Backbuch von Henry Dimbleby, Claire Ptak: LEON Backen

Backbuch von Henry Dimbleby, Claire Ptak: LEON Backen ★★★☆☆

LEON Backen
Henry Dimbleby, Claire Ptak, Fotos G. Smith
Dumont Buchverlag (2012)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

LEON Backen ist ein Kochbuch, das ich sofort gerne in die Hand genommen habe. Das Cover ist einerseits ungewöhnlich, andererseits voller Lebenslust. Was schön ist, kann sich der Aufmerksamkeit sicher sein. Doch steht prompt der Zweifel im Raum: Ist es auch so gut? Drei Köchinnen sind der Frage nachgegangen. Sie haben 9 Rezepte für uns nachgebacken. Die Zitronenschnitten wurden sogar zweimal ausprobiert.

Das Ergebnis hat mich zuerst überrascht, aber dann habe ich die Antworten gelesen. Claudia aus Berlin (bloggt auf holy fruit salad!), Helena aus Hamburg und Ullla aus Füssen wissen, wo von sie schreiben.

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

LeonIch koche seit … gefühlt schon immer, wenn auch am Anfang nur mit. Mit meinen Omas oder meiner Mum. Obwohl ich mich nicht erinnern kann, dass sie mir je exemplarisch Kochen beigebracht haben, ist sehr viel von ihren Fähigkeiten und Rezepten bei mir hängen geblieben. Tatsächlich habe ich kein einziges Rezept von ihnen. Aber ihre besonderen Speisen habe ich immer irgendwann mit zunehmender Kochübung aus dem Kopf und Herzen nachgekocht.

Kochbücher benutze ich heute weitestgehend als Tippgeber für neue Rezepte. Ich liebe Foodfotografie und oft kaufe ich Bücher weniger wegen ihrer Rezepte als eher wegen ihrer fotografischen Anregungen. Kochbücher ohne Fotos sprechen mich nicht an, mögen sie noch so fundiert sein. Es passiert sehr selten, dass ich Rezepte im Original eins zu eins nach koche. Meist fange ich schon beim ersten Kochversuch an herum zu experimentieren. Insofern sind Kochbücher für mich mehr große Inspirationen als handfeste Rezepturvorlagen. Am liebsten lese ich die Geschichten zu den Rezepten oder die Tipps zum Hintergrund, vor allem, wenn sie sie aus fernen Ländern stammen.

LeonVon Kindesbeinen an kam ich mit Produkten und Lebensmitteln in Kontakt. Mein Vater, ein begnadeter Koch von Beruf, zeigte uns schon früh die unterschiedlichsten Lebensmittel. Mit unseren Eltern gingen wir häufig essen und testeten die unterschiedlichsten Küchen dieser Welt, ob französisch, süddeutsch, italienisch oder asiatisch. Im Studium – weit weg von Zuhause- fehlte mir plötzlich all das gute Essen und ich fing an Kochbücher zu lesen und mich langsam ranzutasten. Zu erst der einfache Marmorkuchen, Pfannkuchen oder selbstgemachte Pizza. Darauf folgten schnell Weihnachtsgänse für meine Freunde aus dem Studium sowie allerlei Backwerk. Am Anfang stand das Kochbuch Pate für jede einzelne Kreation, je länger ich jedoch dran blieb, desto mehr wurde es zur Inspirationsquelle. Heute nutze ich es als schönes Bilderbuch und eben zur Inspiration. So verbinde ich häufig zwei Rezepte miteinander oder ergänze, die ein oder andere Sache frei Schnauze.

LeonIch habe früher als kleines Kind meiner Mutter immer beim Backen und Kochen geholfen, das war immer eine Freude. In meiner Schulzeit habe ich dann immer mit einer Freundin gebacken, das war auch immer sehr toll, was ich aber daraus gelernt habe war das man immer gute Laune zum Backen und Kochen braucht, sonst klappt es nicht.
Jetzt Backe ich einfach so zum Spaß oder zu Geburtstagen.
Ich benutze Backbücher und die Anweisungen eigentlich immer so wie es im Buch steht, vor allem beim ersten Mal Backen von etwas, wenn ich dann merke das es mir nicht so geschmeckt hat oder man hier und da noch was anders machen sollte, mach ich das auch manchmal.

