Backbuch von Hannah Miles: Käsekuchen – 60 Rezepte für himmlischen Genuss

Backbuch von Hannah Miles: Käsekuchen – 60 Rezepte für himmlischen Genuss ★★★☆☆

Käsekuchen
60 Rezepte für himmlischen Genuss
Hannah Miles, Steve Painter
Thorbecke Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Dietmar Adam

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Schwierige Frage: sind Käsekuchen und Cheesecake ein und dasselbe? Bin ich ein Fundamentalist, wenn ich da unterscheide zwischen dem traditionellen zentral- und osteuropäischen Käsekuchen, der eine mit Eiern gebundene Quarkfüllung vorsieht sowie einen Boden aus Mürbe- oder Hefeteig, und dem amerikanischen Cheesecake, dessen Boden aus einer Mischung von Kekskrümeln und zerlassener Butter besteht und dessen Füllung vor allem aus Frischkäse? Zwischen einem Käsekuchen, der gebacken wird und einem Cheesecake, der häufig ungebacken im Kühlschrank seine Vollendung findet? Entsprechend empfinde ich es schon ein wenig als Augenwischerei, wenn der Verlag der deutschen Ausgabe dieses Backbuches der Amerikanerin Hannah Miles den Titel „Käsekuchen“ verwendet für Gebäcke, die meiner Meinung nach fast ausschließlich Cheesecakes sind.

Hannah Miles präsentiert drei verschiedene Varianten von Cheesecake. Da ist zunächst der mit Eiern gebundene, im Ofen gebackene, der dem traditionellen deutschen recht nahe kommt. Hierzu zählt der berühmte New York Cheesecake. Dann gibt es bei ihr noch zwei weitere Varianten, die ohne Backen auskommen, wobei einmal mit Gelatine gebunden wird, während bei der dritten lediglich Frischkäse mit Crème fraȋche verrührt wird. Das ergibt dann eine recht kompakte Masse, anders als bei der Verwendung von Gelatine, die es natürlich erlaubt, auch geschlagene Sahne unterzuheben (wie bei der deutschen Käse-Sahne-Torte).

Nach diesen eher trockenen Definitionsfragen will ich nun aber endlich zu den praktischen Dingen übergehen. Zunächst einmal ein großes Lob: die rund 60 Rezepte liefern jede Menge Anregungen. Da wird mit allen möglichen Früchten und Nüssen kombiniert, mit Ingwer und Chili, mit Karamell und Schokolade. Es ist eine wahre Freude. Mutig traute ich mich sogar an die exzentrische Mischung von Honig und Salz heran.

kochbuch-kaesekuchen-hannahLeider ließ dann der Geschmackstest meine Begeisterung für die vielen kreativen Ideen wieder schwinden. Hannah Miles räumt unumwunden ein, dass ihre Kuchen wahre Kalorienbomben sind. Nun weiß man ja, dass Fett ein wichtiger Geschmacksträger ist. Ich las die Zutaten, staunte angesichts der Mengen, dachte dann aber, naja, viel hilft viel. Um dann beim Ausprobieren zu merken, dass mir eine Füllung mit 300 g Frischkäse, 250 g Mascarpone und 250 g Crème double einfach zu heftig ist. In der Folge habe ich dann abgerüstet, Mascarpone und Crème double durch Ricotta, Schmand und Joghurt ersetzt und war zufrieden. Auf keinen Fall sollte man jedoch, da stimme ich der Autorin uneingeschränkt zu, kalorienreduzierte Produkte verwenden, denen reichlich unerwünschte Chemie beigemischt ist.

Wie schon gesagt, bestehen die Böden zumeist aus Kekskrümeln, die mit zerlassener Butter getränkt werden. Das ist einfach, geht schnell und ist sicherlich eine gute Alternative für alle, die nicht so fit sind beim Zubereiten eines Mürbe- oder Hefeteigs. Und man kann leicht variieren, Ingwerkekse nehmen, Karamellkekse, Amaretti … Problematisch wird es für mich jedoch bei den vielen Rezepten, die ohne Backen auskommen. Da empfinde ich den Boden als eine matschige, arg fette Masse, die mir schon von der Konsistenz her nicht zusagt. Ich bin dann reumütig zu meinem geliebten Mürbeteig zurückgekehrt.

Ein weiteres Problem entsteht aus der recht flüssigen Konsistenz der Füllungen. Meine Formen erwiesen sich samt und sonders als inkontinent. Also ist es angesagt (die Autorin weist explizit darauf hin), zunächst die Formen auf Dichtigkeit zu überprüfen und sie bei nicht bestandener Prüfung zusätzlich mit Alufolie abzudichten oder die Form auf ein Backblech zu stellen. Sonst ist die Katastrophe unabwendbar.

Ansonsten sind kaum Hindernisse zu erwarten. Selbst die etwas aufwendigeren Rezepte sind leicht zu verwirklichen, die Zutaten ohne größere Schwierigkeiten zu besorgen. Nur bei einem Rezept ist mir ein gravierender Fehler aufgefallen: beim Schwarzwälder-Kirsch-Käsekuchen werden die Zutaten der Füllung unterschlagen.

