Backbuch von Donna Hay: Modern Baking

Backbuch von Donna Hay: Modern Baking ★★★★☆

Modern Baking – Torten, Kuchen,
Cookies und mehr
Donna Hay, Fotos: Chris Court,
Ben Dearnley, William Meppem,
Con Poulus, Anson Smart
AT Verlag (2018)
Mehr über den Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Kochimperien gibt es zuhauf. Aber weibliche Unternehmerinnen sind auch hier abgezählt. Donna Hay ist eine der wenigen, die mit Geschäftssinn aus ihrer Begabung ein Medienunternehmen formte. Die Mutter von zwei Söhnen mit Wohnsitz in Sydney bespielt heute die gesamte mediale Bandbreite – und das weltweit von Büchern, Online, TV bis Merchandising.

Mit 19 Jahren begann sie als Food Editor bei dem australischen Modemagazin Marie Claire. Eine prägende Zeit. Denn genau die Nähe zum Thema Fashion zeichnet Donna Hay stilistisch aus: Ihre Rezept stehen für Basics und Frische, aber auch für eine moderne Inszenierung, die Leichtigkeit und Lifestyle ausstrahlt. Man könnte Donna Hay zudem als Erfinderin des arktischen Hellblaus nennen, das jeden Corn-Fritter noch knuspriger, jedes Rot Cocktailtomate noch aromatischer erscheinen lässt. Heute ist das Mainstream mit Donna Hay als Pionierin.

Ganze 26 Kochbücher hat Donna Hay (Foto unten) inzwischen veröffentlicht. Fans – wie unsere Sabine Cikic – haben ihre Favoriten. Dazu zählen z. B. Schnelle Küche mit Stil und Life in Balance. Backbücher aber eher nicht.

Trotzdem ist mein erster Eindruck ein glattes Wow. Es gab sogar Familienstimmen, die Modern Baking spontan als Paradies bezeichneten. Knapp 400 Seiten angenehm raues und festes Papier, das Butterspuren und anderes niemals übel nimmt. Zunächst taucht man in Rezeptkategorien für Schokolade, dann in Karamel & Kaffee, schließlich in Zucker & Gewürze, dann Obst & Beeren und final in Milch & Rahm ab. Backen wird weit ausgelegt. Süßes jeder Funktion ist gemeint und vor allem jede Art von Riegel.

Die Kapitel werden durchbrochen von kurzen Quick-Fix-Rezepten und solchen des Genres Fresh and Light. Erstere sind besonders kurzweilig im Hinblick auf die Zutaten und Zubereitung, Stichwort No-Baking. Das zweite greift den Foodtrend auf, auf weißen Zucker, Weizenmehl und weitere besonders industriell verarbeitete Zutaten zu verzichten. Rohkakao, Kokos, Vollkorn und brauner Zucker dominieren.

Modern Baking spiegelt sich aber nicht nur in den alternativen Zutaten wieder, sondern auch in den Backwerken selber mit nahöstlichen Ländereinflüssen wie Halva. Hier wird also neu dekliniert und kombiniert. Diese Summe von Ernährungstrends und humorvollen Neuinterpretationen liest sich durch und durch reizvoll.

Ein Beispiel: In dem Zucker-&-Gewürze-Kapitel finden sich Rezepte, die z. B. levantinisch-angelehnten Sirup für den Kuchen verwenden wie bei dem Mandel-Sirup-Kuchen mit Zitrone und Amaretto. Datteln wiederum kommen in die Earl-Grey-Doughnuts und Scones hinein. Für die „Fresh and Light“-Kategorie kombiniert Donna Hay poetisch Pistazien-Rosenwasser-Sauerkirsch-Würfel.

Schnitten, Riegel & Co.

Die Fülle an Möglichkeiten ist Stärke, aber auch Schwäche. Ich verlor angesichts des Meeres immer wieder den Fokus. Einmal probierte ich es damit, das Buch blind aufzuschlagen und es so dem Zufall zu überlassen, was ich backen würde. Auch verwirren die vielen Rezept-Redundanzen durch Varianten, die einmal unter einer Kategorie und dann bei einer anderen auftauchen. Das betrifft besonders die vielen Würfel, Schnitten, Riegel und Sandwiches. Ganz klar – die vierhundert Seiten mit 250 Rezepten hätten grafisch eine stärkere Strukturierung gebraucht. So trägt Modern Baking das Risiko des Lost-in-Paradise-Lesers.

