Backbuch von Gaitri Pagrach-Chandra: Warm Bread and Honey Cake

Backbuch von Gaitri Pagrach-Chandra: Warm Bread and Honey Cake ★★★★★

Warm Bread and Honey Cake
Gaitri Pagrach-Chandra, Vanessa Courtier
Anova Pavilion (2009)

Annick Payne

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

„Warm Bread“ ist auch in einem gefüllten Kochbuchregal eine willkomme Ergänzung, denn die bunte Lebensgeschichte der Guyanerin Gaitri Pagrach-Chandra schlägt sich in ihren Rezepten nieder, ihre indischen Wurzeln, der jüdische Hintergrund ihres Mannes sowie ihre Wahlheimat Niederlande hinterlassen alle ihre Spuren, die Türkei, China und das k.u.k. Östterreich-Ungarn sind ebenfalls wohl vertreten.

Nach Katjas Rezension von Pagrach-Chandras Süßigkeitenband und Katharinas Shortbread-Schwärmerei lag die Messlatte für „Warm Bread and Honey Cake“ entsprechend hoch, um so erfreulicher, dass die Autorin es schafft, ein eigenwillig anderes Backbuch vorzulegen, dass ungewöhnliche bis unbekannte Rezepte zusammenführt, die meist einfach zu backen sind und anstandslos gelingen. Was will man mehr?

Das Layout ist ruhig und unaufdringlich, nach den bunten Cupcake-Publikationen, die gefühlt allgegenwärtig sind, zeugt dieser Band mit seinen hübschen Abbildungen alter Holzformen etc. fast schon ein wenig von „old Europe“. Nur stimmt das nicht, denn die Rezepte stammen oft genug von weiter her. Der aufmerksame Betrachter kann hier und da ein Quäntchen Humor entdecken, wenn beispielsweise ein Rezept mit einem leeren Teller illustriert wird – das war dann wohl lecker…

Besonders gefällt mir der Stil der Autorin, der informativ, aber nicht belehrend alle nötigen Kenntnisse vermittelt und die Rezepte in den Kontext ihrer Lebensgeschichte, dennoch aber nie die eigene Person ins Rampenlicht stellt. Nach einer allgemeinen Einführung zu den wichtigsten Backzutaten teilt sich der Band in fünf nach Themen angeordneten Rezeptkapitel, die jeweils wichtigsten Hintergrundinformationen werden vorab dargeboten. Im ersten Kapitel „Flatbreads“ treffen indische Fladenbrote auf türkische. Das folgende Kapitel „Yeast Breads, Cakes & Rolls“ trägt den klangvollen Untertitel „pampering your dough for fantastic flavour“ – ja, wer gönnt seinem Teig nicht ab und an mal eine kleine Wellnesskur?

Neben kunstvoll gerolltem niederländischen Hefe-Gewürzzopf und Früchtebrot locken u.a. Exoten wie jamaikanisches Brot, eine kitschig-pinke Kokosroulade aus Guyana, russische Quarktaschen und chinesische Kastanienbrötchen. Das nachfolgende Kuchenkapitel setzt Akzente in den Kategorien Obst-, Gewürz-, Schokoladen-, Nuss-, Kokosnuss- sowie andere Kuchen. Auch hier lässt sich unabhängig von der eigenen kulinarischen Prägung sicherlich für die meisten Leser viel Neues entdecken. Zu karibischen Kuchen und niederländischen Gewürzexplosionen gesellen sich ungarische Nussschnitten und australische Lamingtonwürfel.

kochbuchautorin-gaitri-pagrachWer nun denkt, hier trifft zuviel zu Verschiedenes aufeinander, irrt, denn die Autorin schöpft aus reicher eigener Erfahrung mit unterschiedlichsten Einflüssen und kann diese Rezepte überzeugend thematisch zusammenführen. So findet man dann auch einen nicht ganz ungefährlichen Auflauf aus ihrer südamerikanischen Heimat mit im rohen Zustand giftigen Maniokwurzeln (vom Abschmecken während der Vorbereitung wird abgeraten, auch wenn es eher unwahrscheinlich sein soll, dass man eine tödliche Dosis konsumieren würde!).

Bei den „Small Cakes, Pastries & Savouries“ lerne ich im ersten Rezept, dass die Stadt Gouda für ihre karamellgefüllten Waffeln berühmt ist; und für Butterkekse wie das köstliche Zitronenshortbread. Ein dankbares Rezept, das auch in der Wirklichkeit nicht hinter der attraktiven Abbildung zurückbleibt. Mit viel Verständnis lese ich, dass Gaitri eine langjährige Schwäche für chinesische Bohnen-Küchlein hat; das erinnert mich an eine Phase mit sehr regelmäßigen Testverköstigungen in den verschiedenen Bäckereien Chinatowns. Wenn ich diese zu Hause wieder aufleben lassen will, habe ich nun das gleich mehrere geeignete Rezepte. Kleine gefüllte Teigtaschen, ganz gleich aus welcher Ecke der Welt, haben einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen und in meiner Küche, und ich freue mich darauf, aus diesem Band noch einiges zu diesem Thema ausprobieren zu können.

Das letzte Kapitel „Leaf & Thread Pastries“ beginnt mit einem Rezept für Strudelteig. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass Gaitri in allem Recht hat, wenn sie also sagt, es sei keine Frage großen Könnens, sonder nur der Geduld, dann also her mit dem Strudelteigrezept. Das wird bei nächster Gelegenheit ausprobiert. Ebenfalls auf meiner Liste stehen noch die ungarischen mit Feta und Petersilie gefüllten Pogatschen, und kleine, curryschwangere Hähnchenpies. Hefestuten, Gewürzschnitten, Muskat-Rum-Kuchen, Ricottatart mit Himbeeren, Ma’amoul oder doch lieber Ischler Törtchen? So schnell wird die Kaffeetafel wohl nicht lagweilig werden.

Vom zahmen Cover nicht täuschen lassen, dieser Band enthält ein Feuerwerk an richtig guten Rezepten in einer Bandbreite, dass für jeden etwas dabei sein sollte. Und selten habe ich erlebt, dass Rezeptanweisungen so aufs i-Tüpfelchen genau stimmen. Kategorie: keinesfalls verleihen!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2014

6 Kommentare

  1. Katja

    Danke liebe Annick, nach Sugar & Spice konnte ich Deine Rezension kaum erwarten – hab’s gerade bestellt 🙂

  2. Kat

    Tolle Besprechung, doch wo kriege ich das Buch denn nun neu her? Bei Amazon jedenfalls nicht…

    • Katharina

      Huch, sorry, falsch verlinkt – jetzt bitte einmal klicken. Ganz normal über Amazon. 🙂

      • Kat

        Da hätte ich aber auch mal selber drauf kommen können 🙂 Super, vielen Dank! Tolle Arbeit übrigens.

  3. Dorothea

    Wieder einmal eine so verlockend klingende Besprechung, dass man versucht ist, sofort auf Bestellen zu klicken…Vielen Dank dafür, richtig toll geschrieben!

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