Backbuch von Ilse König: Süßer Sonntag

Backbuch von Ilse König: Süßer Sonntag ★★★★☆

Süßer Sonntag – Das Backbuch für
den schönsten Tag der Woche
Ilse König
Fotos Inge Prader
Bildkonzept & Design Clara Monti
Brandstätter Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Der Sonntag – Familienidylle und Kaffeekränzchen? Nein, das sei nicht ihr Ding, eröffnet Ilse König in den ersten Zeilen des Buches und verweigert sich dem Klischee. Sie deklariert den Sonntag stattdessen als „Du-musst-nicht“-Tag – ganz ohne Korsett. Da bin ich gerne bei ihr. Rase ich sechs Tage die Woche von Termin zu Termin, gilt für den siebten Tag anderes. Verabredungen am Sonntag gibt es bei uns nicht mehr. Aber Platz für einen Kuchen immer – vor allem unkomplizierter Art.

Ilse König ist mir grundsympathisch. Man könnte sie als kulinarische Quereinsteigerin bezeichnen oder sogar als Nicht-Profi, wie sie es selbst tut. Zwar wirkt das bei drei veröffentlichten Backbüchern arg untertrieben, aber ihre andere Leidenschaft ist vielleicht einfach die größere. Die Autorin verdient ihre hauptberuflichen Brötchen als Geschäftsführerin des Österreichischen Instituts für Internationale Politik (Link oben); sie wirkt hier als promovierte Sozialwissenschaftlerin. Die Welt ist hier zuhause.

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Spannung durch Nahes und Fernes

In den Backbüchern (linkes Foto: Autorin in der Mitte) wirkt dies fort: Ihr Blick auf andere Länder prägt die Auswahl der Rezepte. „Inspiriert hat mich wie immer der Blick über den Tellerrand. Das betrifft Rezepte wie Essgewohnheiten in anderen Ländern, von denen ich viele Anleihen genommen habe.“ Und das bringt Spannung für die Leserin wie mich, weil die süßen Stücke auf der anderen Seite sehr praxistauglich sind.

Der erste Blick ins Inhaltsverzeichnis belegt: interessant wie liebevoll. Start in den Sonntag für Frühaufsteher mit Banana Bread oder Langschläfer-Brunch mit Blaubeer-Trifle, Sonntagstisch mit Tartes der Saison zum Dessert wie Blaubeerentarte oder Schoko-Espresso-Tarte, Sonntagnachmittag für Kaffee- oder Teatime mit Karlsbader Oblatentorte. Es folgen Blechkuchen für Ausflüge (Wanderkekse), Mitbringsel wie Traubenkuchen im Glas und als Fin de Tour Katherine Hepburn’s Brownies. (Ich liebe diese Schauspielerin.)

Es lohnt sich insbesondere als Anfängerin gleich zum Ende des Buches zu blättern. Hier bietet Ilse König Tipps & Tricks: von Blindbacken bis Wasserbad und Hinweise auf Unterschiede zwischen deutschen und österreichischen Produkten. Mürbe-, Rühr- und Hefeteig werden zudem minutiös theoretisch nachgebacken.

Lesen ist ein Muss, um das Besondere zu erkennen

Bis hierhin ist alles gut, aber das Layout will mich nicht begeistern. Der Text muss sich mit einer schmalen Spalte begnügen, die Headline-Typografie ist nicht immer lesbar. Manche Lifestyle-Fotos erscheinen deplatziert. Wirken die Bücher aus dem Brandstätter-Verlag sonst wertig und stilsicher, so ist es hier nur das schöne schwere Papier, das gefällt.

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Das erste Querstöbern will daher nicht so recht gelingen. Ein Grund ist, dass ich natürlich in Zeiten der Foodfotografie, die Foodtrends via Instagram bewirkt, Spektakuläres gewöhnt bin, hier aber Ehrliches geboten wird. Denn man muss hineinlesen, die Bilder geben nicht preis, dass die Birnentarte mit Kokosfett, Ahornsirup und Fünfgewürz-Pulver daherkommt oder die Blaubeertarte mit Johannisbeergelee wie Likör. Neben den klassischen Rezepten wie  Zitronentarte oder Brombeerkuchen  heben sich die besonderen in keiner Weise hervor. Hier hätte man eine erklärende Subline einfügen können.

Beim Nachbacken war alles dabei

Das Nachbacken brachte gleich zu Anfang die totalen Gegensätze hervor: Der Karottenblechkuchen mit Orangelikör und Schokolade ist einer der schönsten und besten Kuchen, die ich je gemacht habe. Er erinnert mich mit seiner tiefbraunen Optik und den grünen Pistazien an Edelsteine und schmeckt göttlich! Der Dolce ripieno landete dagegen im Müll – ich habe fast geweint um die guten Zutaten. Hier stimmte für mich nicht viel. Die Konsistenz des Teiges und die mitgebackene Creme – dazwischen Gutes, aber nicht auf dem Spitzenniveau, wie man es von der Autorin gewohnt ist.

Süßer Sonntag wird hier modern interpretiert – keine Backkunst, sondern Unkompliziertes für zuhause, bei denen die Zutaten das Besondere ausmachen. Das Buch ist optisch nicht der Knaller, man kommt aber aus miteinander, dafür bestens geeignet für Anfängerinnen und alle, die geografisch nicht gebunden sind beim Backen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2016

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