Zum Kochbuch: Was waren Deine ersten Eindrücke?

LeonLEON Backen Herhaft & Süß macht auf den ersten Blick einen sehr eigenen lebhaften Eindruck auf mich. Es ist in der typischen Haptik eines Scrapbooks gestaltet. Die Fotografien haben viel von dem Style der 50iger-Jahre, die Typo schert sich gelegentlich nicht sehr hinsichtlich gestalterischer Regeln. Alles wirkt schön und fröhlich, wild und konzeptfrei. Letzteres ist es natürlich überhaupt nicht! Im Gegenteil: es gibt die übliche Einleitung mit Erklärung aller im Buch verwendeten Zutaten sowie Tipps und Tricks. Dann folgen die Rezepte in zwei Hauptkategorien für „jeden Tag” oder für „Feiern” im zweiten Kapitel unterteilt. Das ist konsequent bis zum typisch britisch stilvollen Ende, es fehlen auch nicht Rezepte für Beerdigungen. Ein kleines Novum in einem Kochbuch! Die Rezepte sind alle mit kleinen Icons oder Abkürzungen versehen, die mit einem Blick glutenfreie, vegetarische Rezepte oder feiste Schlemmereien orten lassen. Das Buch riecht gut. Gekauft hätte ich mir das Buch vom Buchtisch weg vermutlich jedoch nicht. Die Rezepte, die darin enthalten sind, haben mich auf den ersten Blick nicht angesprochen. Denn wer schon länger kocht und backt, den werfen Rezepte von Pfannkuchen, Mousse au chocolat oder Crème brulée nicht mehr aus dem kochenden Konzept. Die anderen Rezepte schienen mir auf den ersten Blick zu oft angloamerikanisch mächtig, als das ich hin- und weggewesen wäre.

LeonDas Buch machte auf mich direkt einen unübersichtliche Eindruck. Auffällig ist die sehr lange Einleitung, die nützliche Tipps zum Backen gibt.

LeonIch habe mich sehr auf das Buch gefreut. Ich besitze noch kein Back- oder Kochbuch, deshalb war das sehr spannend für mich. Als ich das Buch dann angeschaut habe, war ich schon begeistert, fand es aber für meinen Geschmack etwas zu kahl. Also, ich mag es immer sehr, wenn es ästhetisch ist und viele Bilder hat und es nicht zu viel Text gibt. Das ist bei diesem Buch etwas anders, aber ich finde es trotzdem sehr toll.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

LeonAusprobiert habe ich nach langer Überlegung Violets Kokosmakronenrezept, ganz simpel aus dem Anlass der Wiederverwendung des Eiweis aus dem
zuerst in der Zubereitung von mir befindlichen Rezept für Brunos pochierte Erdbeeren mit Grüner-Pfeffer-Eiscreme heraus. Und die Französische Zwiebeltarte, deren Foto mich anlachte und da ich Sardellen und Oliven sowie Zwiebeln im Haus hatte, ich für würzige Tartes an einem Sommerabend auf dem Balkon meilenweit gehe, war die Entscheidung hier schnell getroffen.

Brunos pochierte Erdbeeren mit Grüner-Pfeffer-Eiscreme ist sicherlich eines der aufwändigeren Rezepte im Buch, bei dem es zudem hilft eine Eismaschine zu besitzen. Während die Erdbeeren in dem Erdbeerpüreesirup meiner persönlichen Meinung nach zur Erdbeerzeit eher Schaden nehmen, weil zu süß geraten, bin ich von der Grüner-Pfeffer-Eiscreme hin- und weg und möchte dieses Rezept nicht mehr missen! Ein Eis mit Vanillearoma, sehr cremig und einer ordentlichen Schärfe des grünen Pfeffers, der perfekt harmonisiert mit den Erbeeren. Ich werde es dieses Jahr sehr sicher nochmals mit heißen Feigen probieren (in Erinnerung an mein ehemaliges französisches Lieblingsrestaurant) und allerspätestens zu Weihnachten mit dem Rumtopf. Die pochierten Erdbeeren aber würden bei mir künftig nur im eigenen Püree serviert. Das Eis ist süß genug und benötigt überhaupt keinen Sirup an den Früchten, dazu lieber auf die Fruchtsäure des Obstes als klugen Gegenspieler setzen.

