Backbuch von Conny Marx: Familienschätze

Backbuch von Conny Marx: Familienschätze ★★★☆☆

Familienschätze – Die besten Plätzchen aus Omas Backbuch
Conny Marx, Thorbecke Verlag
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Sabine Cikic

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Kein Schatz für mich. Schade!

Wunderschöne Plätzchenteller verspricht uns Conny Marx in ihrem Backbuch. Erinnerungen an die heile Welt unserer Kindheit und an Plätzchen, wie nur Omas sie backen konnten. Leider kann das Buch jedoch die Erwartungen nicht ganz erfüllen.

Die Enkelin Conny Marx hat sich daran gemacht, das Erbe ihrer Großmutter aufzuarbeiten. Diese backte und kochte leidenschaftlich gerne, so auch aus dem Kiehnle Kochbuch von ca. 1941, dessen Seiten gespickt sind mit ihren persönlichen Notizen und Kommentaren. Auf beinahe jedem Plätzchen-Foto ist das ehrwürdig gealterte Buch in Szene gesetzt, sodass die auf oder daneben liegenden Backwerke beinahe zur Nebensache geraten. Einerseits stimmungsvoll, aber auch ein bisschen zu nostalgisch in der Wiederholung.

Das kleine, gebundene Buch im A5-Format beginnt nach dem kurzen Vorwort mit knapp gehaltenen Informationen zum heutigen Backen im Vergleich zu früher, leider verbirgt sich hier allerdings nichts Neues. Es folgen Hinweise zur Lagerung von Plätzchen sowie den grundlegenden Zutaten Mehl, Vanille und Hirschhornsalz (bei letzteren verwundert ein wenig die enge Auswahl). Auf 6 ½ Seiten werden anschließend kurze Porträts zu Hirschhornsalz und Pottasche, Vanille, Mehlen, Zimt, Zitronat und Orangeat, Piment, Ingwer, Koriander und Gewürznelken geboten. Gespickt sind die Seiten bislang mit ganzseitigen Fotografien, sodass wir nach insgesamt 25 Seiten in den Rezeptteil purzeln.

Zu jedem der insgesamt 26 Rezepte gibt es wiederum eine ganzseitige Fotografie, sodass das Buch dem Auge durchaus einiges zu bieten hat. Auch der zweifarbige Schriftsatz (Schwarz und Gold) ist nett. Die Anleitungen sind als Fließtext formatiert, der jedoch durch deutlich erkennbare Aufzählungspunkte strukturiert ist, wodurch das Auffinden einer bestimmten Stelle erleichtert wird, wenn man zwischendurch mal das Buch zur Seite gelegt hat, um den nächsten Arbeitsschritt zu erledigen. Die Rezeptmengen wurden an heutige Gewohnheiten angepasst. Zumindest geht die Autorin davon aus, dass man eher 40-70 Plätzchen pro Rezept „rausbekommen“ möchte, anstelle von fast 200 Plätzchen bei Verwendung der originalen Mengen – ganz offensichtlich kennt die Autorin nicht meine gefräßige Wohngemeinschaft, aber sie hat ja recht. Auch altertümliche Gewichts- und Volumeneinheiten wie Pfund oder Schoppen wurden auf heutzutage gängige Einheiten umgerechnet und angepasst.

Der Eindruck, der sich bereits im Informationsteil einstellte, dass alles ein wenig unsortiert und willkürlich daher kommt, setzt sich leider auch bei den Rezepten fort. Wir springen von Bärentatzen über Haselnussbrötli zu Schokomakronen, gebrannte Mandeln tauchen auf (sind das Plätzchen?), ein Hexenhaus, zwei Stollen, später wieder Makronen, diesmal mit Grieß. Vielleicht kann man so wenige Rezepte auch nicht vernünftig sortieren, nach Teigarten zum Beispiel. Aber irgendwie irritiert mich das trotzdem, vielleicht hätte mir schon eine alphabetische Sortierung in diesem Fall besser geschmeckt.

Auch nach dem Testbacken einiger Rezepte kann ich mich nicht richtig mit dem Buch anfreunden. Conny Marx schreibt: „(…) also gilt bis heute: Mit Ruhe, Zeit und Muse (sic!) wird es besser, doch erst mit einer großen Portion Liebe, guten Zutaten und einem Weihnachtslied auf den Lippen wird es perfekt.“ Nein, denke ich, auch bei Punkrock können Rezepte gelingen, gute Zutaten, exakte Mengenangaben und präzise Anleitungen vorausgesetzt. Und so ärgere ich mich über 25 Haselnüsse, die für 40 Haselnussbrötli reichen sollen (nein, im Rezept steht nichts von halbieren, und dann wären es ja auch 50, und auf den Fotos sieht man zudem ganze Haselnüsse auf den Plätzchen sitzen), oder über viel zu flüssigen Karamell und klebrigen Teig bei den Engadiner Nussplätzchen.

Das Sammelsurium an Rezepten, die manchmal nur bedingt funktionieren, überzeugt mich leider nicht. Zusammen mit den immer mal wieder vorkommenden Rechtschreib- und Satzfehlern (z. B. S. 9, 85) werde ich ungnädig. Wenn ich dann noch bewerte, wie viele Rezepte man hier überhaupt fürs Geld erhält, tröstet mich auch die Optik nicht mehr – schade!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2011

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