Backbuch von Emily Mainquist: Sweet Vegan – Die besten Rezepte

Backbuch von Emily Mainquist: Sweet Vegan – Die besten Rezepte ★★★★★

Sweet Vegan – Die besten Rezepte
Emily Mainquist, Penny de los Santos, Umschau Verlag

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Stefanie Will

Von

Eine der tollsten (wenn auch oberflächlichsten) Erfahrungen, die ich mit einer veganen Lebensweise gemacht habe: Man muss viel essen, um nicht zu sehr abzunehmen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Wenn nur mehr Menschen davon wüssten – die Diätindustrie könnte sich gehackt legen. Das dachte ich jedenfalls. Bis ich „Sweet vegan“ in die Finger bekam. Die Autorin, Emily Mainquist, ist Amerikanerin und führt in Baltimore, Maryland ihre eigene, vegane Konditorei „Emily’s Desserts“. Das Geschäft läuft gut, was mich nicht weiter wundert, verkauft sie dort doch die selben Köstlichkeiten, die sie nun auch in ihrem ersten Buch vorstellt: feinstes Hüftgold in XXL wie man es in den Staaten nunmal gewohnt ist …

Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Ich liebe die USA. Meine Mutter ist Amerikanerin, ich also auch. Einzig die landestypischen Megaportionen, die meist zwei bis vier Lagen haben und obsessiv mit Frischkäse- oder Buttercreme gefüllt, abgedeckt, ummantelt und zugespachtelt werden, habe ich nie so richtig verstanden. Und hier tut sich auch das erste Problem auf: Während man für die vegane Buttercreme einfach Pflanzenmargarine verwendet, ist veganer Frischkäse schwer zu bekommen. Ich konnte in Hamburg nur einen Laden finden, der ihn führt: Veganz (Onlinebestellung möglich über veganz.de). Problem Nummer zwei: Er ist teuer, und Sie werden, wie Sie vermutlich schon ahnen, raue Mengen davon brauchen.

Alle ausprobierten Rezepte haben geklappt

Das sind aber auch schon die einzigen Hürden, die auf Sie zukommen könnten. Von etwaigen Gewichtsproblemen mal abgesehen. Denn alle, wirklich alle Rezepte, die ich getestet habe, waren außerordentlich köstlich, (relativ) leicht zuzubereiten und gelangen immer auf Anhieb perfekt. Die Zimtschnecken (mit Frischkäseüberzug) zum Beispiel. Ein Klassiker, den ich schon als Kind liebte. Von Cinnamon Buns, wie sie in Amerika heißen, träumte ich bereits Wochen bevor wie in die Staaten flogen. Aber die Rezepte in „Sweet vegan“ sind nicht nur ein Gaumenschmaus – bei einigen bekommen Sie auch noch viel mehr als erwartet: Das „Black Bottoms“-Rezept etwa, Schokomuffins mit (was sonst?) Frischkäsetopping, ergibt 18 statt der angegebenen 14 Stück. Oder die Bananen-Walnuss-Muffins: „Mein Mann liebt sie so sehr, dass ich sie für ihn mindestens drei Mal die Woche als zweites Frühstück backe“, schreibt die Autorin. Ein Rezept soll acht Stück ergeben. Macht also 24 Stück pro Woche für den Gatten. Und das als zweites Frühstück. Respekt. Ich habe das Rezept exakt nach Anleitung gebacken, stand am Ende mit zwölf statt acht Küchlein in der Küche und fragte mich, was bei Familie Mainquist morgens wohl sonst noch so auf den Tisch kommt. Eine Menge, wie sich schnell herausstellte …

sweet-vegan-mainquistEin ganzes Kapitel ist der ersten Mahlzeit der Tages gewidmet. Den Anfang macht irritierender Weise kein Gebäck, sondern ein Müsli. „Gegen das schlechte Gewissen?“, frage ich mich. Vermutlich. Denn gleich im Anschluss folgen, na klar, Muffins. Weiter geht’s mit den Kapiteln „Pies, Tartes, knusprige Kuchen“, „Torten, Rührkuchen, Cupcakes“, „Plätzchen, Brownies und Riegel“ und zu guter Letzt: „Desserts und Süßigkeiten“ – als wären die Rezepte in den ersten vier Kapiteln nicht schon süß genug, finden sich darin sündige Schweinereien wie Pekannüsse mit Zimt und Zucker oder Schokoladenmousse (natürlich auf Frischkäsebasis) im Schokoladenbecher. Der lässt sich übrigens recht leicht herstellen, wie die Schritt-für-Schritt-Bilder der Fotografin Penny de los Santos anschaulich machen: einfach kleine, aufgeblasene Luftballons zur Hälfte in temperierte Schokolade tauchen, trocknen lassen und die entstandenen Halbkugeln abnehmen. Toll! Insgesamt sind alle Fotos wunderschön, machen Appetit, sind weder schnörkelig noch extravagant und hätten auch in meiner Küche aufgenommen worden sein können. Very down to earth, wie die Amis sagen, und ganz mein Geschmack. Sehr schade finde ich allerdings, dass nur 46 der insgesamt 70 Rezepte im Bild gezeigt werden. Dafür kommen einige Rezepte mit bereits erwähnter Schritt-für-Schritt-Bebilderung sehr ausführlich daher.

Mainquists glutenfreie Mehlmischung

Fairerweise muss ich an dieser Stelle sagen: Nicht alle Rezepte sind XXL-Kalorienbomben. Gut, da sind zum Beispiel die Schokotorte mit Karamell-Nuss-Creme, die Kokostorte oder die dreilagige Himbeer-Buttercremetorte. Letztere ist übrigens – wie einige andere Rezepte auch – glutenfrei. „Nach vielen Fehlschlägen mit Kuchen, deren Konsistenz an Dachziegel erinnerte“, so die Autorin über ihre Erfahrung mit glutenfreiem Mehl aus dem Supermarkt, entwickelte sie ihre eigene Mischung aus Reismehl, Kartoffel- und Tapiokastärke. „Mit ihr gelingt lockeres und feuchtes Gebäck.“ Stimmt. Der glutenfreie Zucchini-Schoko-Kuchen ist saftig, fluffig und eines der weniger sündhaften Rezepte in diesem Buch. Vermutlich findet man ihn deshalb im Frühstückskapitel.

Fazit: Fünf Sterne für ein rundum perfektes Backbuch, das mich einzig ob der amerikanischen Essgewohnheiten zum Schmunzeln, aber niemals zum Verzweifeln brachte. Alle Rezepte gelangen perfekt, schmeckten herausragend gut und ergaben oft mehr als erwartet. Ob das nun an den Rezepten liegt, an deren Übersetzung oder aber an den US-Backformen, die größer als unsere europäischen sind – ich weiß es nicht. Und mal ehrlich: Es gibt wirklich Schlimmeres. Kuchen kommt bei mir aber auch in Zukunft nicht auf den Frühstückstisch, denn für mich fallen alle Rezepte dieses Buches in die Kategorie „Desserts und Süßigkeiten“. Und meine These, dass man als Veganer viel essen muss, um nicht abzunehmen, kann ich jetzt auch in die Tonne treten.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2013

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