Nicht wirklich überzeugt bin ich von Violets Kokosmakronen. Es gibt bessere Rezepte mit denen die Makronen leichter und luftiger werden, deren Zubereitung auch deutlich mehr Freude bereitet. Geschmacklich sind die Makronen dank des Honigs denoch sehr gelungen. Nur werden sie immer mehr im Mund und sind klebrig schwer. So fühlen sie sich auch in der Zubereitung an. Es macht einfach keinen Spaß mit den Zutaten so kämpfen zu müssen. 150 g Zucker für zwölf Makronen plus Honig sind einfach zuviel. Kein Rezept für mich, das nach Wiederholung ruft.

Die Französische Zwiebeltarte liest sich in der Zubereitung so leicht und überzeugend, dass ich die Menge verdoppele und den restlichen Teig einfriere für eine kleine Tarte schnell zwischendurch. Mehl wird mit einer Prise Salz und Zucker und kalter Butter, die in kleine Stücke geschnitten wird, vermengt und mit kaltem Wasser zu einem Teig geknetet, der in den Kühlschrank wandert. Die Zwiebeln mit gutem Olivenöl und frischem Thymian zu dünsten, das ist pure Geruchsfreude. Sie werden kurz mit Essig abgelöscht und ziehen darin bis der Teig ausgerollt wird. Ganz lässig und ohne visuellem Perfektionsdrang. Belegen, nach Rezept mit Anchovis und Oliven, oder nach Gusto. Sehr schnell und einfach zubereitet. Geschmacklich perfekt.

LeonElisabeths Zitronenschnitten
Wie so vielen Backwaren mit Zitrone bin ich auch diesem Rezept verfallen. Die Zutatenliste hat man immer Zuhause, die Zubereitung ist kinderleicht und das Resultat einfach cremig, zitronig- TOLL!!! Nur die Backzeit war bei mir gut 10 Minuten länger.

Schokoladenkuchen
Für einen einfachen Schokokuchen benötigt man bei diesem Rezept schon eine Fülle an Zutaten. Danach werden die Zutaten ohne Komplikationen verrührt und in die Form gefüllt. Das Ergebnis ist gut, aber ich bleibe lieber bei anderen bewährten Rezepten.

Roggenbrot á la Flour Station
Schon lange Zeit liebäugelte ich mit Brotrezepten, wagte mich aber nicht so recht dran. Die Sauerteigkultur anlegen dauert seine Zeit, also nichts für Ungeduldige, aber trotz Skepsis mit der Anleitung im Backbuch gut machbar. Aber am Ende wurde ich mit meinem tollen, saftigen Brot belohnt, welches auch nach einige Tage noch frisch und feucht war. Anstatt der Sonnenblumenkernen habe ich Kürbiskerne verwendet.

LeonSamstags Pfannkuchen
Die waren wunderbar! Ich habe versehentlich des Joghurt zu der Trockenmischung zu früh dazu gegeben. Aber das hat sich nicht auf den Teig ausgewirkt, es hat trotzdem alles geklappt. Ich hatte anfangs Schwierigkeiten die Pfannkuchen raus zu braten, weil ich Butter benutzt habe, also bin ich auf neutrales Öl umgestiegen und dann hat das wunderbar geklappt. Vom Geschmack her sind sie mir etwas zu Süß, vielleicht sollte man beim Teig ein bisschen weniger Zucker nehmen. Ansonsten schmecken diese mir wesentlich besser als die Pfannkuchen die ich sonst kenne.

Geschmorter Pfirsich
Die waren auch sehr lecker und sehr leicht zu machen. Was bei mir aber nicht geklappt hat war das mit der Zeit im Ofen, also im Buch steht 15-20 min. das war bei mir viel länger, obwohl diese schon sehr weich waren. Die waren etwa 30-40 min. im Ofen. Mit der Creme double, hat das alles aber dann sehr lecker geschmeckt.

