Backbuch von Andreas Neubauer: Weihnachtsplätzchen

Backbuch von Andreas Neubauer: Weihnachtsplätzchen ★★★★☆

Weihnachtsplätzchen
Andreas Neubauer
Fotos: Mathias Neubauer
Autorenfoto: Auen60
Gräfe und Unzer Verlag (2019)
Mehr über den Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Eine der spannenden Auftaktfragen für die Adventszeit ist die, welche Plätzchen in diesem Jahr den Teller füllen werden. Dabei kommt es nicht nur auf die Sorte für sich an, sondern entscheidend auf den richtigen Mix – im Grunde wie bei einem Menü. Etwas Schoko, etwas Vanille, aber auch Frucht und Nuss. Hingucker und Einfaches. Denn erst die Summe der Auswahl entfacht den Zauber, der bekanntermaßen keine Altersbeschränkung kennt.

Welche sollen es also werden? Nur Klassiker oder auch Neues? Wofür schlägt das Herz? Meine private Blitzumfrage ergibt ein klares Bild: Es gibt die Traditionalisten, die ihr festes Alle-Jahre-wieder-Plätzchen-Menü lieben, und es gibt die, die daneben auch etwas variieren möchten.

Genre-Trio an Plätzchen

Genau hieran knüpft das Backbüchlein „Weihnachtsplätzchen“ von Andreas Neubauer an. Der Koch und Foodstylist unterteilt seine 36 Rezepte in „Klassiker“, „Verführerisch anders“ und „Betörend schön“. Es beginnt mit Spitzbuben, Vanillekipferl und Spekulatius. Einzelne Rezepte werden durch Tipps ergänzt, wie z. B., dass der Vanillezucker ruhig im Voraus zubereitet werden kann, sodass er durchzieht und mehr Aroma hat. Oder dass die Elisenlebkuchen aufbewahrt in einer Blechdose und abgedeckt dank Apfelschalen weich und saftig bleiben.

Backbuch von Andreas Neubauer: WeihnachtsplätzchenDas nächste Kapitel mit 15 variierten Plätzchen lässt sich dann schwerlich lesen, ohne die ersten Nachback-Ausrufezeichen zu setzen. Angefangen von Stollen-Cantuccini, Bratapfel-Cookies und Kokos-Spitzbuben eröffnen sie ein kreatives Spiel von Tradition mit Einflüssen fremder Länderküchen. Das dritte Kapitel richtet sich dann an die Miniatur-Handarbeiter unter uns mit Lebkuchen-Männchen und Nikolaus-Plätzchen. Alles sieht perfekt dekoriert aus. Auf Kindertauglichkeit kam es hier eher partiell an, so mein Eindruck.

Dieses Kapitel ist zudem das schmalste mit nur sechs Rezepten und das macht für mich Sinn. Zwar sehen zum Beispiel die Goldenen Nuss-Sterne (siehe Bild links) fabelhaft aus, aber Goldpulver à la Frank Riberys Gold-Steak kollidiert mit meiner natürlichen Bescheidenheit, und Lebensmittelfarbe verwende ich nicht. Hier wäre es ggf. angebracht gewesen, auf Lebensmittelfarben zum Selbermachen hinzuweisen, wie z. B. Kurkuma für einen gelben Farbton. Andererseits verändert das natürlich den Geschmack.

Der dreiteilige Rezeptteil wird schließlich eingerahmt mit Infografik-Erläuterungen zum Prinzip Plätzchen, die Rolle der einzelnen Zutaten sowie einem einfachen Butterplätzchen-Rezept. Durchdacht.

Der diesjährige Plätzchen-Oscar geht an …

Mein Lieblingskapitel ist, wie oben bereits angedeutet, „Verführerisch anders“. Die Idee, Heimisches und die weite Welt zu verbinden, spricht mich voll und ganz an. Andreas Neubauer zeigt anhand der Glühwein-Macarons, Spekulatius-Schnecken mit Orangenmarmelade und Mokka-Nuss-Kipferl, dass „anders“ nicht gleich heißen muss, die Tradition außen vor zu lassen, sondern auch bedeuten kann, einfach nur einen Schritt in eine andere Richtung weiterzugehen. Zudem begeisterte mich das Ergebnis.

