Backbuch von Hannes Weber: Lust auf Backen

Backbuch von Hannes Weber: Lust auf Backen ★★★☆☆

Lust auf Backen
Hannes Weber, Fotos Julia Hoersch
GU (2014)
Mehr über den Verlag

Christiane Schwert

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Wie herrlich ist es, nach getaner Arbeit bei Kaffee und Kuchen den Rest des Tages einzuläuten. Hannes Weber nun, der einer alten Bäckerfamilie entstammt, verspricht moderne Interpretationen bekannter Backwaren. Das hört sich gut an. Überhaupt ziehe ich Apfelkuchen mit Schlagsahne einem Cupcake mit Haube vor.

Bekannt ist Hannes Weber durch eine mir bisher unbekannte Sendung. Sie heißt genau wie das Buch und läuft regelmäßig im SWR-Fernsehen. Die Rezepte dieses Buches sind ein best of der Sendung.

Der erste Eindruck, den dieses Buch macht, gefällt mir: Es ist so einfach wie einleuchtend nach den verschiedenen Grundteig-Sorten in Kapitel zu Mürbeteig, Hefeteig, Rührteig, Biskuit, Strudel-, Brand- und Blätterteig unterteilt. Es folgt ein letztes Kapitel, dass sich Brot und Brötchen zuwendet. Jedes Kapitel beinhaltet typische Rezepte für die jeweilige Teigsorte, die zunächst auf einer einleitenden Doppelseite mit Step-by-Step-Fotos logisch erklärt wird.

Da gibt es bezaubernde Mini-Apfel-Tartes, bei denen dünne Apfelspalten blütenförmig drapiert werden. Oder Holländerschnitten mit Blätterteig, Sauerkirschen und Schlagsahne, die es so ähnlich immer bei meiner Tante gab. Es finden sich ganz klassische Strudelrezepte (Apfelstrudel), Frankfurter Kranz, Sachertorte und Schwarzwälder Kirsch. Aber auch Foccacia, Churros und Laugenbrezeln. Die Intention der Macher, so denke ich, geht in Richtung Grundlagen-Buch. Und betrachtet man nur die Struktur, so scheint das Konzept aufzugehen. Denn ergänzt wird der gelungene Aufbau, wie häufig bei GU, durch einen kurzen Serviceteil, der sich Backzutaten und Ausstattung zuwendet. Mit einem durchaus brauchbaren Glossar der „Bäcker- und Konditoren-Sprache“ schließt das Buch. Alles da, oder?

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Doch beim Aussuchen der Probe-Rezepte hält sich die Auswahl in Grenzen. Das kenne ich durchaus auch anders, nämlich dass ich sofort alles nachkochen bzw. -backen will. Hier sieht alles zwar ganz gefällig aus, aber nicht viel springt mich wirklich an. Das liegt gewiss auch an der eigenen Backbiographie: Natürlich ist der ein oder andere Klassiker schon in meinem Repertoire und hier und da habe ich schon ein eigenes Lieblingsrezept. Doch das ist nicht Schuld des Buchs. Was Weber allerdings im Vorwort verspricht ist eine „neue und moderne Interpretation“ von Marmorkuchen und Co! Doch die konnte ich beim Aussuchen der Rezepte nicht recht ausmachen. Also ran an den Ofen!

Die Begeisterung nach dem ersten Kuchen hielt sich in Grenzen. Zwar sind Rezeptaufbau und -beschreibung schlüssig und die Zutatenliste übersichtlich. Doch der Mürbeteigboden der ausgewählten Nussecken, an die ich beste Kindheitserinnerungen habe, war nach dem Backen total keksig und krümelig, so dass die Ecken schon beim Schneiden teils zerbröselten. Die Nussmasse oben drauf hingegen war für meinem Geschmack von der Konsistenz zu zäh. Sollte das der moderne Kniff sein? Wohl kaum.

Der zweite Versuch, ein Aprikosen-Blechkuchen war geschmacklich durchaus überzeugend. Leider sah er aber gar nicht so köstlich aus wie auf dem Bild. Er war nur etwa halb so hoch, so dass die Früchte beinah nicht von der sie umgebenden Creme bedeckt waren. Dabei habe ich wie beschrieben ein Backblech (24 Stücke) genommen. Auch die zum Frühstück aus Hefeteig gebackenen Einback-Brötchen überzeugten mich nicht. Sie blieben geschmacklich irgendwie blass. Umgestimmt hat mich schließlich ein einfacher Zitronenkuchen: Ein Rührteig so locker und zitronig wie er sein soll!

Stimmig und zum Gesamtkonzept passend fand ich die Foodfotografie des Bandes: Die Rezepte sind einfach und im positiven Sinne nett bebildert. Im Vordergrund steht stets das Backwerk, dezent dekoriert. Auch wichtig zu wissen: Jedes Rezept wird durch ein Foto – oft ganzseitig und apart mit weißem Rand – ergänzt, stets appetitlich und dabei „down to earth“. Sie ermuntern zum Nachbacken und wollen nicht imponieren. Alles gut in bewährter Gräfe-und-Unzer-Manier und -Qualität.

Ich habe mich etwas schwer getan mit diesem Buch. Denn auf den ersten Blick ist alles da und doch fehlte mir etwas. In Aufbau und Rezeptauswahl durchaus gut und als ein erstes Backbuch geeignet, ist es aber – aus meiner rein subjektiven Backerfahrung heraus – nicht gelingsicher genug. Auch fehlte mir der versprochene „moderne“ Kniff, die zeitgeistige Interpretation. Zudem ist zwar die Handschrift von GU recht deutlich zu erkennen, aber die von Hannes Weber, wie ich meine, noch nicht so recht. Schließlich ist dies ein personenbezogenes Buch und eben nicht das 100ste GU-Backbuch. Da hätte ich mir mehr Profil gewünscht, eine stärkere eigene Linie.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2015

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