Zitronenschnitten
Von den Zitronenschnitten war ich nicht so begeistert. Ich habe mal welche von einer Freundin gegessen, die haben mir besser geschmeckt. Sonst zum Backen waren die sehr leicht und es hat auch Spaß gemacht. Ich würde vielleicht bei diesen Zitronenschnitten den Puderzucker oben weg lassen oder etwas anderes nehmen, das hat nicht so gut zusammengepasst, für meinen Geschmack.

Key Lemon Pie
Den hatte ich richtig Lust zu backen. Es hat auch sehr Spaß gemacht weil das was neues war so einen Boden habe ich davor noch nie gemacht nur Kekse und Butter. Der Boden ist allerdings nicht so gut geworden, vielleicht braucht man mehr Butter. Als ich den Boden abgekühlt hatte und die Lemon-Masse auf den Kuchen gegeben habe ist der Boden mit der Maße vermischt worden, weil dieser vielleicht zu dünn war? Ja Ich habe ihn dann trotzdem noch mal in den Ofen und das wurde dann auch echt lecker und schön, nur das es halt kein Boden gab und wir den Pay aus der Form gegessen haben.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

LeonEs ist ein nettes Kochbuch, das vermutlich mehr „touchy” ist für Menschen, die einen Bezug zum „LEON” haben oder generell zur britischen Küche mit US-Einfluss. Mir persönlich sind viele Rezepte zu banal oder zu bunt, allermeist viel zu süß. Wenn ein Schokoladenkuchenrezept nach 300 g Zucker als Zutat verlangt, steige ich aus einem solchen Rezept bereits beim Lesen aus.

Was mich (das betrifft sicher nicht nur dieses Kochbuch) sehr stört, ist die ewige Angabe von „Dinkelmehl” oder „Bio-Eiern”. Es reicht schon in der Einleitung darauf hinzuweisen, man möge Öko-Produkte oder vollwertigere weiße Mehle nehmen. Im restlichen Teil eines Buche hielte ich eine Angabe wie kleine oder mittelgroße Eier” für die Rezepte für deutlich relevanter als den Begriff „Bio” ewig wieder zu kauen. Ärgerlich auch, wenn im ersten Satz zum Rezept erklärt wird, man solle den Herd vorheizen, jedoch die Zutaten zum Rezept, die im späteren Verlauf vorbereitet werden, nochmals abkühlen sollen. Das ist nicht sinnvoll und die Art der Energieverschwendung ist für mich das Gegenteil von ökologisch sinnvoll und passiert in dem Buch leider nicht nur einmal.

Meiner persönlichen Meinung nach leider das Buch auch ein wenig unter der Übersetzung. Gelegentlich stehen unmotivierte Sätze im Text, deren Bedeutung schwer nachzuvollziehen sind. „LEON – Backen” ist für mich ein Buch, das ich sicherlich einem jungen Koch- und Backanfänger, der sich gerade in die Britischen Inseln (oder USA) verliebt hat und angloamerikanische Küche leben will, absolut gerne auf den Geschenktisch legen würde. Für mich kommt es mit den meisten Rezepten ein paar Jahre zu spät. Sehr positiv anzumerken, die Mengen im Buch sind für eher kleinere Portionen gedacht. Also eher für zwei Esser, das widerspricht dem üblichen Großrezept für vier Personen und mehr und finde ich klug, weil man so schneller ein Rezept für nur einen Gast im Haus umsetzen möchte.

LeonDas Backbuch Leon ist sehr unübersichtlich. Die Einteilung in Kategorien hat sich mir auch nach längerer Beschäftigung leider nicht erschlossen. Die Rezepte sind teilweise zwar gut, teilweise sind die Zutaten nicht in jedem Supermarkt erhältlich. Neben dem Design, welches mich persönlich nicht anspricht, gefällt mir die Haptik und der Einband des Buches sehr gut. Insgesamt gebe ich dem Buch 3 Sterne, ein Stern auf alle Fälle auch für die Glutenfreien Rezepte.

LeonIch finde das Bankbuch mittelmäßig. Ich finde es sind viele interessante Sachen dabei und ich will auch noch mehr ausprobieren, würde es mir aber wenn ich eine größere Auswahl hätte nicht kaufen. Ja wie oben schon erwähnt finde ich es etwas zu blass.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2012

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z