Das mag nun alles eher abschreckend klingen. Wer sich jedoch grundsätzlich für Cheesecakes begeistern kann, wird auch mit dem einfallsreichen Buch von Hannah Miles glücklich werden. Und wer etwas übrig hat für typisch amerikanische Zutaten wie Popcorn, Marshmallows, Cornflakes, Erdnussbutter und Ahornsirup, wird aus dem Schwärmen wahrscheinlich nicht mehr herauskommen. Noch dazu, weil die Gestaltung der Kuchen und ihre optische Präsentation gut gelungen sind.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2014

6 Kommentare

  1. Erik

    Tolles Cheesecake-Buch “American Style“ mit viel Abwechslung und sympathischer Autorin

    Ich liebe den europäischen Käsekuchen auf Quarkbasis seit frühester Kindheit heiß und innig,
    doch hat sich dies seit einigen Jahren grundlegend geändert. Die amerikanischen Varianten mit Frischkäse, Mascarpone, Double Cream oder Ricotta sind häufig an Cremigkeit kaum zu überbieten. Dazu kommen ausgefallene Böden (z.B. mit Oreos, Salzbrezeln, Ingwer-Keksen, usw.) welche die ohnehin superleckeren Füllungen zu teilweise extrem komplexen Geschmackserlebnissen hochtunen. Kommen dann noch kreative Toppings dazu (z.B. Rosenblüten, zerbrochene Zuckerstangen, usw.) sind in Punkto Optik und Geschmack keine Wünsche mehr offen.
    All diese Punkte erfüllt Hannah Miles einer Meinung nach mit Bravour! Es ist wirklich für jeden was dabei und es werden auch erfreulicherweise alle Käsekuchen-Backstile abgedeckt (Backen, Backen im Wasserbad und Erkalten mit Gelantine). Am meisten Spaß machen mir die mit Gelantine >> einfacher geht es nicht UND diese lassen sich auch noch super einfrieren. Mein absolutes Highlight ist der Kardamon-Pistazien-Cheesecake mit verzuckerten Rosenblüten aus meinem Garten >> BESCHTE!
    Das Buch ist auch toll geschrieben >> jedes Rezept mit Bild und kleiner Einleitung ohne Selbstverliebtheit wie es häufig leider der Fall ist. Hannah Miles strahlt Natürlichkeit aus und man merkt, dass sie enorm viel Spaß bei der Arbeit hat!
    Ich habe so um die 30 Rezepte umgesetzt und wirklich jedes Rezept klappte (der Honig-Cheesecake war halt eine Riesensauerei, aber schmeckte vorzüglich. Mein erstes Wasserbad hatte zu wenig Alufolie und deshalb lief Wasser ein, liegt also nicht an der Autorin).
    Von was ich nichts halte, ist Rezepte für die Rezension abzuändern weil sie “zu deftig“ sind. Das wird einem Backbuch nicht gerecht und verändert meiner Meinung nach die Handschrift einer Autorin sehr stark. Die Cheesecakes sind durchkomponiert und treffen im schlimmsten Fall halt nicht den Geschmack. Ich fand beispielsweise den Limetten-Cheesecake etwas zu sauer, andere fanden ihn so genau richtig.
    Fazit: Geniales Cheesecake-Buch mit dem ich seit 2015 Spaß habe und noch lange nicht alle Rezepte durchhabe. Absolute Kaufempfehlung!

    • Katharina

      Dank Dir für Deine begeisterten Zeilen. Magst uns und den anderen deine drei Rezeptfavoriten mitteilen? Danke!

  2. Katharina

    Selbst kann ich mich nicht sehr für Cheesecakes begeistern, aber mein Partner umso mehr. Daher habe ich auch die (englische) Ausgabe des Buchs und schon einige Rezepte daraus gebacken, die alle gelungen sind. Und die meisten Kalorien davon sind – hurra! – ausnahmsweise nicht an meinen Hüften gelandet…

    Zuletzt, nämlich gestern, den hier vorgestellten Pekannuss-Kuchen. War auch super, obwohl ich mit der Karamellmasse Schwierigkeiten hatte, sie hat lange gebraucht, bis der Zucker geschmolzen ist und war hinterher nicht glänzend (ich habe aber auch die Eier weggelassen, weil ich rohes Ei in einer Glasur nicht mag). Vielleicht lag’s daran.

    Aber sonst: für Cheesecake-Fans ein Must!

    • Katharina

      Dank Dir für Deine Erfahrungen – und den Hinweis, dass die Ergebnisse magisch den Hüftgold-Entrance ignorieren. 🙂

  3. Maren

    Das ist ja ein Ding, dass in der deutschen Ausgabe die Füllung für den Schwarzwälder-Kirsch-Käsekuchen weggelassen wird! Hier die Angaben aus der englischen Ausgabe (ja, ich habe beide …):

    For the filling:
    300 g/ 1 1/3 cups cream cheese
    250 g/ generous 1 cup ricotta
    4 eggs
    400 g/ 1 3/4 cups condensed milk
    200 g/ 7 oz. dark chocolate, melted and cooled

    • Katharina

      Maren, herzlichsten Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, hier die Füllung zu ergänzen und Dietmars Kritik zu bestätigen. Sehr hilfreich.
      (Ja, und auch ich habe einige Bücher gleich doppelt – deutsch und englisch). 🙂

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