Die nachgebackenen Rezepte waren geschmacklich fein. Besonders die Mokka-Nuss-Kipferl haben das Zeug, die bisher gesetzten Vanillekipferl abzulösen. Hier und da bin ich zwar abgewichen vom Rezept, zum Beispiel lege ich einen Teig zum Ausrollen zwischen Backpapier, wenn er besonders dünn werden soll. Auffallend ist, dass die Anleitungen bei manchen Rezepten vielleicht etwas knapp ausfallen, da wenig Raum für Erfahrungswerte und typische Teig-Fallen vorgesehen ist, sondern sich der Autor auf die zentralen Zubereitungsschritte fokussiert, aber das mindert nicht meinen positiven Gesamteindruck.

„Weihnachtsplätzchen“ von Andreas Neubauer ist ein konzeptionell durchdachtes Buch. Es offeriert Klassiker, bietet Neues mit einer durch und durch ansprechenden Melange von Heimat und weiter Welt sowie Dekoriertes. Verlässlich und erfreulich.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2019

3 Kommentare

  1. Birgitta

    Liebe Katharina, ganz herzlichen Dank für den Tipp! Ich habe im Internet ein bisschen in Franziska Schweigers „Weihnachtsbäckerei“ geblättert, ja wirklich sehr feine Rezepte.
    Und jetzt das Geschenk zum Advent: der Verlag hat die Preisbindung aufgehoben, es kostet z.B. bei OSIANDER 5,- € Überflüssig zu erwähnen, dass das Buch seit heute bei uns eingezogen ist…… wunderschön aufgemacht, gute Anleitungen und alle Rezepte mit sooo schönen Fotos – da werde ich meine Plätzchen-Planung gleich nochmals neu überdenken. Danke und ganz adventliche Grüße, Birgitta

  2. Birgitta

    Liebe Katharina, danke für die leckeren Tipps!
    Ich hatte mir zwischenzeitlich das von Euch erwähnte Buch „Die besten Weihnachtskekse“ von Johanna Aust gekauft, jedoch noch nichts gebacken, da sich mir beim Lesen einige Fragen aufgetan haben: die Autorin macht z.B. den Mürbeteig immer aus zimmerwarmen Zutaten und verarbeitet den Teig sofort. Erscheint mir eine ziemlich klebrige Angelegenheit. Habt Ihr dieses Buch schon in Arbeit?
    Andreas Neubauer von „Weihnachtsplätzchen“ arbeitet nach der mir bekannten Methode, Mürbeteig aus gekühlten Zutaten, danach noch 1 Std. kühl stellen. Damit hatte ich all die Jahre sehr gute Ergebnisse. Was meint das Valentina-Team zu der Vorgehensweise von Frau Aust? Über Tipps würde ich mich sehr freuen! Und über weitere Plätzchenrezepte auch…..

    • Katharina

      Liebe Birgitta, wie immer gerne. Das Buch der Autorin Aust ist gerade in Arbeit bei Ulrike gegangen, aber wird als Rezi wohl eher nicht vor diesem Weihnachten fertig.
      Zu Deiner Frage zum Mürbeteig: Hm, in der Tat ein praktikabler Einwand, wenn man mit einer Küchenmaschine arbeitet, machbar. Meines Wissens nach ist vor allem die Kühlung vor dem Backen unverzichtbar, damit die Plätzchen mürbe werden und in Form bleiben. Das Weizen-Gluten zieht sich dann wieder zusammen. Man müsste eigentlich mal ein Vergleichstest machen. Ich gebe Deinen Hinweis an Ulrike weiter.
      Weitere Plätzchen findest Du hier: https://valentinas-kochbuch.de/themen/plaetzchen/
      Franziska Schweiger ist weiter mein Favorit unter den Plätzchen-Autoren. Dir viel Freude!

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