch gegriffen. Denn gefühlt war das mal wieder dran und „wenn schon, denn schon“ soll es dann auch ein Klassiker sein.

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Jane Hornby (links ein Foto der Autorin) hat sich einen ganz eigenen Platz unter den Kochbuchautoren erarbeitet. Ihre bisher erschienenen Bücher, „What to Cook and How to Cook It“ und „What to Cook and How to Cook It: Fresh & Easy“, sind bei uns echte Klassiker. Mit ihrem neuen Werk hat sie eine Idee perfektioniert, die bereits in ihren älteren Publikationen aufscheint und die sie uns in einem Interview erläutert hat. Es ist das Konzept, das hier den Unterschied macht.

Konzepte haben auch andere, könnte man nun kritisch bemerken. Das ist richtig. Hier geht es aber um den Anspruch, all die schönen Rezepte auch wirklich „kochbar“ darzustellen. Sie in allen Einzelheiten zu vermitteln und so zusammenzustellen, dass der Erfolg garantiert ist. Adressatengerecht aufbereitet, würde manch ein Unternehmensberater einwerfen. Richtig und was für ein wunderbarer Anspruch.

What to look for

Der Nachfolger der oben genannten Kochbücher beschränkt sich wie gesagt auf Backrezepte, verfolgt aber ansonsten das gleiche Prinzip. Ob es daher rührt, dass Hornby auch als Foodstylistin arbeitet: Hier funktioniert vieles, wenn auch nicht alles, über das visuelle. Die Bilder prägen das Buch. Und das ist auch gut so. Als (zumindest in meiner Einbildung) versierte Bäckerin – mal ehrlich, nur weil ich selten backe, kann ich es ja trotzdem … – wurde ich schon auf den ersten Seiten eines besseren belehrt.

backbuch-what-to-bake-and-how-to-bake-it-jane-hornby-inside-2-valentinasKlar ist, dass man gut daran tut, dem Leser die Utensilien und typischen Zutaten vorzustellen. Begriffserklärungen waren dem vorangestellt und unterscheiden sich nicht von den zahlreichen anderen Klassikern auf diesem Gebiet.

Doch da sind noch diese zwei Seiten mit „What to look for“. Da werden gelungene und misslungene Backschritte gezeigt. Und ganz offen muss ich an dieser Stelle einräumen, dass meine Butter/Zucker-Mischungen in meiner dunklen „prähornby“ Vergangenheit nicht nur mitunter der misslungenen Variante ähnlich sahen. Und Jane Hornby lässt einen mit dieser Erkenntnis nicht allein, sondern erklärt im Bildtext mit wenigen Worten, was passiert ist und wie man es vermeidet. Also mal ehrlich, wieso sagt einem denn keiner, dass die Butter/Zucker-Mixtur eher weiß als gelb aussehen muss? Hätte ich doch sonst immer so gemacht. Ich gebe zu, mit diesem Clou hatte mich die gute Jane schon überzeugt.

Kuchen für den Familienfrieden

Die nun folgenden Rezepte gliedern sich in unterschiedliche Kategorien wie „Familienrezepte“, „Spezialrezepte“, „Desserts“, oder „Morning Coffee“. Es sind dies wohl die Gelegenheiten bei denen man am häufigsten auf ein Backbuch zurückgreift. Ganz dem Anspruch folgend a) zu backen, b) dafür noch mehr geliebt zu werden und c) zugleich durch Verteilen Kalorien einzusparen, habe ich mich zu Beginn auf die Familienrezepte gestürzt.

Ich wurde nicht enttäuscht. Selbst mein pubertierender Sohn ist nun nicht mehr der Meinung, dass andere Eltern besser für ihn wären. Im Ernst, ich würde nicht so weit gehen, dass man Hornbys Buch unter den Erziehungsratgebern ablegen sollte, aber diese Kuchen tun einiges für den Familienfrieden und schmecken.