Hatte ich den Auswahlprozess aber erst mal hinter mir gelassen, gelang das Nachbacken einfach mit den üblichen kleinen Abweichungen (Ofen!). Für die richtige Süße benötige ich manchmal weit weniger Zucker als Donna Hay. Aber geschmacklich kam ich vor allem mit meiner Zuneigung für fein, fluffig und fruchtig nicht zum Zug wie erwartet. Denn die Backwerke getreu Hays Heimat sind deutlich an der englischen und nordamerikanischen Tradition ausgerichtet: viel Teig, süßes Gekleckere und rustikal. Leicht und frisch verbinde ich nicht mit ihnen. Sie sind im Grunde der Gegenentwurf zu ihrem leichten Kochstil. Die Rezepte knüpfen – ähnlich wie Ottolenghi mit Sweet – an der Idee an, dass ein Stück Kuchen ein möglichst intensives und süßes Erlebnis offerieren sollte.

Donna Hays Modern Baking ist ein Mehr-Phasen-Buch: Zuerst betört es mit 250 Rezepten, die in einer Bilderflut münden. Schokolade, Karamell und Baiser geben nicht nur farblich den Takt vor. Danach tritt die Phase ein, in der gegenwärtige Einflüsse ins Auge fallen mit Datteln, Sirupen, Salzkaramell und Kokos. In der praktischen Anwendung macht sich dann bemerkbar, dass die typische Hay-Leichtigkeit fürs Backen ins Gegenteil verkehrt ist: Intensität in jeder Hinsicht. Wer das liebt, bei dem ist das Buch in den richtigen Händen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2019

4 Kommentare

  1. gabimieg@icloud.com

    Hallo Katharina,
    vielen Dank für die Antwort! Ich habe die tarte, die sehr gut schmeckt schon dreimal nachgebacken und dabei die Gelatine im Topf leicht erhitzt. Hat nicht geklappt, aber Gelatine ist mein Angstgegner.
    Allerdings ist mir jedesmal auch der Rand des Bodens während des Backenstreich nach unten gerutscht – ein befreundeter Konditor meinte, es liege am Rand.
    Vielen Dank für die schöne Seite, ich habe schon öfters (auch erfolgreich) Rezepte nachgelockt bzw nachgebacken.
    Viele Grüße

    • Katharina

      Angstgegner – sehr schöner Ausdruck für die Gelatine. Schmunzler!
      Rand ist bei mir der Angstgegner. Ich habe einmal in einem Backbuch eines frz Patissieres gelesen, dass es sehr wichtig sei, dass Boden und Rand tatsächlich 90-Grad-Winkel zueinander hat. Das mache ich auch brav. Kühlen ist ein weiterer Punkt, aber er rutscht leider immer noch etwas runter bei mir. Grrr. .-)

  2. Katharina

    Liebe Gabi, ich habe den Kuchen einmal nachgebacken, da hat es geklappt. Die Creme war fest, aber nicht schnittfest. Ich hatte sie im Kühlschrank durchkühlen lassen.
    Bei Gelatine kann es in der Tat an der Menge oder Fehler bei der Zubereitung legen.
    Gekocht werden darf Gelatine gar nicht, sondern nach dem Aufquellen gerade nur soweit erhitzt, dass sie schmilzt. Sonst geliert sie nicht mehr. Wie hast du sie denn ohne Erhitzen zubereitet?

  3. gabimieg@icloud.com

    Hallo,
    die Joghurt Panna Cotta Torte von Donna Hay schmeckt uns allen sehr gut. Ich habe sie deshalb schon zweimal nachgebacken, sie wurde jedoch mit den 2 tl Gelatinepulver nie fest. Beim zweiten Mal habe ich mehr dazugegeben, aber die Masse wurde nicht fest.
    Ich würde gern wissen, ob die Maßangabe wirklich stimmt (ich habe das gelatinepulver nicht gekocht 😉) oder was kann da schief gegangen sein?
    Vielen Dank!

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z