Backbuch von Ilse König: ke:xs – süß, salzig, köstlich

Backbuch von Ilse König: ke:xs – süß, salzig, köstlich ★★★★★

ke:xs – süß, salzig, köstlich
Ilse König, Fotos Inge Prader
Bildkonzept & Design Clara Monti
Brandstätter Verlag (2014)
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Doris Brandl

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Gibt es Menschen die keine Kekse mögen? Ich kenne keinen! Etwas zum Knabbern kommt immer gut an und wenn ich meine keks-gefüllte Dose im Kollegenkreis herumreiche, wird eine angespannte Stimmung damit schnell wieder fröhlich aufgelockert. Mein Repertoire für nicht-weihnachtliche Kekse ist allerdings übersichtlich. Mir konnte dafür kein schöneres Buch in die Hände fallen als ke:xs. Ein Prachtband.

Die Autorin Ilse König ist interessanterweise nicht hauptberuflich dem Süßen dienlich, sondern Geschäftsführerin des Österreichischen Instituts für Internationale Politik. Auf ‚Valentinas Kochbuch‘ ist bereits ihr Backbuch Flache Kuchen besprochen worden, das ich mir damals sofort ebenfalls zulegte. Ich habe schon unzählige Male u.a. ihren leckeren Pflaumenkuchen gebacken. Entsprechend erwartungsvoll sehe ich nun den Keksen entgegen.

Ein schönes Buch liegt vor mir. Weißer Umschlag, das Cover mit dem kecken Titel und einem scheinbar zum Ausschneiden eingerahmten Keks und die Blattaußenseiten sind auch noch humorvoll illustriert. Aber hinein in die inneren Werte. Kekse – für einen Moment fühle ich mich wahrhaftig wie das Krümelmonster. Nach dem Motto: haben wollen und zwar alle! Nach einigen Seiten gebe ich es auf, die Rezepte zu markieren, die ich unbedingt ausprobieren will. Denn dann könnte ich gleich alle Seiten mit einem Marker versehen. Schuld daran sind die traumhaft schönen Fotos. Und wirklich jeder Keks ist besonders dargestellt. Dabei sehen die Backwerke selbst nicht einmal kompliziert aus, es ist das Drumherum, was richtige Kunstwerke aus den Fotos macht. Entweder originell, wie gleich zur Einleitung die Thumbprints (Kekse mit grüner Tomatenmarmelade) scheinbar mit Hilfe eines Fallschirms aus grünen Tomaten hinabsegeln, oder die Lachskekse, die sich im Leinentuch-Meer mit Dill-Algen tummeln. Oder ganz edel, dem feinen Ricciarelli entsprechend von einer Puderzucker-Spitzendecke unterlegt. Hier ergänzt sich ein tolles Trio für das Buch. Die Rezepte von Ilse König sind mit Unterstützung der Grafik-Designerin Clara Monti und der Fotografin Inge Prader (die auch bereits für ‚Flache Kuchen‘ tätig war) vortrefflich dargestellt.

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Das Buch teilt sich auf in ungefähr zwei Drittel süße Kekse und ein Drittel salzige Kekse. Daran schließt sich ein Ke:xsikon an, Schritt für Schritt-Erklärungen, Grundteige und spezielle Zutaten werden erklärt, z.B. warum Buttermilch nicht durch Milch ersetzt werden sollte: es wirkt als Treibmittel. Den Abschluss bildet das ausführliche Register. Und so ganz nebenbei läuft mir das Wasser im Mund zusammen und es heißt entweder weiter in den Bilder schwelgen oder selbst Hand anlegen. Voller Tatendrang suche ich mir ein schnelles und unkompliziertes Rezept. Eine halbe Stunde später zieht nicht nur ein unwiderstehlicher Duft durch die Wohnung, sondern die ersten Köstlichkeiten werden gleich warm aus dem Ofen probiert. Leckere Mandelkekse, Croquants – wie der Name schon sagt, außen kross und innen herrlich marzipan-zart.

Unglaublich, wie präzise die Mengenangaben stimmen, so dass der Teig bei mir sowohl die gewünschte Konsistenz als auch die errechnete Stückzahl ergibt. Vorausgesetzt es sind keine Teignascher in der Nähe. Selbst die angegebenen Zubereitungs- und Backzeiten sind zuverlässige Parameter. Jedes Rezept wird mit Tipps für Abwandlungen ergänzt und Anregungen, wozu sie gut passen.

Einige Kekse aus der süßen Abteilung sind mir zu süß und das ist mein einziger Kritikpunkt. Süße ist natürlich eine individuelle Geschmacksache, andererseits war es mehrfach der Fall, was mich zunächst sehr irritierte, weil mir die Rezepte aus dem Vorgänger-Buch vertraut sind und ich davon ausging, dass Frau König und ich in Sachen Zucker die gleiche Sprache sprechen.

Es gibt Rezepte ohne Ei oder ohne Mehl, Rezepte die gleichzeitig süß und salzig sind, z.B. die Pecorino-Haselnuss-Cantucci. Obwohl man den Käse nicht herausschmeckt, sind der weniger süße Geschmack und die Konsistenz für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Vielleicht weil ich insgeheim die bekannten Cantuccini erwartet habe? Bei anderen z.B. den Taralli abruzzesi kommen schöne italienische Urlaubserinnerungen hoch. Jetzt weiß ich endlich, was meinen Taralli-Versuchen immer gefehlt hat: der Mistrà (Anislikör). Es gibt noch viel zu Entdecken.

Das schönste Keks-Bilderbuch, was ich je hatte. Keine Rezepte aus Großmutters Zeiten, keine Weihnachtsplätzchen, sondern für alle Gelegenheiten. Manche der süßen Kekse sind allerdings richtig süß, daher die Empfehlung, die Zuckermenge nicht als gesetzt anzusehen. Die Rezepte sind perfekt beschrieben, also auch für Ungeübte geeignet und mit einem Blick weiß man, wie viel Zeit man für Zubereitung, Kühl- oder Ruhezeit und das Backen einkalkulieren muss. Hilfreich auch die Stückzahl, die sich aus dem Rezept ergeben soll – so weiß ich doch gleich, ob es außer für die heimischen Krümelmonster auch noch für ein Mitbringsel ausreicht.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2014

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