Jedes Rezept ist durch eine Fülle von Bildern illustriert und bildet nicht nur die einzelnen Arbeitsschritte ab. Ist der gefürchtete Zusatzeinkauf nötig oder nicht entscheidet ein Blick auf die Zutatenübersicht, die wie in einem Tableau vivant angeordnet die Zutaten abbildet. Unser Blick ist ja auf das simultane Erfassen von Mengen geschult und somit wird die Auswahl enorm erleichtert. Und für Backfaule wie mich wird dadurch eine entscheidende Hürde beiseite geräumt. Vielleicht auch, weil die klare Nüchternheit der Fotos zudem suggeriert, dass die Zubereitung keineswegs aufwendig oder kompliziert sein sind.

backbuch-what-to-bake-and-how-to-bake-it-jane-hornby-inside-valentinasQualität der Zubereitung im Mittelpunkt

Dies galt nicht nur für die Familienrezepte, sondern auch für die komplizierteren Rezepte, bei denen Hornby sich aber durchaus treu blieb. Hier finden sich nicht tagelang zubereitete Buttercremetorten mit Marzipan und Goldüberzug in fünf Stockwerken. Auch hier steht die Qualität der Zubereitung im Mittelpunkt und die Idee, zum Beispiel eine richtig gute Schokotorte zu machen. So benötigt man etwa für die Tarte au citron nicht weniger als 9 Eier und fünf große Zitronen. Und schon ihr gelbes Aussehen verspricht ein Geschmackserlebnis, das der erste Bissen einlöst.

Immer wieder überzeugen auch die kleinen Tricks und Kniffe, die ebenso unspektakulär wie unprätentiös in allen Rezepten zu finden sind. Der britische Klassiker Scones gehört zu meinen Lieblingen unter den Backwaren und so war es das erste erprobte Rezept des Buches. Einen mürben Teig zuzubereiten gehört, wie ich finde, zu den anspruchsvolleren Aufgaben, und niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass es das Vermengen der Zutaten mit dem Messer ist, das den Unterschied macht. So bleiben die Butterstücke noch lange genug kalt und erstaunlicherweise geht es zudem leicht von der Hand.

Und genau solche Feinheiten, die sauberen Zeitangaben, die Kniffe, die durchkalkulierten Mengenangaben und Backzeiten, machen den Unterschied. Den Unterschied, der mich immer mehr mit dem Backen versöhnt und Frau Hornby zu einer außergewöhnlichen Köchin.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2015

7 Kommentare

  1. Caroline

    Es scheint lt. einer Amazonrezension zwei Ausgaben des Buches zu geben – eine UK und eine US. Könnt Ihr mir mit der ISBN für die UK-Ausgabe helfen? Mir geht es um die Mengenangaben, die in der UK-Version metrisch sein sollen…
    Herzlichen Dank!

    • Katharina

      Genau. In meiner UK-Version ist alles metrisch. Hier die ISBN: 978 0 7148 6743 4.
      (Lustig. Stand eben vor meinem Regal. Suchte nach dem Buch, bei den Backbüchern stand es nicht. Dachte, ok, dann hast Du es doch nicht, obwohl ich so ein großer Hornby-Fan bin. Gab auf und im letzten Moment Buchrücken erhascht … ich verliere in der Tat den Überblick.)

      • Caroline

        Herzlichen Dank, Katharina! Wie schön, bei Kochbüchern den Überblick zu verlieren…

  2. Petra

    Besteht Hoffnung auf eine deutsche Übersetzung zu warten ???

  3. Katharina

    Verdiente fünf Sterne! Ich liebe den „Sticky Pear & Pecan Toffee Cake“ (wunderbarer Kuchen für einen faulen Winternachmittag), der „Strawberry Meringue Pie“ – köstliches Frühsommerdessert, oder der Carrot Cake (geht immer)…

    • Katharina

      Wird vorgermerkt. Ich selber brauche dieses Buch auch. Ihre Rezepte sind so ausgefeilt.

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