Backbuch von Franziska Schweiger: Weihnachts-Bäckerei

Backbuch von Franziska Schweiger: Weihnachts-Bäckerei ★★★★★

Die Alle Jahre wieder Zimtstern & Vanilleduft
Weihnachts-Bäckerei
Franziska Schweiger, Fotos Anke Schütz
GU Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Katharina Höhnk

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Franziska Schweiger (Foto unten), Konditorin und Patissière aus München, täglich im Sterne-Restaurant Schweiger2 mit ihrem Mann, dem Privatsender-Koch Andy, oder in ihrer Patisserie anzutreffen, hat sich der Plätzchenzeit angenommen. Ein Projekt mit Fallhöhe. Denn einerseits hat die Leserin eine genaue Vorstellung, wie das Vanillekipferl zu munden hat, andererseits dürstet sie nach Inspiration, neue alpine Bergwipfel im Plätzchen-Sinn zu erklimmen, dessen Aufstieg aber definitiv machbar sein muss.

backbuch-franziska-schweiger-weihnachtsbaeckereiDas 128-Seiten-Büchlein Die Alle Jahre wieder Zimtstern & Vanilleduft Weihnachts-Bäckerei aus dem Hause GU kommt zunächst in bekannter Manier daher: die optisch gediegene Gestaltung legt sich bei dem Verlag wie eine wohlige Wolldecke über alle Neuerscheinungen gleichermaßen, dass das kulinarische Profil der einzelnen in den Hintergrund tritt. Das ist schön im modernen Heimeligkeits-Look anzusehen (obwohl ich persönlich einen Freudenschrei in den Himmel schicken werde, wenn der verspielte Landhausstil abgelöst wird). Die Texte sind dabei lieblich und etwas persönlich, aber keinesfalls pudrig übersüßt (Katja Mutschelknaus war mit von der Partie.)

Wagen wir einen kulinarischen Blick. Es offenbaren sich wohlgeformte Kekse, die sofort verraten, dass man für Verzierungen keinesfalls einen halben Tag in der Küche stehen muss und der Griff in die billige Trickkiste, nämlich der Welt der blinkenden Streusel ausfällt. Das wirkt angenehm unangestrengt. Meine pragmatische Seite frohlockt.

Die Plätzchen von Franziska Schwieger verteilen sich kapitelmäßig auf Ausgerollt und ausgestochen, Feines aus der Tülle, Von Hand geformt, gerührt und geknetet und Der feine Rest vom Fest (!). Es finden sich einige Lieblingsklassiker wie Spitzbuben, Wiener Kaprizen und Vanillekipferl. Daneben – appetitanregende Variationen wie Gugelhupf mit Schokohefeteig, Anislaiberl mit Mandarine und Bärentatzen mit Knusperkrutze. Die Dessert- und Kuchenideen haben mich übrigens sehr angesprochen. Besonders die sagenhafte, aber zeitintensive Honigkuchentorte mit einer Füllung aus Walnüssen, Äpfeln und Rosinen. Sie klingt so festlich, dass sie bei uns am 25.12. auf den Tisch kommen wird. Und die Idee mit den Keks-„Resten“, die in Desserts ihre Wiedergeburt feiern, springt nicht nur auf den Gaumen, sondern nimmt ganz und gar für sich ein. Das Büchlein hat es konzeptionell in sich.

backbuch-franziska-schweiger-die-alle-jahre-wieder-zimtstern-und-vanilleduft-weihnachtsbaeckerei-inside-valentinas

Unsere Keksdose wurde für diese Rezension verfrüht – und zeitgleich mit dem Eintreffen der Weihnachtsmänner in den Supermärkten – gefüllt mit einer Auswahl, bei der ich die Bandbreite von easy bis aromatisch gewagten Rezepten gewählt habe. Franziskas Rezeptideen haben nicht nur krümelige Zufriedenheit, sondern glückliches Strahlen verursacht – wegen der feinen Aromen. Hier setzt die Autorin das Ausrufezeichen – und in Sachen Süße haben wir glücklicherweise eine Wellenlänge. Es trat außerdem die Einsicht zutage, dass es auch für ein Keks von Vorteil sein kann, unterschätzt zu werden. Die Makronen mit Paranüssen und Kaffee sind braune, nun ja, in so einem Fall sagt man wohl aparte Teighäuflein, aber der Gaumen, der ja nur etwas Schokiges erwartet, steht kurz still der vielen sich schmiegenden Nuancen. Zu den Baiserstangerl lässt sich nur sagen: Es gab sie eine Stunde. Und selbst die easy-Kekse haben das gewisse Etwas, das sich der Aufmerksamkeit sicher sein kann. Wirklich großartig.

Franziska Schweigers Büchlein setzt sich als Traditionalist in Szene, aber ist viel mehr. Seine Rezepte sind der perfekte Bogen zwischen ewigen Lieblingen und neuer Inspiration, die auf zeitintensive Deko-Akrobatik verzichten. Das Interessante an ihnen sind die Zutatenliste und Zubereitung. Die Autorin versetzt damit gekonnt den Gaumen in Glückszustand: unverhofft stimmige Aromenklänge haben hier ihre beste Zeit.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2014

Meistgelesen

Themen A-Z