Backbuch von Christin Geweke: Das Märchen-Backbuch

Backbuch von Christin Geweke: Das Märchen-Backbuch ★☆☆☆☆

Das Märchen-Backbuch –
Rezepte & Geschichten
Christin Geweke
Hölker Verlag (2018)
Mehr über den Verlag

Julia Eckl-Dorna

Von

Ein Stern: Am besten umtauschen.

Es war einmal … ein Märchenbackbuch, bei dem der Verlag „Zauberhafte Backrezepte, die zu einer kulinarischen Märchenreise einladen, die uns auf Knusperpfaden in verschneite Puderzuckerwelten entführt“ versprach. Meine Kinder träumten davon, Märchen vorgelesen zu bekommen, während Pfefferkuchenhaus und Sterntaler im Rohr vor sich hin backen.

Ihre erste Enttäuschung folgte mit dem Aufschlagen des glitzernden Einbands: Keine Märchenfigur-Augen blicken ihnen freudig entgegen. Fünf Märchen werden ganz ohne Schneeweißchen-Illustration erzählt … Und kein Pfefferkuchenhaus und kein Knusperpfad sind auffindbar – der Klappentext führte uns nicht nur hier in die Irre.

Dennoch interessant stellt die Autorin im Vorwort die Gemeinsamkeiten heraus, dass alte Familienrezepte wie Märchen von Generation zu Generation weitergegeben werden. Und wie man sich gleichermaßen an guten Geschichten wie auch am Genuss leckerer Kuchen erfreuen kann. Hier sind meine Kinder und ich eindeutig einer Meinung mit ihr. Aber das war es dann auch.

Wie viel Märchen steckt in diesem Buch?

Eigentlich sind die Märchen nur Namengeber für die Kapitel wie „Schneeweißchen und Rosenrot – Klassisch schön“ oder „Frau Holle – Puderzucker und Schokolade“. Bei dem Abschlusskapitel „Prinzessin auf der Erbse – Fein und Zart“ konnten wir spätestens nicht mehr folgen, worin die Verbindung zum Puderzucker-Backen liegen soll.

Zu Beginn jedes Kapitels wird ein Märchen erzählt begleitet von Landschaftsbildern in ihren Jahreszeiten. Insgesamt findet sich eine bunte Mischung an Backwerken: Sowohl Klassiker – Schneller Nusskuchen und Blaubeer-Sahne-Torte – als auch moderne Interpretationen wie die Joghurt-Kirsch-Torte mit Amarettini haben ihren Platz.

Zum Weiterlesen

Mehr von Christin Geweke bei Valentinas

Die Rezepte selber haben mit den Märchen aber nur im weitesten Sinne zu tun. Im Kapitel Frau Holle finden sich (sehr schokoladenlastige) Lavaküchlein und Marzipan-Schokoladen-Röllchen. Dabei sind die Rezept-Fotos brav und unspektakulär – wie ganz der Gesamteindruck. Wie will man damit Kinder begeistern? Aber auch auf mich will kein Funken überspringen. Die Melange wirkt seltsam unausgereift.

Mutig voran

Beim Nachbacken entscheide ich mich für die Schoko-Quark-Hörnchen zunächst, die dann aber eine trockene Angelegenheit werden. Das kann daran liegen, dass Magerquark und keine Butter verwendet wird. Aber auch die Linzer Tartelettes und die Fruchtigen Nussschnitten wollen einfach nicht saftig schmecken. Meine (backverwöhnte) Familie beschreibt den Geschmack schlichtweg als fad, und auch meine sonst sehr motivierten Testesser können für die Ergebnisse keine Begeisterung entwickeln. Es fehlt den Backwerken an Pep. Für uns gibt es dann kein gutes Ende – nach vier Rezepten breche ich ab.

Das Märchen-Backbuch wirkt auf mich konzeptionell nicht zu Ende erzählt in dem Sinne, als dass die vielen Elemente von Märchen, Rezepten und Bildern nicht schlüssig zusammenfinden. Darüber hinaus begeistern uns die süßen Backwerke in keinster Weise märchenhaft und zauberhaft, sondern hinterlassen eindeutig einen uninspirierten Eindruck. Schade, das ginge alles besser.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2019

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z