Backbuch von Christelle Huet-Gomez: Crumb Cake

Backbuch von Christelle Huet-Gomez: Crumb Cake ★★★★☆

Crumb Cake – Süß und herzhaft
Christelle Huet-Gomez
Fotos: Valéry Guédes
Neuer Umschau Buchverlag (2018)
Mehr über den Verlag

Julia Eckl-Dorna

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Streuselkuchen (im englischen Crumb Cake) ist in meinem Freundeskreis ein beliebtes Mitbringsel für allerlei Feste, denn mit der Kombination aus weichem Boden und knusprigem Streusel liegt man immer richtig. Aber genügt das als eigenständiges Thema für ein ganzes – zugegebenermaßen kleines – Backbuch?

Der Einband des Buches ist nicht besonders aufregend, ein wenig bieder arrangiert wirken die Streusel und Obststücke auf einer Marmorplatte. Aber das Versprechen, dass es hier um süße als auch herzhafte Streuselkuchen geht, lässt mich aufhorchen, denn für diverse Experimente in der Küche (und „Lachs-und-Dill-Streuselkuchen“ klingt danach) bin ich als passionierte Wissenschaftlerin immer offen.

Patisserie als Leidenschaft

Viel lässt sich über die französische Kinderbuch- und Kochbuchautorin Christelle Huet-Gomez nicht herausfinden, da ihr Blog ausschließlich in französischer Sprache gehalten ist. Nur so viel: Sie hat bisher 11 Kochbücher verfasst, von denen einige auch auf Deutsch erschienen sind. Ihre Werke beschäftigen sich ausschließlich mit diversen Kuchenarten und tragen so klingende Namen wie „Zauberkuchen“ oder „Kuchen steht Kopf“.

Patisserie ist für Huet-Gomez also kein Neuland. Die Gestaltung ihres vorliegenden Buches ist benutzerfreundlich, aber nicht unbedingt einfallsreich. Die Kuchenstücke sind meist auf Kuchengittern oder Tellern präsentiert und wirken etwas lieblos und rasch arrangiert. Die Präsentation der Rezepte ist übersichtlich, allerdings frage ich mich, ob kleine Fotos von Ananas, Kokosnuss sowie einem Glas Milch als Leitbild wirklich nötig sind, wenn im Titel bereits Ananas und Kokosnuss geschrieben stehen. Das grafische Konzept ist irgendwie nicht schlüssig.

Aber nun zum wirklichen Herzstück eines jeden Koch- und Backbuchs – den Rezepten. Eingeteilt ist das insgesamt 33 Rezepte umfassende Buch in „Klassiker“, „Mit Früchten“, „Für Schlemmer“, „Mit Schokolade“, „Mit Kekstopping“ und „Herzhaft“. Das letzte Kapitel umfasst allerdings zu meiner Enttäuschung nur 4 Rezepte.

Die Empfehlung, bei einigen Rezepten Fertigprodukte zu verwenden (wie zum Beispiel fertige Fruchtsaucen als Beilage oder Schoko-Karamell-Kaubonbons als Topping), irritiert mich etwas und passt für mich nicht zu dem Konzept selbst gemachter Kuchen.

Streuselkuchen in allen Facetten

Die herzhaften Streuselkuchen erobern uneingeschränkt mein Herz. Die Kombination aus Tomaten, Zucchini, Räucherspeck mit Gruyère (bei mir reifer Bergkäse) im Teig ist äußerst stimmig und die knusprigen Streusel aus Pinienkernen und Ricotta stellen dazu eine perfekte Ergänzung dar.

Ebenso überzeugend ist die klassische Lachs-Dill-Kombination, hier wird bei den Streuseln die Hälfte des Mehls durch Brösel ersetzt und der dadurch krosse Streuseldeckel hält den Lachs richtig saftig. Auch bei den süßen Kombinationen zeigt sich, dass der Streusel die Saftigkeit der Früchte unterstreicht.

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Gekonnt variiert die Autorin beliebte Fruchtkombinationen durch Zugabe einzelner Gewürze. So werden für den Belag die Äpfel und Birnen karamellisiert und der Kuchen bekommt durch Kardamom eine orientalische Note. Auch die gemischten Beeren werden durch die Säure der geriebenen Limettenschalen aufgepeppt. Leider kommt die Raffinesse, mit der Huet-Gomez die Streusel bei den pikanten Kuchen variiert hat, bei ihren süßen Kuchen gar nicht zum Einsatz. Bis auf wenige Ausnahmen, wo den Streuseln etwas Vanilleextrakt oder Spekulatius beigemischt wird, besteht der Belag so gut wie immer aus Butter, Vollrohrzucker und Weizenmehl. Das ist  schade, da hier durchaus noch mehr an Kreativität und Knusprigkeit zu holen wäre.

Das Buch hat mich überzeugt, dass Streuselkuchen ihren eigenen Platz am Rezepthimmel verdienen. Hier wird gezeigt, dass mehr Variationsmöglichkeiten als nur Apfel- oder Pflaumenstreuselkuchen möglich sind. Für den letzten Schritt in Valentinas-5-Sterne-Reich hat ein Funken Experimentierfreudigkeit – Stichwort Streusel – gefehlt, aber Bodenständigkeit hat seine Qualität.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2019

2 Kommentare

  1. Corinna

    Ich LIEBE Streusel und habe musste deshalb unbedingt dieses Buch haben, da ich mir hier auch schnelle und einfache Rezepte ohne großen Aufwand versprach. Allerdings war ich sehr enttäuscht über die minimalen herzhaften Rezepte. Die Rezension hatte ich zwar gelesen aber diesen Satz wohl überlesen oder ignoriert…. 🙂

    Der erste Kuchen den ich nachgebacken habe, war mit Brombeeren und soo lecker. Die anderen Rezepte sehen auf den ersten Blick auch lecker aus und alles in allem finde ich ein gutes Buch für schnelle Kuchen und auch eine gute Resteverwertung für übrig gebliebenes Obst und Gemüse. Danke dafür und weiter so 🙂

    • Katharina

      Dank Dir herzlichst für Feedback und Hinweis. Brombeeren – liebe ich auch. 🙂

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