Backbuch von Cathérine Jamin: Backen

Backbuch von Cathérine Jamin: Backen ★★★☆☆

Backen – Meine Backrezepte für jeden Tag
Cathérine Jamin, TreTorri Verlag (Relaunch 2014)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Frankfurter Kranz, Bienenstich, Schwarzwälder Kirschtorte – schon die Namen der Kuchenklassiker lösen bei mir den Wunsch aus, sie sofort zu kosten. Auch jetzt am frühen Morgen, da ich meine Resümée zu Cathérine Jamins Buch Backen – Meine Backrezepte für jeden Tag aufschreibe. Meine Erinnerungen an vergangene Genüsse waren der Anlass für das Interesse an der Neuerscheinung der Frankfurter Konditormeisterin. Denn die Krux mit den wunderbaren Kuchen ist es, dass nur wenige Konditoreien sie so gut zubereiten, dass meine Nostalgie beglückt und nicht enttäuscht wird. Warum also nicht lieber selbermachen? 

Cathérine Jamin hat ihr Backbuch nach Teigarten und Kuchen gegliedert. Sie beginnt u. a. mit Hefe- und Mürbeteig, fährt fort mit deutschen, französischen und österreichischen Klassikern sowie Schokoladen- und Obstkuchen mit Steinobst. Den fünf verschiedenen Teigarten ist eine „Backschule“ vorangestellt. Hier wird die Zubereitung des Basisteiges erläutert. Die Zutatenlisten sind tendenziell umfangreich, dabei manchmal mit speziellen Zutaten gespickt wie Saftstopp, Biskuitbrösel und Blattgold. Tortenguss und Alkohol werden häufiger aufgeführt.

cover240Die Zubereitungsbeschreibungen sind ausführlich, was ich beim Backen hilfreich finde. Hier ist es aber auch der schwerpunktmäßigen Rezeptauswahl der Autorin für aufwendige Kuchen geschuldet – neben einigen einfachen. Denn die Autorin Cathérine Jamin hat ihr eigenes Rezeptbuch geöffnet, das einer Konditormeisterin. So ist die Titelunterzeile „Meine Backrezepte für jeden Tag“ aus ihrer Sicht völlig treffend, denn es ist ihr Beruf. Da mir als Nicht-Frankfurterin ihr Name nichts sagte, habe ich den Titel anders verstanden. Ich schloss daraus (und hatte gehofft), dass die Autorin die Klassiker-Rezepte so für den Homecook übersetzt hat, dass sie neben Beruf, Kindern und Haushalt machbar sind. Eben so wie der Verlag schreibt: „leicht und für jeden umzusetzen“. Das empfand ich nicht so, mit Ausnahme der Rührteigrezepte etc., aber die sind dafür auch bekannt. Hilfreich wäre es z. B. gewesen, wenn die Rezepte mit Angaben zu Zeitaufwand, Tipps der Vereinfachung bzw. Vorbereitung ergänzt worden wären – so weiß der Leser, wie er das Rezept auf seinen Tag anpassen kann. Zweifellos hätte die Autorin solche Tipps aus dem Ärmel geschüttelt. (Cover links: Ausgabe 2009)

Für passionierte Bäckerinnen mit Zeit und Muße ist es eine Klassiker-Fundgrube. Und das liegt an der Qualität der Rezepte. Blättert man durch das Buch, offenbart sich die Idee von Cathérine Jamin, nämlich einen Einblick in das Können des Frankfurter Familienbetriebs zu gewähren: Hier ist die vollendete Backkunst einer Konditormeisterin zu sehen. Auch wenn Perfektion mich nicht immer zur Nachahmung einlädt: Die (schlichteren) Rezepte, die ich ausprobiert habe, waren top. Sie ließen keine Wünsche übrig und haben meine Erinnerung vergangener Genüsse wunderbar bewahrt.

Ein gutes Klassiker-Backbuch, dessen Qualität in den Rezepten liegt, aber im Hinblick auf Layout für meinen Geschmack zu konventionell ist. Der Titel ist zudem etwas irreführend: Gemeint ist das tägliche Backwerk einer außerordentlichen Konditormeisterin.

Update
2014 ist dieser Relaunch der Originalausgabe von 2009 erschienen – mit neuem Cover und Inhaltsverzeichnis.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2009

5 Kommentare

  1. Angela

    Ich habe bei Frau Jamin im letzten Jahr einen Hefeteig-Backkurs gemacht und war begeistert. Ich habe viel gelernt, sie ist eine Meisterin ihres Fachs. Und weil das so ist, schreibt sie ein entsprechendes Buch. Es kann nicht jede/r in seiner Kueche mithilfe eines ganz einfachen Backbuches und uebers Wochenende mal eben zur Meisterschaft gelangen. Kochen und auch Backen in erster Linie Handwerk, welches gelernt sein will.

  2. Katharina

    Das freut mich zu hören, liebe Magarete, meinen Schokoladenkuchen hat mein Gasofen in eine pudrige Angelegenheit verwandelt. (Vor kurzem las ich in einem englischsprachigen Kochbuch eine Prozentzahl für die Backzeit bei Elektroofen versus Gasofen. Das war sehr aufschlussreich.) Die Rezepte werden Sie nicht enttäuschen, ich empfehle vor allem den Hefezopf – sensationell gut! Viel Spaß!

  3. Katharina

    Ich habe mir das Buch aus der Stadtbücherei wegen des appetitlichen Schokoladenkuchenfotos ausgeliehen und wurde nicht enttäuscht. Er war derart saftig, locker und schokoladig, dass ich nun das Buch kaufen möche, auch falls die anderen Rezepte nur halb so gut sind.

  4. Katharina

    Die Erwartungen werden vor allem durch die Buchbeschreibungen geweckt: Wer von Jeden-Tag spricht, weckt andere Hoffnungen, vielleicht nicht unbedingt Ohnmachtsanfälle. Bei Catherine Jamin wäre es viel treffender gewesen, von den “Geheimnissen einer Konditorin” zu sprechen. Dann wäre jedem klar gewesen, was auf ihn zukommt. Ich glaube im Übrigen, dass viele entzückt wären. Sie missverstehen meine Kritik: Sie gilt nicht den Rezepten, sondern der verlegerischen Titelwahl.

  5. Ingo Holland

    ich frage mich zur zeit immer mehr was die Leser eines solchen Buches erwarten. Rezepte mit drei Zutaten aus denen Kuchen und Gerichte gelingen , bei denen die Besucher und Geniesser in Ohmacht fallen. Das gibts nur in Hollywood, doch dort kann niemand Kuchen backen wie Frau Jamin.
    Ingo

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