Backbuch von Angelika Kirchmaier: Schnelle Kekse – Backen für Eilige

Backbuch von Angelika Kirchmaier: Schnelle Kekse – Backen für Eilige ★★☆☆☆

Schnelle Kekse – Backen für Eilige
Angelika Kirchmaier, Fotos Thomas Trinkl
Pichler Verlag (2014)

Simone Brokmeier

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Es gibt Kekse, Cookies, Plätzchen. Manche sind kleine Kunstwerke, andere Klassiker und alle sind süße Sünden. Die Schnellen Kekse von Angelika Kirchmaier jedoch passen in keine der Kategorien.

Die Diätologin, Köchin und Touristikfachfrau hat hundert neue Rezepturen erdacht, die ruck-zuck in nur einer Schüssel angerührt werden und somit wirklich schnell gehen. Orangen-Pecan-Hills, Mohnkipferl und Rehrücken-Schokis wecken Vorfreude. Beim genauen Durchlesen der Zutaten stellte ich dann fest, dass alle Teige mit Vollkornmehl und nur ganz wenig Zucker gebacken werden. Oh! Kein Wort davon auf dem Cover oder Klappentext. Das war eine Überraschung. Ich selbst mag’s gern ein bisschen weniger süß und liebe auch die nussige Textur von Vollkornmehl. Aber wie kommen die Kekse bei meiner Familie oder Gästen an? Bleibt dabei nicht auch Geschmack und Optik auf der Strecke?

Ich nahm Frau Kirchmaier beim Wort: backte gleich zwei Sorten auf einmal. Für den großen bunten Keksteller an einem Abend waren mir die Außentemperaturen noch zu hoch, aber die Weihnachtszeit steht ja noch an… Es geht wirklich leicht von der Hand, parallel zwei verschiedene Sorten anzurühren – schließlich sind ja viele der Zutaten beim Backen ähnlich. Der Herd wird nur einmal vorgeheizt, der Abwasch fällt geringer aus. Alles sehr praktisch, sehr alltagsfreundlich! Die Zweiundvierzigjährige hat auch an alles gedacht, damit nichts schief geht. In den acht Seiten Einleitung weist sie wirklich auf alles hin, was man wissen sollte rund um Backzeiten, Temperatur, Garprobe, Flüssigkeitsmengen. Sie gibt Tipps wie es leichter geht (ein paar Spritzer Wasser unter dem Backpapier und schon rollt es sich nicht immer ein, wenn man gerade versucht schöne Kringel zu spritzen…) Auch Restverwertung, Pannenhilfe und Nährwertangaben finden sich am Ende des Buches. Respekt! Wer sich umfassend mit dem Thema Gesundes Backen beschäftigen will, bekommt hier wirklich jegliche Hilfe.

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Aber da schleicht sich mein kleiner Genussteufel ein und meckert – und was ist mit Geschmack, Konsistenz, Backleidenschaft? Hm, ja, ich geb’s zu, so ganz befriedigt werden konnte der nicht. Jedes Mal wenn ich die hellen Hochglanzseiten durchblätterte fand ich die braunen Kugeln, Scheiben, Fladen irgendwie nicht wirklich verführerisch. Da helfen auch die bunten Streusel, Silberperlen oder Blüten nicht, die Frau Kirchmaier bewusst einsetzt, um die gesunden Zutaten attraktiver zu machen. Mag vielleicht bei kleinen Kindern helfen, mich überzeugte die Optik nicht wirklich, auch wenn ein ganzes Team aus Fotografen und Food-Stylisten am Werk war. Da werden Döschen, Tellerchen, Schleifen in allen Farben des Regenbogens aufgefahren um die Kekse in Szene zu setzen und dann heißen diese Kürbiswuzerl, Didilinchen oder Hanneloren. Wen spricht das an? Mütter in Eile (immer!), die Wert auf gesunde Ernährung legen (immer gut!) und trotzdem was kindgerechtes Selbstgemachtes anbieten wollen? Vielleicht sind meine Kids schon zu groß, dass ich Kekse noch mit Auge verziere, vielleicht mag ich einfach generell alles Verniedlichende nicht (Mürbchen, Streusis, Dattelinchen!).

Also lieber etwas „Erwachsenere“ Varianten wie Fruchtcrumbles und Rehrücken-Schokis ausgesucht. Was soll ich sagen – das ging wirklich schnell von der Hand und frisch schmeckten sie auch gut (könnte noch ein Tick süßer sein, aber das kann man ja gut selbst justieren). Bei den detaillierten Angaben konnte auch nichts schief gehen, lediglich kullerten bei mir nie die angegebenen Stückzahlen vom Blech. Nachdem sie nicht sofort vernascht wurden, musste ich leider mit ansehen, dass die einen deutlich an Geschmack verloren, die anderen gar nach kurzer Zeit schimmelten! Das ist mir auch noch nicht passiert…

Die Rezepte der fünf Kategorien Löffelkekse, Knuspis, Steuselkekse, In Form und Kunterbuntes sind tatsächlich vielfältig, es taucht nicht nur ein Grundteig in zehn Varianten erneut auf. Aber für den großen Genuss fehlt mir etwas mehr Raffinesse, Süße, eine delikatere Konsistenz. Die Vollwertküche von einst in neuem Gewand konnte nur mein Öko-Ego erfreuen. Mein Teufelchen sprach: weitergucken.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2014

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