Backbuch von Franz Ziegler: Plätzchen süß und pikant

Backbuch von Franz Ziegler: Plätzchen süß und pikant ★★☆☆☆

Plätzchen süß und pikant
Franz Ziegler
Matthaes Verlag, 2014

Dietmar Adam

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Weihnachtszeit ist Plätzchenzeit. Ich vermute mal, das ist nicht nur bei mir so. Eigentlich schade, dass in der restlichen Zeit des Jahres Kleingebäck eine derart vernachlässigte Rolle spielt, denn gute Rezepte gibt es schließlich zuhauf.

Schon im Vorwort versucht der Schweizer Meisterkonditor seine Leserschaft zum Plätzchenbacken zu animieren mit dem Hinweis, die Rezepte seien doch meist recht einfach und schnell in die Tat umgesetzt. Aber so ganz stimmt das dann ja doch nicht, zierliches Gebäck benötigt nun mal einen größeren Zeitaufwand. Und noch ein anderer Grund spricht leider gegen die Ausweitung der Plätzchenzeit aufs ganze Jahr; wer kennt das nicht, dieses Sättigungsgefühl nach Wochen der Schlemmerei mit Süßigkeiten, diesen ermatteten Blick auf die letzten vertrockneten Weihnachtsplätzchen, die noch ihrer Bestimmung harren.

Backbuch-franz-Ziegler_Plaetzchen-insideAber zum Buch. Das erste Blättern hinterlässt einen etwas zwiespältigen Eindruck. Einerseits durchaus interessante Rezepte, vor allem Schweizer Provenienz, die ich schon längst einmal nachbacken wollte. Zum anderen kann ich mich mit der Optik nicht so recht anfreunden. Dabei bin ich auf diesem Gebiet eigentlich ein eher toleranter Mensch ohne besonders ausgeprägte Vorlieben. Aber hier kommt mir das Layout wie ein leicht anarchischer Mischmasch von Ideen und Gestaltungselementen vor, allein schon die vielen verwendeten Schriften und Farben schaffen eine erhebliche Unruhe. Und dann kommen auch noch überflüssige anbiedernde Bemerkungen wie „so schmeckt es uns“, „so simpel“, „Auszeit für die Seele“ oder „unsere gesündesten“, wobei unerwähnt bleibt, was denn an dem Rezept so besonders gesund sein soll (ich vermute mal das Vollkornmehl).

Nun aber zu den Rezepten. Auch hier will bei mir nicht die reine Freude aufkommen. Natürlich handelt es sich bei vielen um längst bekannte traditionelle Gebäcke, was will man da groß verändern. Und doch hat sich der Autor einiges einfallen lassen, was jedoch bei mir teilweise auf wenig Gegenliebe stößt und in die Kategorie Schnickschnack eingeordnet wird, etwa wenn für die Amaretti noch ein Unterbau aus mit Ganache gefüllten Schokoschalen angefertigt werden soll.

Backbuch-franz-Ziegler_Plaetzchen-autorWas mich jedoch viel mehr gestört hat, sind die zum Teil gewaltigen Mengen, die in den Zutatenlisten auftauchen. Nur ein Beispiel: für die eher zierliche Butterrose sind insgesamt fast zwei Kilo Zutaten veranschlagt. Das dürfte selbst für eine Großfamilie übertrieben sein, vor allem, wenn man mehrere Plätzchensorten vorbereiten möchte. Ich empfinde es als Zumutung, wenn es dem Leser überlassen wird, die Zutaten auf ein passendes Maß herunterzurechnen. Auch die schon angesprochenen Amaretti habe ich aus diesem Grund nicht nachgebacken, allerdings hat mich auch die große Zuckermenge abgeschreckt (400 Gramm Puderzucker auf 4 Eiweiß und 250 Gramm Mandeln, anschließend werden die Amaretti noch in Sirup getränkt). (Foto links: der Autor)

Gefreut hatte ich mich auf die pikanten Plätzchen, die der Untertitel verspricht. Es sind jedoch nicht gerade viele Rezepte und auch hier tauchen wieder neben schlichten Rezepten für typisch schweizerisches Käsegebäck Kreationen auf, die ich als ein wenig überkandidelt empfinde. Einige Seiten scheinen hier aus einer anderen Publikation übernommen worden zu sein, worauf das abweichende Layout und vor allem der Vermerk, wie viele Stücke das Rezept ergibt, hindeutet. Diese Angabe wäre auch bei den anderen Rezepten hilfreich gewesen.

Schade, dass so viele negative Annotationen den Blick auf an und für sich empfehlenswerte Rezepte trüben. Denn dass der Autor sein Handwerk beherrscht, steht außer Frage.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2014

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