Backbuch von Christin Geweke: I Love Berries

Backbuch von Christin Geweke: I Love Berries ★★★★☆

I Love Berries
Christin Geweke
Fotos Frauke Antholz
Hölker Verlag (2016)
Mehr über den Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Beeren sind die kulinarischen Juwelen der Sommerernte. Ihre leuchtenden Farben, die grazil-lieblichen Formen und ihre aromatische Feinheit wirken so verlockend, dass ich immer wieder das Budget vergesse und zugreife. Ihr Genuss pur ist für mich die erste Wahl – mit den Fingern in den Mund. Sie brauchen nichts, sie bringen alles mit. Aber dann wird die Saison plötzlich lang und sie gibt mir Zeit für Variationen mit ihnen.

Genau hier kommt das Buch I love Berries ins Spiel von Christin Geweke (Foto unten), die den Früchtchen Cremes und Kuchen zur Seite stellt oder sie auch zu Eis werden lässt. Vorkosterin der Rezeptkompetenz der Autorin war unsere Sylvia, die voll des Lobes war für das Backbuch zuvor, sodass ich nicht lange zögerte, nein, sogar sofort zugriff, als die Neuerscheinung eintraf.

Das Buch erscheint hübsch, rosa, lieblich, auch wenn die Typografie einen plakativen, etwas groben Gegenakzent setzen möchte. Für mich darf es immer etwas weniger herzig sein mit einer anschmiegsameren Schriftart. Handwerklich ist I love Berries wertig hergestellt, vorbildlich auf FSC-Papier.

Frühstück, Kaffee, Dessert & Spielereien

An die 40 Rezepte verteilen sich auf vier Kapitel: Frühstück, Kaffee, Dessert und Spielereien. Ich begab mich zunächst in die Welt des Nachtisches, erfreut, einige echte Exemplare zu entdecken – cremig (Quark-Mohn-Creme mit Erdbeermus), geschichtet (Blaubeer-Trifle) oder gleich ganz französisch (Crêpes mit Preisbeerkompott).

Denn Desserts sind rar geworden zugunsten der Kuchenbäckerei. Man könnte sogar regelrecht von einer Nachtisch-Verdrängung sprechen, finde ich. In Berlin ist aber bereits die Gegenbewegung ausgerufen, die Renaissance des süßen Ganges ist angelaufen – die erste Hauptstadt-Dessertbar wurde in Neukölln eröffnet.

Bei I love Berries wird nicht auf Restaurantniveau kreiert, sondern Homecooking ist der Fokus. Die Autorin bediente sich bei der Auswahl in den Länderküchen, die wir gut kennen: Es finden sich amerikanische Einflüsse (Frozen Blackberry Cheescake Cubes und Schoko-Pancakes mit Blaubeeren), italienische (Johannisbeer-Tiramisu), englische (Sponge Cake) und heimische im weitesten Sinne (Erdbeersuppe mit Joghurt-Kräuter-Nocken und Sanddorn-Gelee).

Beeren & Sahne

Die Rezepte sind aromatisch eher klassisch interpretiert, es werden viel Sahne, Frischkäse und Mascarpone verwendet. Aber sie hielten für mich als erfahrene Köchin durch die Komposition oder Ausführung immer eine kleine Unbekannte bereit, sodass ich Lust auf die Rezeptnovität hatte. Man wird also etwas gefordert, aber nie zu viel, sodass die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung sehr hoch ist. Einen Zitronenkuchen aus der Kastenform verfeinert mit Crème fraîche und gemahlenen Mandeln kennen wir, hier werden noch Rote Johannisbeeren hineingegeben. Das möchte ich diesen Sommer noch schmecken, vor allem weil der Garten meiner Mutter jedes Jahr vor Johannisbeeren überquillt.

Christin Gewekes Rezepte selbst sind sattelfest verfasst, quasi schnörkellos auf den Punkt gebracht. Sie verzichtet auf Geschichtchen und Erinnerungen, was ich angenehm erfrischend fand.

Der zweite praktische Aspekt  des Buches ist es, dass viele Rezepte auch mit TK-Beeren umsetzbar sind, d. h. Garteninhaber mit Beerensträuchern finden hier einen Rezept-Hafen, wenn die Ernte vorbei ist und der Tiefkühlschrank gut gefüllt ist. Die TK-Tauglichkeit ist in dem jeweiligen Rezept übrigens ausdrücklich erwähnt.

Dieses Buch bedient trendfremd keinerlei gesundheitliche Unverträglichkeiten oder Veganes. Zutaten, die schwer beziehbar sind, habe ich übrigens nicht gefunden, aber eine Abneigung gegen Milchprodukte sollte man nicht haben. Hier verschwinden schon mal 850 ml an Kokosmilch, Frischkäse, Magerquark und Sahne in einem Kuchen.

Echte Hingucker

In der Küche haben die Rezepte viel Spaß gemacht durch ihre pragmatische Anforderung, aber das reiche Ergebnis. Die Familie war aus dem Häuschen, da die Desserts toll aussahen – echte Beautys. Hier beweist die Autorin handwerklich-kreatives Geschick und Können – wie z. B. bei den Frozen Blackberry Cheesecake Cubes: Ein knuspriger Boden aus Amarettini, Mandeln, Zimt und Butter wird in die Icecube-Silikonform gegeben und festgedrückt, es folgen je eine Schicht fliederfarbene Brombeer- und weiße Creme. Dann gibt man sie zum Einfrieren in den TK. Das Herauslösen der dreischichtigen, kontrastreichen Cheesecake Cubes ist ganz einfach, und die Teilchen sehen wirklich wunderhübsch aus.

I love Berries ist ein Kochbuch im besten Sinne. Die Rezepte huldigen den Beeren, aromatisch bekannt, aber immer verfeinert und ideenreich. Man folgt der zielstrebigen Autorin von Mal zu Mal freudiger, denn die Verlässlichkeit der Rezepte und das optische Eyecatcher-Niveau sind Lohn, sich Zeit für den süßen Gang zu nehmen.

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2017

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