Backbuch von Bernd Siefert: Kuchen, Tartes und Cupcakes

Backbuch von Bernd Siefert: Kuchen, Tartes und Cupcakes ★★★★☆

Kuchen, Tartes und Cupcakes
Bernd Siefert, Fotos M. Hoffmann, Matthaes Verlag (2010)

Christiane Schwert

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

So backt der Profi! Der passionierte Konditor und Patissier Bernd Siefert wendet sich mit seinem neuesten Buch nun einem etwas breiteren Publikum zu. Und jedes der von mir bisher nachgebackenen Rezepte war ein Treffer! Störend am Gesamteindruck ist lediglich die Differenz im Niveau der unterschiedlichen Rezepte.

Die Backbuchsparte ist in meinem Kochbuchregal eher dünn besiedelt – rechts und links neben den Backbüchern der Frau Barcomi ist noch viel Platz, Platz für einen Mann an ihrer Seite, Platz für Bernd Siefert! Während Barcomi der Kategorie Selfmade-Woman zuzuordnen ist und ihre Rezepte dadurch an Authentizität und Qualität gewinnen, ist Siefert ganz Profi, gekürt als „Weltmeister der Konditoren“, einer bei dem sich auch Fachleute was abgucken können. Na, und Laien wie ich vermutlich erst recht!

Das Buch umfasst eine üppige Vielzahl verschiedenster Kuchen- und Tartesrezepte, die von Klassikern wie Marmor- oder Streuselkuchen bis zu exotischen Kreationen wie Süße japanische Bohnentarte mit essbaren Blüten reicht. Im Mittelteil wendet Siefert sich auf wenigen Seiten dem Mode-Thema Cupcakes zu, vermutlich ein Verkaufsargument des Verlags, allerdings mit lobenswertem Ansatz, da er sich in der Kürze an einer schmackhaften Neuinterpretation der süßen Küchlein versucht. Gegen Ende gibt es einen tollen praktischen Teil in dem verschiedene Teige, Massen und Cremes und ihre Zubereitung erklärt werden.

Jedes Rezept ist großzügig mit einer ganzseitigen Fotografie bebildert, deren Ästhetik an eine Kuchenvitrine in der Provinz erinnert. Das liegt zwar voll im gegenwärtigen Landliebe-Trend und ist zudem stimmig mit der beruflichen Heimat Sieferts. Allerdings ist die Umsetzung für meinen Geschmack etwas zu glatt und perfektionistisch: Statt auf Natürlichkeit zu setzen, wurde mehr Wert auf Stilisierung gelegt, so dass die Fotos meine Sehnsucht als Städterin nicht mitnehmen und eine Distanz zu den süßen Objekten schaffen.

Die Rezepte sind klar und übersichtlich strukturiert und auf das Wesentliche reduziert. Das habe ich als sehr angenehm empfunden, da mich die Geschwätzigkeit manch anderer Kochbücher manchmal fast nervt. Allerdings setzt Siefert ein gewisses Können voraus und beschreibt teilweise verschiedene Arbeitsschritte recht knapp in einem Satz, da heißt es aufmerksam sein.

Ich habe hier einige super Rezepte für Klassiker gefunden, aber eben auch eine ganze Reihe von Rezepten, die ich entweder wegen ihrer ellenlangen Zutatenlisten, ihrer diffizilen Zubereitungsweise oder dem benötigten Profiwerkzeug (z.B. die klassische Käsetorte für die ein thermisch isolierter Tortenring benötigt wird) nicht nachbacken werde. Hier verläuft ein schmaler Grad zwischen Inspiration bzw. Frustration, ob der unerreichbaren Nachahmbarkeit.

Mich hat irritiert, dass nicht klar wird, wer denn als eigentlicher Leser gedacht ist. Dem inhaltlichen Spagat – Rezepte für Profis wie für Laien zu bieten, wird das Buch in meinen Augen nicht ganz gerecht. Ein gelernter Konditor braucht keine Tipps wie für das Blindbacken von Tartes und für Laien ist es zu wenig serviceorientiert.

Dabei könnte man meiner Meinung nach mit ein wenig mehr Empathie dieses Buch durchaus einer breiteren (Laien-) Klientel zugängig machen. Ein ordentliches Register und benutzerfreundliche Umrechnungen würden hier schon helfen. So waren 60 g Eigelb für mich als Laie zunächst schon eine kleine Herausforderung, für Profis mit Ei aus dem Tetrapack und super Waage kein Problem (Es sind übrigens vier Eigelb Klasse M…). Oder auch ein erklärendes Wort zu dem mehrmals als Zutat benötigten Propolis (Bienenkitt), wo man es erhält, ob es Alternativen gibt…

Vielleicht hätte man das Buch in verschiedene Schwierigkeitsstufen unterteilen können. Andererseits hat es mir aber auch Freude gemacht, es immer und immer wieder durchzublättern und nach praktikablen Rezepten zu stöbern. Und da die Ergebnisse durchweg überzeugen, ist die Liste immer länger geworden und ich habe mir mit der Zeit auch immer mehr zugetraut. Eine echte Bereicherung also für mein Repertoire und für alle Backlaien, die Lust auf eine süße Herausforderung haben!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2010

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